Krimilesung zwischen Bonbons und Eifeler Köstlichkeiten

Jürgen Schmidt brachte mörderische Spannung in den „Nimm Ess Mit“-Markt in Bad Münstereifel, als er aus seinem neusten Eifel-Krimi „Zwentibolds Rache“ las

Der Bad Münstereifeler Autor Jürgen Schmidt bannte seine Zuhörer im „Nimm Ess Mit“-Markt mit seinem zweiten Eifel-Krimi „Zwentibolds Rache“. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Der Bad Münstereifeler Autor Jürgen Schmidt bannte seine Zuhörer im „Nimm Ess Mit“-Markt mit seinem zweiten Eifel-Krimi „Zwentibolds Rache“. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Bad Münstereifel – Zwischen Regalen mit Bonbons, Powerdrinks und Eifeler Köstlichkeiten konnten über 50 Zuhörer im damit proppenvollen „Nimm Ess Mit“-Markt die Lesung „Zwentibolds Rache“ von Eifel-Krimi-Autor Jürgen Schmidt erleben. Der mit einem Bistro kombinierte Lebensmittelmarkt in der Fußgängerzone von Bad Münstereifel war am vergangenen Freitagabend zum ersten Mal Schauplatz einer Lesung, wie Wilhelm Stein, Geschäftsführer der Nordeifelwerkstätten (NEW), in seiner Begrüßungsrede berichtete: „Der Markt ist ein inklusives Projekt der Nordeifelwerkstätten, in dem Menschen mit und ohne Behinderung zusammen arbeiten.“ Wie gut das funktioniere, sehe man schon daran, dass es vielen Kunden nicht oder nicht mehr bewusst sei, dass sie beispielsweise von einem Beschäftigten mit Einschränkungen bedient werden.

Welche Auswirkungen ein Krimi aus der Feder von Jürgen Schmidt haben könne, erklärte Stein so: „Viele kennen ja noch das Lied »Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett«. Als meine Frau »Zwentibolds Rache« gelesen hat, brannte ein paar Abende auch noch lange Licht im Schlafzimmer!“ Gespannte Stille, nur untermalt vom leisen Brummen der Kühltheke im Rücken von Autor Schmidt, senkte sich über den Ladenraum, als Schmidt zu lesen begann.

Wo sonst Supermarktartikel verkauft werden, drängten sich zwischen den Regalen über 50 Zuhörer, um Krimiautor Jürgen Schmidt zu lauschen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Wo sonst Supermarktartikel verkauft werden, drängten sich zwischen den Regalen über 50 Zuhörer, um Krimiautor Jürgen Schmidt zu lauschen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

In seinem Buch steigt der Münstereifeler nicht nur in einen Kriminalfall mit viel Lokalkolorit ein, sondern beschreibt mit scharfem Blick fürs Detail auch das Familienleben seines Protagonisten, den Privatermittler Andreas Mücke. Wie man am Kichern des Publikums ablesen konnte, erkannten sich manche Zuhörer in diversen Szenen wieder, etwa, wenn die 15-jährige Tochter des „Privatschnüfflers“ hofft, dass ihr Vater vor der Freundin keine peinliche Szene wegen ein paar Euro Einkauf macht (den natürlich Papa bezahlen muss), oder wie er für seine Ex-Frau einen Urlaubszuschuss berappen soll.

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Viele amüsierte Publikumsreaktionen gab es auch, als der Roman- und Krimi-Autor bei einer Befragung seines Detektivs eine Reihe real existierender Kneipen der Münstereifeler Innenstadt aufzählt, eine Hochzeitsfeier in den Windheckenweg legt oder zwischen zwei Sätzen aufschaut und fragt: „In welchem Bistro hat Mücke von der Tat erfahren?“ Dabei wollte Schmidt nicht etwa herausfinden, ob sein Publikum auch gut zuhört: „Wer schon mal bei einer Lesung von mir war, der weiß, dass es auch immer etwas zu gewinnen gibt.“ Wer die Antwort am schnellsten wusste („Die Frau da neben den Süßigkeiten war Erste“), wurde etwa mit einem Glas Senf von einem Hersteller der Region, der sogar auch im Buch vorkommt, oder einer Kaffeetasse mit dem Aufdruck seines ersten Eifelkrimis „Lesereise in den Tod“ beschenkt.

Für die Pause hatte das Team um Rebecca Marotta, die gemeinsam mit einer Kollegin den Markt leitet, einen Snack mit Fleisch, Fisch oder vegetarisch vorbereitet, dazu gab es eine Kaffeespezialität nach Wunsch. Kaum ging die Lesung weiter, sorgte Rebecca Marotta unfreiwillig, aber umso sympathischer für einen echten Publikumsbrüller: Just als Schmidt von einer sich schließenden Autotür las, konnte die Marktleiterin beim Schließen einer Tür ein Quietschen nicht verhindern. Das laute Gelächter kommentierte Schmidt schlagfertig: „Daran haben wir eine ganze Woche geübt!“

Krimiautor Jürgen Schmidt (v.l.) kam auf Einladung seines Chefs Wilhelm Stein, Geschäftsführer der Nordeifelwerkstätten, zu einer Lesung in den „Nimm Ess Mit“-Markt in Bad Münstereifel. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Krimiautor Jürgen Schmidt (v.l.) kam auf Einladung seines Chefs Wilhelm Stein, Geschäftsführer der Nordeifelwerkstätten, zu einer Lesung in den „Nimm Ess Mit“-Markt in Bad Münstereifel. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Nicht nur die aufmerksame Stille bei der Lesung, sondern auch die strahlenden Gesichter der Zuhörer und nach der Lesung die lange Schlange am Signiertisch von Jürgen Schmidt waren sichtbare Zeichen des gelungenen Abends. Wilhelm Stein hatte dem Autor den Markt als Leseort angeboten, denn Schmidt ist neben seiner Autorenschaft auch bei den NEW mit „Buch und Druck“ beschäftigt: Als Fachkraft betreut er im Druckereizentrum der Nordeifelwerkstätten Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und hat mit ihnen auch beispielsweise die Anthologie „Eine Portion Leben, süß-sauer“ zusammengestellt.

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Schmidt war sehr angetan von dem Abend. „Das war auch für mich etwas Besonders, in diesem Ambiente zu lesen“, sagte er und setzte scherzhaft hinzu: „Ich hätte auch gleich mein Leergut mitbringen können!“ „Im Nimm Ess Mit“-Markt gibt es neben Kaffeespezialitäten und Snacks auch Supermarktartikel von der Batterie und Handykarte über Brotaufstriche und Nudeln bis zu Eifelspezialitäten sowie frisch gefertigte Speisen, Smoothies oder fertig zusammengestellte Einkaufstüten für bestimmte Gerichte zu erstehen.

Eifeler Presse Agentur/epa

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