„Viel Interesse an wenig Zinsen“

Zwei ausgewiesene Finanzexperten der DekaBank, Dr. Ulrich Kater und Jörg Korthaus, gaben 170 Gästen der Kreissparkasse Euskirchen strategische Ratschläge für das finanzielle Überleben in einer Welt ohne Zinsen – „Alle investieren in deutsche Unternehmen, nur die Deutschen nicht“

KSK-Vorstandsmitglied Hartmut Cremer (v.l.) stellte die beiden Referenten, Dr. Ulrich Kater und Jörg Korthaus, dem Publikum vor. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
KSK-Vorstandsmitglied Hartmut Cremer (v.l.) stellte die beiden Referenten, Dr. Ulrich Kater und Jörg Korthaus, dem Publikum vor. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – Ein wenig scheint es paradox: Seitdem es praktisch keine Zinsen mehr gibt, interessieren sich immer mehr Menschen für eine lukrative Geldanlage. „Vor zwei Jahren haben wir erstmals eine Kundenveranstaltung zu volkswirtschaftlichen Themen angeboten“, berichtete der KSK-Vertriebsdirektor für Privatkunden Volker Zart. „Schon damals herrschte reges Interesse, aber jetzt hat sich die Anzahl der interessierten Kunden noch einmal verdoppelt.“

Vielleicht lag der große Zuspruch auch ein wenig an den Referenten. Vorstandsmitglied Hartmut Cremer stellte diese als ausgewiesene Finanzexperten vor. So sei Dr. Ulrich Kater beispielsweise von 1995 bis 1999 im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich gewesen.

Gut 170 Gästen verschaffte Dr. Ulrich Kater einen kleinen Einblick in die nationale und internationale Wirtschaft. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Gut 170 Gästen verschaffte Dr. Ulrich Kater einen kleinen Einblick in die nationale und internationale Wirtschaft. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Seit 1999 ist der promovierte Volkswirt bei der DekaBank, seit 2004 dort als Chefvolkswirt im Amt sowie seit 2006 Vorsitzender des Beirates für Wirtschaftsfragen im Verband Öffentlicher Banken. „Darüber hinaus nimmt er zahlreiche Lehraufträge wahr und ist Autor vieler Veröffentlichungen zu den Themen Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und internationaler Dienstleistungshandel“, so Cremer.

Ulrich Kater freute sich angesichts des voll besetzten S-Forums über „viel Interesse an wenig Zinsen“ und klärte die Anwesenden darüber auf, dass die seit 100 Jahren existierende DekaBank keine Investmentbank sei, sondern zu den Sparkassen gehöre. „Wir sind dazu da, um Vermögen in die Zukunft zu transportieren“, so der 53-Jährige, der zunächst einen kritischen Blick auf die journalistische Berichterstattung bezüglich der Börse warf. So sei der DAX in den letzten Monaten um zehn Prozent zurückgegangen, was die Presse bewogen habe, von einer „Vernichtung“ von Vermögen zu sprechen. Dies sei zwar richtig, aber im selben Zeitraum sei auch viel Vermögen geschaffen worden, worüber allerdings nicht geredet werde.

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„In die deutschen Unternehmen investieren viele, nur nicht die Deutschen, weil sie Angst vor einer Pleite haben und somit vor dem Verlust ihres Vermögens“, berichtete Kater. Aber als Anleger könne man sich gegen eine solche Pleite sehr gut schützen, indem man seine Investitionen auf viele Firmen verteile. Denn: „Ein ganzer Aktienmarkt geht nie pleite.“ Die deutsche Wirtschaft in ihrer Ganzheit sei seit dem Zweiten Weltkrieg immer erfolgreich gewesen. Diese beständige Ertragskraft müsse man sich nur nützlich machen.

Auch die Angst vor einer Rezession, ausgelöst durch die Finanzpolitik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, hielt Kater für unbegründet. „Eine Runde von Strafzöllen macht noch keine Rezession. Ein Abbau der Weltwirtschaft ist nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen.“ Die Weltwirtschaft funktioniere mittlerweile wie eine einzige große Fabrikhalle. Transportkosten seien minimal geworden. Der Transport einer Flasche Wein von Chile nach Deutschland koste gerade mal acht Cent. Ein Kleidungsstück werde heute an verschiedenen Stellen der Welt bearbeitet und hätte nicht selten eine 60.000 Kilometer lange Reise hinter sich, wenn es in Deutschland zum Verkauf angeboten würde. „Wir genießen heute das größte Warenangebot aller Zeiten zu den günstigsten Preisen“, so Kater. Diese höchsteffiziente Verflechtung der Weltwirtschaft könne Trump nicht so leicht beseitigen.

Kater: „Die Weltwirtschaft ist ein Sandkasten, in dem nur alle zufrieden sind, wenn sie gemeinsam spielen dürfen.“ Wenn einer Spaß daran habe, mit Sand zu werfen, dann müsse man ihm sofort kräftig auf die Finger klopfen, bevor alle mit Sand werfen würden und es ungemütlich werde, so Kater mit Blick auf Trumps Finanzpolitik.

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In Sachen Zinspolitik war sich der Finanzexperte sicher, dass sich die Zinsen bis 2022/23 wieder bei zwei Prozent einpendeln dürften. „Das ist ein langsamer Prozess, die Zinsen werden steigen, aber es wird nicht ausreichen“, so Kater, da sich die Inflationsrate ebenfalls bei zwei Prozent einfände, so dass der Realzins gleich null betragen werde.

„Die deutsche Wirtschaft läuft. Wir erleben derzeit einen Aufschwung. Dieser wird nicht an Altersschwäche sterben, wie mancher vermutet, denn nur weil es eine Zeitlang bergauf geht, muss es nicht zwangsläufig demnächst wieder bergab gehen“, so Kater, der als Beispiel Australien anführte, wo es schon seit 25 Jahren keine Rezession mehr gegeben habe.

Aufgrund der Zinslage hätten private Haushalte derzeit aber nur wenig Alternativen: „Entweder Sie investieren in Bitcoins, dann wünsche ich Ihnen alles Gute. Oder Sie machen nichts, was Sie auch nicht weiterbringt. Oder aber Sie kontern auf die derzeitige Zinspolitik mit einer strategischen Antwort, sprich: Sie investieren einen Teil Ihres Vermögens in Anlagen und Wertpapiere, die noch Zinsen über der Inflationsrate abwerfen.“

Wie man dabei am besten vorgeht, dies erklärte im Anschluss Jörg Korthaus, Abteilungsdirektor der DekaBank Deutsche Girozentrale Luxembourg S.A, dessen Spezialgebiet fondsgebundene Anlagekonzepte sind.

Jörg Korthaus referierte über das Wertpapiergeschäft der DekaBank. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Jörg Korthaus referierte über das Wertpapiergeschäft der DekaBank. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Der Wertpapierbetrieb ist ein seriöses Geschäft“, so Korthaus. Den Zigarre rauchenden Fondsmanager, den Broker, wie man ihn aus Filmen kenne, der alle Entscheidungen allein treffe, den gebe es nicht. Man benötige für ein vernünftiges Fondsmanagement vielmehr gleichermaßen Generalisten und Spezialisten. Denn Anlagemöglichkeiten gebe es zuhauf, sie zu filtern sei das Problem. Aus diesem Grunde arbeiteten bei der DekaBank allein 50 Fondsanalysten und Portfoliomanager, die rund um die Welt die Finanzmärkte im Blick behielten. „Wir setzen darüber hinaus auf Primärinformationen und haben allein aus diesem Grund im vergangenen Jahr knapp 2000 Unternehmen weltweit besucht“, so Korthaus.

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Die Auswertung dieser Fülle von Informationen sei eine trockene Datenanalyse, die ein Privatmann unmöglich allein im stillen Kämmerlein erledigen könne, zumal er an viele Informationen gar nicht oder nur verspätet herankomme.

„Die jederzeit beste Anlageklasse gibt es nicht. Aber es gibt immer eine beste Anlageklasse“, so Korthaus. Der wichtigste Rat sei, dass man nicht alle Eier in einen Korb legen solle, was die Experten als Diversifikation bezeichneten, d.h.: man setze am besten auf eine breite internationale Streuung seiner Anlagen. Dabei sei allerdings auch zu beachten, wie die einzelnen Investments sich im Fonds gegeneinander verhielten, damit man keine bösen Überraschungen erlebe. Aus diesem Grund setze die DekaBank auf 14 internationale namhafte Kooperationspartner wie beispielsweise J.P. Morgan, Black Rock oder die UBS. 16 Fondsanalysten, das größte Bankenteam deutschlandweit, sorge weiterhin jeden Morgen bei einem gemeinsamen Treffen dafür, dass aus dem fundamentalen Fondsmanagement für den Anleger das Beste herausdestilliert werde.

Korthaus empfahl den Zuhörerinnen und Zuhörern daher, auf jeden Fall das Gespräch mit der Kreissparkasse zu suchen, um gemeinsam eine individuelle Vermögenstrategie in einer Welt ohne Zinsen zu erstellen.

Eifeler Presse Agentur/epa

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