Caritas sammelt alte Brillen für bedürftige Menschen

In einem Kooperationsprojekt werden nicht mehr gebrauchte Sehhilfen in arme Länder geschickt

Die ersten beiden Kisten mit 500 Brillen konnten übergeben werden: Marc Nichols (v.l.), Ergotherapeut in der Caritas Tagesstätte, Alexander Fischer, Fachbereichsleitung Psychiatrische Dienste Caritas, Sarah Schmitz, Leiterin Caritas Tagesstätte, Anke Gehde, Tagesstätte, Inge Heinen, Vorstand Caritas, Johannes Klein, Leiter des Deutschen Katholischen Blindenhilfswerks, und Martina Bertram, Gemeindecaritas. Foto: Arndt Krömer
Die ersten beiden Kisten mit 500 Brillen konnten übergeben werden: Marc Nichols (v.l.), Ergotherapeut in der Caritas Tagesstätte, Alexander Fischer, Fachbereichsleitung Psychiatrische Dienste Caritas, Sarah Schmitz, Leiterin Caritas Tagesstätte, Anke Gehde, Tagesstätte, Inge Heinen, Vorstand Caritas, Johannes Klein, Leiter des Deutschen Katholischen Blindenhilfswerks, und Martina Bertram, Gemeindecaritas. Foto: Arndt Krömer

Schleiden – In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Katholischen Blindenhilfswerk, der Schleidener Caritas-Tagesstätte für Menschen mit einer psychischen Erkrankung und hiesigen Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) hat der Caritasverband für die Region Eifel ein neues Sammelprojekt mit dem Slogan „Zwei Gläser, die die Welt bedeuten können“ an den Start gebracht. Dabei werden alte, aber noch brauchbare Brillen gesammelt, gereinigt, vermessen und an bedürftige Menschen in aller Welt verschickt. Martina Bertram, Gemeindecaritas und Ehrenamtskoordination, hat sich des Projektes angenommen und es für die Südkreise Euskirchen und Aachen neu aufgebaut.

„Rund um den Globus gibt es Menschen, die sich keine Sehhilfe leisten können“, erläutert Martina Bertram die Hintergründe. „In Entwicklungsländern in Afrika, Asien, Südamerika, aber auch in Europa wird der Hilfebedarf im besten Fall in einem Krankenhaus festgestellt und ein Privatrezept ausgestellt. Überwiegend gibt es keine zusätzlichen Leistungen, die beispielsweise von Krankenkassen übernommen werden, sodass eine Brille für Bedürftige meistens nicht finanzierbar ist.“

Die Idee, nicht länger benötigte Brillen für Menschen in armen Ländern zu sammeln, sei dabei natürlich nichts Neues, das gebe es in Deutschland bereits seit Jahrzehnten, führt die Diplom-Sozialpädagogin weiter aus. Als in Simmerath jedoch eine solche Aktion nach Auflösung des Leprakreises zum Erliegen gekommen war, habe sich Caritas-Vorstandsmitglied Inge Heinen an sie gewandt, um über Möglichkeiten der Fortführung nachzudenken. Bei den Überlegungen kam auch der Wunsch auf, die Tagesstätte Schleiden einzubinden, um der Sache zusätzlich Inklusions-Charakter zu verleihen.

Nach zahlreichen Gesprächen mit Institutionen, die auf die Weiterverwertung von Sehhilfen spezialisiert sind, hat sich der Wohlfahrtsverband für das Katholische Blindenhilfswerk mit der Aktion „Brillen weltweit‘ als Kooperationspartner entschieden. „In Zusammenarbeit mit der Tagesstätte, dem DBKW und den GdG entstand schließlich ein rundes Konzept, das die Umsetzung des Projektes garantiert“, so Bertram.

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Das Prinzip ist einfach – zunächst werden die Brillen gesammelt: im Caritas-Haus Schleiden, in allen Caritas-Zentren (Simmerath, Kall, Mechernich), sämtlichen Caritas-Tagespflegen (Roetgen, Simmerath, Blankenheim und Dahlem) sowie im Pfarrbüro Dahlem und in der Pfarrkirche Simmerath wurden gekennzeichnete Kisten bereitgestellt, in welchen die alten Brillen abgegeben können. Sind diese voll, werden sie ins Caritas-Haus Schleiden gebracht. Die Klienten der Tagesstätte sind zuständig für die gesamte weitere Organisation: Sie sichten und sortieren aus, verpacken sie für den Transport und stimmen die Abholung durch das Katholische Blindenhilfswerk ab.

Dort werden die Brillen gereinigt und vermessen und abschließend an Hilfebedürftige in aller Welt versandt und verteilt. Johannes Klein, ehrenamtlicher Leiter des DKBW in Koblenz: „Hier ist ein stimmiges und sinnvolles Konzept entstanden, das auf Dauer und Nachhaltigkeit angelegt ist. Es ist keine Einmal-Aktion, bei der die Leute hinterher immer noch irgendwo Brillen abgeben wollen, aber niemand kümmert sich dann mehr darum.“ Die ersten 500 Brillen konnte er nun von der Caritas in Empfang nehmen. Sie werden in Indien, Ladak und Nepal neue Besitzer finden, wo Brillen ein Luxusgut darstellen. Die vertrauensvolle Kooperation mit seriösen Partnern vor Ort ist garantiert.

Das Projekt vereine viele charmante Punkte, wie Sarah Schmitz, Leiterin der Tagesstätte, und ihre Mitarbeitenden Anke Gehde und Mark Nichols sagen. Sarah Schmitz: „Alte Brillen landen nicht einfach auf dem Müllberg, sondern können nachhaltig weiterverwendet werden. Zudem können sich unsere Klienten durch ihre Mitarbeit sinnstiftend einbringen, sie sind begeistert dabei und haben viel Spaß. Und für die Empfänger können die ‚zwei Gläser‘ tatsächlich die Welt bedeuten – irgendwo auf der Welt erhält ein Kind eine Bildungschance, weil es endlich die Buchstaben auf der Tafel lesen kann.“

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Dem kann Johannes Klein mit einem anderen Beispiel nur beipflichten: „Wir konnten einer 45-jährigen Frau aus Indien, die eine Sehstärke von -19,75 Dioptrien hatte, durch eine spezielle Brille dazu verhelfen, zum ersten Mal in ihrem Leben etwas zu sehen. Sie war von diesem Sinneseindruck derart überwältigt, dass sie vor Freude beinahe zusammenbrach.“

Wer Fragen zum Projekt hat oder dieses unterstützen möchte, kann sich an Martina Bertram unter Telefon 0 24 45/85 07-270 oder per E-Mail an m.bertram@caritas-eifel.de wenden.

(epa)

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