Von der dunklen Disko zum lichtdurchfluteten Heilpädagogischen Arbeitsbereich

Nordeifelwerkstätten weihen mit zahlreichen Gästen und Beschäftigten neue Stätte in Zingsheim ein – „Besondere Räumlichkeiten, um Menschen mit schweren und mehrfachen  Beeinträchtigungen die Teilhabe an Arbeit, Bildung und Förderung zu ermöglichen“

NEW-Werkstattleiter Achim Saßmann (v.l.) und Wilhelm Stein, NEW-Geschäftsführer, weihten zusammen mit Beschäftigten, Mitarbeitern und Gästen einen neuen Ort speziell für die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit mehrfachen Beeinträchtigungen ein. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
NEW-Werkstattleiter Achim Saßmann (v.l.) und Wilhelm Stein, NEW-Geschäftsführer, weihten zusammen mit Beschäftigten, Mitarbeitern und Gästen einen neuen Ort speziell für die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit mehrfachen Beeinträchtigungen ein. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Nettersheim-Zingsheim – Wo vor einigen Jahren noch junge Leute in der Disko tanzten, erschollen am vergangenen Freitagvormittag ganz andere Töne. Handgemacht, live, leiser, aber eindringlicher als früher und vielleicht das Publikum noch begeisternder: Im neuen Heilpädagogischen Arbeitsbereich der Nordeifelwerkstätten (NEW) sorgten Roland und Rosi, zwei NEW-Beschäftigte mit mehrfacher Beeinträchtigung, zusammen mit der Musiktherapeutin und NEW-Mitarbeiterin Nicole Flittorf mit der „Hausband“ für den berühmten Funken Lebensfreude, der sofort übersprang. Mit selbst komponierten und getexteten Songs umrahmte das Team die Einweihungsfeier für den jüngsten Streich der kreisweiten Werkstattangebote für Menschen mit verschiedensten Beeinträchtigungen physischer, psychischer oder kognitiver Art.

Wilhelm Stein, NEW-Geschäftsführer, berichtete: „Wer die Zingsheimer Disko noch von früher kennt, erinnert sich an die große Tür, aber nicht an Fenster.“ Die schummrige Atmosphäre des eher düsteren Gebäudes passte so gar nicht zum Konzept der hellen, offenen und multifunktionalen Räume, die das NEW-Team an den verschiedenen Standorten im Kreis für die insgesamt rund 1400 Beschäftigten mit und ohne Behinderung schätzt. Doch die Lage direkt neben dem holzverarbeitenden Standort mit Schreinerei und Saunabau im Gewerbegebiet Zingsheim war ideal, so dass sich Werkstattleiter Achim Saßmann an die Planung machte. Er berichtete: „Schnell war klar, dass die Grundfläche von knapp 600 Quadratmetern nicht ausreichen würde, also haben wir einen 300 Quadratmeter großen Anbau erstellt.“

Die „Hausband“ des neuen Bereichs der NEW: Roland (von links sitzend), Nicole Flittorf und Rosi begeisterten nicht nur die Gäste, sondern auch NEW-Werkstattleiter Achim Saßmann (hinten v.l.) und Wilhelm Stein, NEW-Geschäftsführer. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die „Hausband“ des neuen Bereichs der NEW: Roland (von links sitzend), Nicole Flittorf und Rosi begeisterten nicht nur die Gäste, sondern auch NEW-Werkstattleiter Achim Saßmann (hinten v.l.) und Wilhelm Stein, NEW-Geschäftsführer. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Denn, so Stein, obwohl die NEW seit Bestehen auch Menschen mit mehrfachen, schweren Einschränkungen und starkem Unterstützungsbedarf die Möglichkeit zur beruflichen Teilhabe gegeben habe, sei die Zahl dieser Klientel mit ihren besonderen Anforderungen stark angewachsen. 70 Beschäftigte könnten künftig im neuen Heilpädagogischen Arbeitsbereich (HPA) am Standort Zingsheim nicht nur individuell passende Arbeiten verrichten, sondern in Ruhe- und Snoozel-Räumen wieder auftanken, in Pflegezimmern optimal versorgt werden oder in Gruppen- und Einzelräumen Freizeitaktivitäten, Therapiemöglichkeiten oder Fortbildungen wahrnehmen.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Von der Projektförderung in die freie Wirtschaft: „Handwerkliche Dienstleistungen“ von Menschen mit Behinderung

Saßmann: „Auch die Sanitäranlagen sind nicht nur zahlreich, sondern auch technisch etwa durch höhenverstellbare Sitze auf dem neusten Stand.“ Bis aus der dunklen Disko lichtdurchflutete Räume und aus dem Labyrinth über fünf Ebenen ein barrierefreier Werkstattstandort werden konnten, seien nicht nur zahlreiche Arbeitsstunden nötig gewesen, sondern auch die glücklicherweise gute Zusammenarbeit von NEW-Mitarbeitern, Architekturbüro, Gemeindeverwaltung Nettersheim und ausführenden Firmen, so Stein. Eine eigene Küche, Kantine und Büros sowie Außengelände mit Terrasse komplettieren das auch energetisch auf den neusten Stand gebrachte Ensemble. Und falls es doch irgendwann etwas mehr sein darf, ist auf dem knapp 5000 Quadratmeter großen Grundstück noch Platz für eine Erweiterung.

Pater Georg war aus Steinfeld angereist, um den neuen Heilpädagogischen Arbeitsbereich der NEW einzuweihen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Pater Georg war aus Steinfeld angereist, um den neuen Heilpädagogischen Arbeitsbereich der NEW einzuweihen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Der Steinfelder Pater Georg übernahm die Einsegnung des Gebäudes und der Menschen darin und meinte damit nicht nur die Beschäftigten: „Es macht mir viel Spaß, mit Weihwasser zu segnen“, sagte der humorvolle Geistliche und benetzte auch gleich die zahlreichen Gäste wie den stellvertretenden Bürgermeister Nettersheims Herbert Falkenberg und Rita Witt, die nicht nur Direktorin des KSK-Vorstandsstabs der Kreissparkasse Euskirchen ist, sondern wie die ebenfalls anwesenden Rudi Dick und Bruno Grobelny zum Aufsichtsrat der NEW gehört.

NEW-Geschäftsführer Wilhelm Stein (hinten rechts) begrüßte zahlreiche Gäste zur Einweihung des neuen Heilpädagogischen Arbeitsbereichs. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
NEW-Geschäftsführer Wilhelm Stein (hinten rechts) begrüßte zahlreiche Gäste zur Einweihung des neuen Heilpädagogischen Arbeitsbereichs. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Renate Roland hat ihre Tochter Heike, die seit eines Autounfalls kurz vor ihrem Abitur schwere Einschränkungen hat, seit 25 Jahren in der Obhut der NEW: „In dieser Zeit hat sich so viel bei den NEW entwickelt. Meine Tochter arbeitet so gerne hier, sie will nicht einmal Ferien.“ Damit beschrieb sie genau das, was Wilhelm Stein als Ziel des HPA verfolgt: „Es ist uns ein Anliegen, auch Menschen mit schweren und mehrfachen  Beeinträchtigungen die Teilhabe an Arbeit, Bildung und Förderung zu ermöglichen. Dies erfordert diese besonderen Räumlichkeiten, die dem individuellen Bedarf jedes Beschäftigten gerecht werden können.“

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Oktoberfest in der Eifel

Neben der Beschäftigung an mehreren Standorten im Kreis Euskirchen in verschiedensten Sparten wie etwa Saunabau oder Landschaftspflege, Logistik in der Tochterfirma EU-Log oder im Druckereizentrum bieten die NEW auch Ausbildung und Beschäftigung mit Kundenkontakt in Lebensmittelmärkten, dem „Bügelprofi“ oder Kantinen und unterhalten sogar die eigene Jobagentur NEW-Job, um auch Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt anzubahnen.

Eifeler Presse Agentur/epa

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.