„Fluchtpunkt Eifel: Geflüchtete zwischen Ankunft und Ankommen“

„Sozialgenial“-Projektkurs der Oberstufe am Städtischen Johannes Sturmius-Gymnasium Schleiden lädt aus Anlass des alljährlichen Sommerfests zu einer sehenswerten Ausstellung rund um das Thema „Flucht“ ein – Hier geht es direkt zum Video

Wiebke Schumacher (v.l.), Moritz Massia und Martina Krohn gehörten mit zu den Projektteilnehmern. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Wiebke Schumacher (v.l.), Moritz Massia und Martina Krohn gehörten mit zu den Projektteilnehmern. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Schleiden – Ein Jahr lang hat sich die Q1 am Städtischen Johannes-Sturmius-Gymnasium in Schleiden (JSG) mit dem Theyma „Flucht“ beschäftigt. Unter dem Titel „Fluchtpunkt Eifel: Geflüchtete zwischen Ankunft und Ankommen“ haben die jungen Leute sich auf vielschichtige Weise mit dem schwierigen Thema auseinandergesetzt und dabei nicht nur die menschliche, sondern auch die rechtliche und organisatorische Seite der Flüchtlingsarbeit beleuchtet. Aus Anlass des Schulfestes am JSG möchte der Projektkurs nun die Ergebnisse seiner Arbeit in einer eigens konzipierten Ausstellung der Öffentlichkeit präsentieren. Die Ausstellung ist am Freitag, 6. Juli, ab 13:30 Uhr im Foyer vor der Aula zu sehen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Der Projektkurs wurde im Schuljahr 2017/18 als „Sozialgenial“-Projektkurs in Zusammenarbeit mit vielen Kooperationspartnern eigens eingerichtet. Die Schülerinnen und Schüler Milena Fries, Martina Krohn, Moritz Massia, Alina Pütz und Wiebke Schumacher (alle Jgst. 11) haben sich unter der Leitung der „Sozialgenial“-Koordinatorinnen des JSG, Angelika Schmitz und Heike Schumacher, in drei Schulstunden pro Woche mit Teilaspekten der Flucht beschäftigt.

Großer Andrang bei der Ausstellung „Fluchtpunkt Eifel“ herrschte bereits am Weltflüchtlingstag. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Großer Andrang bei der Ausstellung „Fluchtpunkt Eifel“ herrschte bereits am Weltflüchtlingstag. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Zunächst haben wir uns dem Thema sehr theoretisch genähert, haben uns mit Begriffsklärungen auseinandergesetzt und die Fluchtrouten und ihre Risiken untersucht“, berichtete Heike Schumacher. Auf diese Weise hätten sich die Schülerinnen und Schüler ein geschichtliches, politisches, ökonomisches und ökologisches Hintergrundwissen zur besseren Einordnung der Flüchtlingsbewegung angeeignet.

Im praktischen Teil nahmen die jungen Leute dann im zweiten Schulhalbjahr Kontakt zu diversen Kooperationspartnern auf und führten mehrere Interviews, die anschließend ausgewertet wurden. So befragten sie beispielsweise zusammen mit Carsten Schlott, dem Vorsitzenden des Vereins Regenbogen Schleiden, einen Geflüchteten aus Kosovo-Albanien und einen Geflüchteten aus Somalia. Laura Jurczyga, „Bufdi“ (Bundesfreiwilligendienst) bei der Stadt Schleiden und vormals selbst Schülerin des JSG, informierte sie über das deutsche Asylverfahren, die Flüchtlingsunterkunft auf Vogelsang und über Integrationsmaßnahmen in der Region. Pfarrer Erik Schumacher von der Evangelischen Trinitatisgemeinde Schleidener Tal in Schleiden und Pfarrer Christoph Ude von der Evangelischen Trinitatisgemeinde Schleidener Tal in Kall gaben den Schülerinnen und Schülern Auskunft über das „Kirchenasyl“ und erzählten vom Taufunterricht und von zum christlichen Glauben übergewechselten muslimischen Geflüchteten.

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Bürgermeister Udo Meister (v.r.), Pfarrer Erik Schumacher, Michael Huppertz (Gemeinde Hellenthal) sowie die „Sozialgenial“-Koordinatorinnen Heike Schumacher und Angelika Schmitz bei der Schulpräsentation der Ausstellung. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Bürgermeister Udo Meister (v.r.), Pfarrer Erik Schumacher, Michael Huppertz (Gemeinde Hellenthal) sowie die „Sozialgenial“-Koordinatorinnen Heike Schumacher und Angelika Schmitz bei der Schulpräsentation der Ausstellung. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Integration ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit, daher ist es sehr angemessen, dass man sich hier in der Schule mit einem solchen Thema beschäftigt“, sagte Q1-Schüler Moritz Massia, der am Projekt teilgenommen hatte. Seine Mitschülerin Wiebke Schumacher meinte: „Für mich war besonders wichtig, dass man nicht nur selbst herausfindet, was hinter der Flüchtlingskrise steht, sondern dass man dies auch anderen Leuten erklären kann.“ Und Oberstufenschülerin Martina Krohn hob hervor, dass man durch die eigene Beschäftigung mit der Flüchtlingsproblematik weitaus tiefere und detailliertere Einblicke erhalte.

Mit Michael Huppertz von der Stadtverwaltung Hellenthal, zuständig für die Unterbringung der Flüchtlinge im gesamten Stadtgebiet Schleiden und Hellenthal, diskutierte die Lerngruppe die Frage, wie Geflüchtete aufgenommen und integriert werden und erörterte das Problem von Abschiebungen.

Der Projektkurs hat auch zahlreiche Dokumente zusammengetragen, die einen tieferen Einblick in die Flüchtlingsarbeit gewähren. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Der Projektkurs hat auch zahlreiche Dokumente zusammengetragen, die einen tieferen Einblick in die Flüchtlingsarbeit gewähren. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Maurice Güth, Schüler der Jahrgangsstufe 12 am JSG und derzeit Praktikant beim DRK auf Vogelsang, erzählte eindrucksvoll von seinen oft auch existenziell berührenden Begegnungen mit Geflüchteten und deren Leben und Arbeiten in der NRW-Flüchtlingsunterkunft Vogelsang“, so Heike Schumacher weiter. Kirsten Dartenne, Schülermutter und Aktive des Vereins Regenbogen, habe darüber hinaus von ihren Kochabenden mit Geflüchteten berichtet und zusammen mit den Schülerinnen und Schülern ein gemeinsames Kochen organisiert.

Bereits am Weltflüchtlingstag präsentierte der Projektkurs seine Ergebnisse in einer umfangreichen Plakatausstellung und einer Powerpoint-Präsentation der interessierten Schüler- und Lehrerschaft. Einzelne Lerngruppen der Mittel- und Oberstufe wurden dabei gezielt durch die Ausstellung geführt.

Der Schleidener Bürgermeister Udo Meister wies an diesem Tag darauf hin, dass das soziale Miteinander am JSG täglich gelebt werde. Die Schule sei daher auch als „Sozialgenial Schule“ ausgezeichnet worden. „Das heißt: Man öffnet hier die Türen, geht nach draußen und kümmert sich auch um Probleme außerhalb der Schule“, so Meister. Die Mitmenschlichkeit und das soziale Leben stünden dabei im Mittelpunkt und würden auch immer wieder aufs Neue in der Schule thematisiert. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Schleiden als Schulträger sei sehr intensiv. So habe die Stadt Schleiden eine ehemalige Schülerin des JSG als „Bufdi“ eingestellt, die sich um die Flüchtlingsarbeit in der Stadt Schleiden kümmere und die zum 1. August als Auszubildende weiterbeschäftigt werde.

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„Es ist unser Auftrag, Schülerinnen und Schüler zu mündigen Bürgern zu erziehen, die in der Lage sind, eigenständige Entscheidungen zu treffen“, so JSG-Schulleiter Georg Jöbkes: „Wir hoffen, dass eine solche Ausstellung unseren Schülern eine weitere Grundlage dazu bietet und die jungen Leute darüber hinaus begreifen, dass sie sich auch durch eigenes Tun mit den Realitäten auseinandersetzen können.“

 

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