Eifeler kümmern sich um chinesische Findelkinder

Kinder im Home of Charity in der chinesischen Provinz Shanxi. Foto: Verein „Kindern Leben geben“
Kinder im Home of Charity in der chinesischen Provinz Shanxi. Foto: Verein „Kindern Leben geben“

Verein „Kindern Leben geben“ engagiert sich fernab der Heimat – Eifeler Presse Agentur sprach mit Silvia Schlaugat-Müller, der Vorsitzenden des Vereins, über das ungewöhnliche Engagement in China

EPA: Wenn Sie und Ihre Vereinsmitglieder auf die Straße gehen, um für chinesische Findelkinder Geld zu sammeln, dann hören Sie oft den Satz: „Es gibt auch viele arme Kinder in Deutschland, für die würde ich etwas spenden.“ – Wie bringen Sie den Skeptikern die Beweggründe Ihres besonderen Engagements näher?

Silvia Schlaugat-Müller ist die Vorsitzende des Vereins „Kindern Leben geben“. Foto: Verein „Kindern Leben geben“
Silvia Schlaugat-Müller ist die Vorsitzende des Vereins „Kindern Leben geben“. Foto: Verein „Kindern Leben geben“

Silvia Schlaugat-Müller: Die Einwände sind natürlich berechtigt. Es gibt auch Kinderarmut in Deutschland. Und Not und Elend sind darüber hinaus in den Entwicklungsländern Afrikas und Lateinamerikas um ein Mehrfaches größer als anderswo. Kinder in Kriegsgebieten, Katastrophengebieten und auf der Flucht leiden besonders unter diesen Situationen und Zuständen, und es gibt immer noch Kinderarbeit auf der Erde. Jeder, der Hilfe benötigt, sollte diese auch bekommen, so ist nun mal unsere humanitäre Gesinnung angelegt – aber bei der unglaublichen Menge an Armut und Elend auf der Erde müssen selbst die UN und die größten kirchlichen Hilfsorganisationen kapitulieren. Allen helfen zu wollen und allen gerecht zu werden – an dieser Aufgabe scheitert und verzweifelt letztendlich jeder noch so großherzige Helfer. Auf der anderen Seite ist die Idee eines „ein Jeder kehre vor seiner eigenen Tür“ auch nicht wirklich vorstellbar, denn die Schwächsten und Ärmsten hätten dabei keinerlei Chance.

EPA: Jeder muss also selbst entscheiden, wo und wem er helfen möchte?

Schlaugat-Müller: Ja. Jedem, der humanitäre und karitative Hilfe leisten möchte, bleibt nichts anderes übrig, als auszuwählen, also für sich selbst festzulegen, wo und wem er mit seinen begrenzten Mitteln helfen möchte. Das ist schwer.

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EPA: Aber warum ausgerechnet China?

Schlaugat-Müller: Viele humanitäre und karitative Projekte und auch viele Vereinsgründungen haben einen konkreten Anlass, ein auslösendes Ereignis, verbunden mit dem absoluten Willen, hier vorhandene Missstände beseitigen helfen zu wollen. So war es auch beim Verein „Kindern Leben geben“. Der Steyler Ordensbruder Friedbert Ewertz traf bei seiner Arbeit in China auf konfessionell und privat geführte Kinderheime, deren menschenunwürdige Zustände ihn schockierten. Für ihn war klar, er musste und wollte sich vor Ort engagieren. Was zunächst als kleinere Initiative privater beziehungsweise familiärer Art begann, führte schließlich 2010 zur Gründung des Vereins „Kindern Leben geben“. Das dieses Engagement China betraf, war also reiner Zufall, es hätte sich genauso gut auf jedes andere Land dieser Erde beziehen können.

EPA: Sie sprachen gerade von konkreten Anlässen für die Vereinsgründung, wie sahen diese aus?

Schlaugat-Müller: Es ging vom ersten Tag an nicht um irgendwelche ausgesetzten Kinder in China, sondern es waren die behinderten Kinder von Frau Yang, die Geld für dringend notwendige Operationen benötigten, es war Schwester Wang, deren Waisenhaus in einem maroden Zustand war, und es ging um Frau Yu, die mit zu vielen Kindern in einem viel zu kleinen Haus lebte sowie um das Mädchen Tian Na, das am Rücken operiert werden musste.

EPA: Also lauter individuelle Schicksale, die die Nationalität der Betroffenen als Nebensache erscheinen ließ?

Schlaugat-Müller: Ja, sobald jemand aus der Anonymität heraustritt, einen Namen und ein Gesicht bekommt und seine eigene, meist tragische Lebensgeschichte erzählt, ist es gleichgültig, aus welchem Land er stammt. Er spricht direkt von Mensch zu Mensch mit uns, so dass wir nur noch entscheiden können, ob wir ihm helfen wollen oder nicht.

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EPA: Wie sieht die Hilfe Ihres Vereins in China heute aus?

Schlaugat-Müller: Mittlerweile sind es sechs Kinderheime und Waisenhäuser, die von unserem Verein betreut werden und zwar nachhaltig, langfristig und über Jahre hinweg verlässlich. Es sind nur sechs Einrichtungen von Hunderten oder Tausenden in ganz China. Aber mehr geht leider nicht.

EPA: Kritiker, selbst aus klerikalen Kreisen, erinnern Sie gern daran, dass China ein reiches Land ist …

Schlaugat-Müller: … auch Deutschland ist ein reiches Land. Und trotzdem gibt es hier Kinderarmut, Tendenz steigend. Für die unmittelbar Betroffenen von Armut selbst spielt es daher keinerlei Rolle, wie reich ihr Heimatland ist.

EPA: 2010 wurde der Verein „Kindern Leben geben“ in Dahlem gegründet. Wie viele Mitglieder haben Sie heute?

Schlaugat-Müller: Bei uns engagieren sich derzeit 70 Vereinsmitglieder und zahlreiche Förderer und Wohltäter, so dass wir in den acht vergangenen Jahren fast 700.000 Euro für chinesische Findelkinder zusammenbringen konnten.

EPA: Frau Schlaugat-Müller, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Weitere Informationen im Internet: http://kindern-leben-geben.org

Eifeler Presse Agentur/epa

 

 

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