„Industrie 4.0 ist bei Miele längst Alltag“

Teilnehmer des Unternehmerfrühstücks „viertelvoracht“ hatten Gelegenheit, eines der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Familienunternehmen zu besuchen und einen Blick in die Euskirchener Produktionshallen zu werfen

Zum „viertelvoracht“-Unternehmerfrühstück bei Miele in Eiskirchen luden Manfred Poth (v.l.), Allgemeiner Vertreter des Landrats, Werkleiter Dr. Arnt Vienenkötter, Wirtschaftsförderin Iris Poth und KSK-Vorstandsmitglied Holger Glück ein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Zum „viertelvoracht“-Unternehmerfrühstück bei Miele in Eiskirchen luden Manfred Poth (v.l.), Allgemeiner Vertreter des Landrats, Werkleiter Dr. Arnt Vienenkötter, Wirtschaftsförderin Iris Poth und KSK-Vorstandsmitglied Holger Glück ein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – Mit einem besonderen Gastgeber verabschiedete sich das Unternehmerfrühstück „viertelvoracht“, eine Partnerinitiative von Kreiswirtschaftsförderung und Kreissparkasse Euskirchen (KSK), jetzt in die Winterpause: Die Teilnehmer waren zu Besuch bei einem der größten deutschen Familienunternehmen, das in weit über 100 Jahren längst zu einem kollektiven Begriff für Qualität geworden ist: Miele.

Mit elf Mitarbeitern, vier Drehbänken und einer Bohrmaschine gründeten der Techniker Carl Miele und der Kaufmann Reinhard Zinkann 1899 in Herzebrock eine Firma zur Herstellung von Milchzentrifugen. Ihr Leitmotiv „Immer besser“ wurde zur Unternehmensphilosophie und hat auch heute mit über 80 Gesellschaftern, so berichtete Werkleiter Dr. Arnt Vienenkötter, immer noch Bestand.

Auch der Abschluss der diesjährigen „viertelvoracht“-Reihe war wieder ausgebucht. Im kommenden Jahr werden die Netzwerktreffen fortgesetzt. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Auch der Abschluss der diesjährigen „viertelvoracht“-Reihe war wieder ausgebucht. Im kommenden Jahr werden die Netzwerktreffen fortgesetzt. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Die Kreisstadt Euskirchen darf sich seit 1951 glücklich schätzen, einen der mittlerweile zwölf weltweiten Standorte von Miele vor Ort beheimatet zu wissen. War das Euskirchener Werk zunächst gebaut worden, um dort Fahrraddynamos zu produzieren, so befindet sich heute an der Roitzheimer Straße das Miele-Kompetenzzentrum zur Entwicklung und Fertigung elektrischer Antriebe für alle Staubsauger, Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler.

„Dies macht Euskirchen mit seinen rund 450 Beschäftigten zum internen Zulieferer von fünf anderen Miele-Werken“, berichtete Vienenkötter, der als Werkleiter die technische Gesamtverantwortung des Euskirchener Miele-Werks trägt. 33.000 Produkte, so Vienenkötter, verließen täglich das Euskirchener Werk, Produkte, bei denen es vor allem auf Langlebigkeit und Präzision ankomme. Doch Miele produziere mittlerweile weitaus mehr als nur Haushaltsgeräte. „Wir sind beispielsweise in der Lage, ein Krankenhaus komplett auszustatten, von der Desinfektionsanlage über die Reinigung bis hin zum OP-Besteck“, berichtete er. Ziel des Unternehmens sei es, weltweit die begehrteste Marke zu sein und dabei weiterhin unabhängig zu bleiben. „Wir investieren das, was wir verdienen, und versuchen damit, das Wachstum nachhaltig zu erwirtschaften“, so der Werkleiter.

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Sie attestieren dem Kreis Euskirchen starke Wirtschaftsbetriebe: Manfred Poth (v.l.), Allgemeiner Vertreter des Landrats, Werkleiter Dr. Arnt Vienenkötter und KSK-Vorstandsmitglied Holger Glück. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Sie attestieren dem Kreis Euskirchen starke Wirtschaftsbetriebe: Manfred Poth (v.l.), Allgemeiner Vertreter des Landrats, Werkleiter Dr. Arnt Vienenkötter und KSK-Vorstandsmitglied Holger Glück. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Das Durchschnittsalter der Miele-Mitarbeiter von 46,3 Jahren zeigt, dass auch die Belegschaft sich mit dem Unternehmen identifiziert. „Unsere Frauenquote von 12,4 Prozent könnte allerdings höher sein“, gab Vienenkötter zu. In technischen Betrieben sei diese Quote allerdings normal. Zwölf Prozent der rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Auszubildende, womit Miele auch einer der großen und wichtigen Ausbildungsbetriebe in der Region ist. Der Hauptteil der Kosten, die das Unternehmen investieren müsse, werde von den Stahlpreisen diktiert. Denn Miele verarbeite 10.000 Tonnen Stahl pro Jahr.

„Das Thema Industrie 4.0 ist für Miele nichts Neues“, so Vienenkötter. Digitalisierung und Vernetzung seien vielmehr im Produktionsalltag längst gelebte Realität. Die hochintegrierten Steuerungen der Fertigungslinien würden schon jetzt den Zustand von jedem einzelnen Produkt im Produktionsablauf kennen und dies beispielsweise gezielt an die nächste verfügbare Bearbeitungsmaschine leiten. Auch würden Produkte mit nicht ausreichenden Qualitätsmerkmalen sofort ausgeschleust und die zuständigen Mitarbeiter in Echtzeit über alle wichtigen Ereigniszustände des Gesamtsystems informiert.

Bei der Betriebsführung durch das Miele Werk Euskirchen konnten sich die Besucher einen Eindruck von modernster Fertigungstechnik verschaffen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Bei der Betriebsführung durch das Miele Werk Euskirchen konnten sich die Besucher einen Eindruck von modernster Fertigungstechnik verschaffen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Vienenkötter: „In unseren Werken wird an Schlüsseltechnologien gearbeitet wie beispielsweise künstliche Intelligenz, Bilderkennung oder kollaborierende Roboter. Dabei setzen einzelne Werke diese Technologien als Pilotprojekte um. Bei Erfolg wird die Technologie dann an die anderen Werke weitergegeben.“

Als Beispiel nannte Vienenkötter ein Werkassistenzsystem in Bünde, das vor allem ein hohes Maß an Qualitätssicherung garantiert und eine bessere Flexibilität unter der Belegschaft ermöglicht. Darüber hinaus informierte Vienenkötter die Teilnehmer über fahrerlose Transportsysteme im Gütersloher Werk, zu dem Vienenkötter übrigens in Kürze wechseln wird, um dort neue Aufgaben zu übernehmen.

„Industrie 4.0 bedeutet keine menschenleere Fabrik, sondern wir optimieren Produktions- und Wertschöpfungsprozesse auf ein totales Optimum. Dazu benötigen wir aber umso mehr qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese Systeme überblicken, beherrschen und am besten auch noch weiterentwickeln“, stellte Vienenkötter klar. Daher versuche man, die eigenen Fachkräfte auch intern aus- und weiterzubilden. So seien beispielsweise von den 193 Industriemechanikern, die seit 1969 bei Miele ausgebildet wurden, heute noch 52 im Unternehmen beschäftigt.

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Manfred Poth, Allgemeiner Vertreter von Landrat Günter Rosenke, zog eine positive Bilanz der vergangenen Unternehmerfrühstücke: „Wir haben 19 Mal die Möglichkeit gehabt, gute Kontakte zu knüpfen, einen Überblick über regionale Kompetenzen zu erhalten, Geschäftskontakte anzubahnen und hinter die Kulissen eines Unternehmens zu schauen.“ Diese Treffen wären jedoch nicht möglich gewesen ohne die „kooperative Vorbereitung von Kreissparkasse und Wirtschaftsförderung“, für die sich Poth herzlichst bedankte.

KSK-Vorstandsmitglied Holger Glück betonte, dass man stolz darauf sei, die Firma Miele als Kooperationspartner gewonnen zu haben. „Als Familienunternehmen wird Miele langfristig geführt und unterscheidet sich damit deutlich von den börsen- oder kapitalmarktorientierten Unternehmen“, so Glück. Mit vier Milliarden Euro Umsatz und einem sechsprozentigen Wachstum allein im vergangenen Jahr, sei Miele weiterhin auf Erfolgskurs. „Sie haben einen langen Atem, stellen den Kunden in den Mittelpunkt ihrer Unternehmensphilosophie, liefern gute Qualität und leisten damit auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit“, freute sich Glück.

Anschließend hatten die Teilnehmer von „viertelvoracht“ Gelegenheit, einen Blick in die Euskirchener Produktion von Miele zu werfen und sich so selbst ein Bild vom Alltag in einem deutschen Vorzeigebetrieb zu machen.

Eifeler Presse Agentur/epa

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