Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

Die „Filmwerkstatt Eifel“ zeigte in der Stadtbibliothek den Film „Lied der Geige“, in dem ein Bürgerkriegsflüchtling dafür sorgt, dass sich eine Familie wieder an den wahren Sinn von Weihnachten erinnert

Sorgten für einen vorweihnachtlichen Filmabend mit ethischen Anspruch: Karl-Heinz Daniel (l.) vom KSK-Vorstandsstab sowie die Filmschaffenden der „Filmwerkstatt Eifel“. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Sorgten für einen vorweihnachtlichen Filmabend mit ethischen Anspruch: Karl-Heinz Daniel (l.) vom KSK-Vorstandsstab sowie die Filmschaffenden der „Filmwerkstatt Eifel“. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – An 120 Tagen im Jahr wird die Stadtbibliothek Euskirchen zum Veranstaltungsort, regelmäßig auch zum Kulturkino. So auch am vergangenen Freitagabend, als die „Filmwerkstatt Eifel“, ein Verein mit ehrenamtlich tätigen filmbegeisterten Menschen von Amateuren über Semi-Profis bis Profis, das „Lied der Geige“ nach einer Geschichte von Ursula Beckert zeigte. Rund 50 Zuschauer und Zuschauerinnen verfolgten die etwas andere Weihnachtsgeschichte von Regisseur Wolfgang Merz.

Darin herrscht bei der fiktiven Familie Bergmann nicht die gesegnete Weihnachtszeit, sondern gereizter Feiertagsstress: Der Sohn wäre viel lieber mit Freunden auf die Skihütte gefahren, die Tochter wollte lieber Tomatensuppe zum Weihnachtsmenü. Als beim Weihnachtsessen der Fernseher ausgeschaltet wird, kehrt einen Moment lang Ruhe ein – und die Familie hört, wie auf der Straße, in der bitteren Kälte, jemand Geige spielt. Kurzentschlossen und zunächst auch zum Entsetzen der anderen Familienmitglieder holt die Mutter den Geigenspieler hinein und bittet ihn, ein Weihnachtslied zu spielen.

Mit einer berührenden Geschichte über einen Weihnachtsabend in den Kriegswirren 1944 stimmte Jens Gottschalk das Publikum auf den nachfolgenden Film ein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Mit einer berührenden Geschichte über einen Weihnachtsabend in den Kriegswirren 1944 stimmte Jens Gottschalk das Publikum auf den nachfolgenden Film ein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Nach und nach erzählt der Musiker seine Geschichte, von seiner Flucht aus einem Bürgerkriegsland im Osten, in dem er als Arzt tätig war, bis zur Gegenwart, in der er sich als Obdachloser durchschlagen muss. Durch das Schicksal des Mannes berührt, findet die Familie wieder zusammen. Der Mann bekommt nicht nur Mahl und Unterkunft für die Nacht, sondern wird später im Pfarrhaus untergebracht, wo der Pfarrer zuversichtlich ist, dass man eine nachhaltige Lösung für das weitere Zusammenleben findet.

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Gefördert wurde das Projekt, das mehr als zwei Jahre in Anspruch nahm, von der Kreissparkasse Euskirchen (KSK). Karl-Heinz Daniel vom KSK-Vorstandsstab lobte nach der Aufführung die ethischen Anstöße durch den Film und berichtete, dass er am 23. Dezember 2016 einen Anruf bekam, in dem ihm ein Cameo-Auftritt angeboten wurde. Und so sieht man Daniel in der Eingangssequenz des Films, wie er dem Geigenspieler etwas Kleingeld in den Hut wirft.

Karl-Heinz Daniel: „Bei den Filmarbeiten war ich überrascht, wie zeitaufwendig eine kleine Szene von einer Minute im Dreh ist – das hat den gesamten Abend gedauert!“ Er sprach seine Anerkennung dafür aus, dass die 13 beteiligten Schauspieler, Filmschaffenden und Techniker dies alles ehrenamtlich stemmen.

Der Kölner Musiker Paul Rittel begeisterte die Zuschauer im „Kulturhof“ mit seinem Cello-Spiel. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Der Kölner Musiker Paul Rittel begeisterte die Zuschauer im „Kulturhof“ mit seinem Cello-Spiel. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Das Rahmenprogramm bestritten der Kölner Musiker Paul Rittel, der ein russisches Weihnachtslied und eine Eigenkomposition auf dem Cello spielte, sowie Märchenerzähler Jens Gottschalk, der im Film auch die Rolle des Familiengroßvaters übernommen hatte. Gottschalk las eine Geschichte von Fritz Finke, die Weihnachten 1944 im Hürtgenwald spielt: Eine Mutter verbringt den Weihnachtsabend zusammen mit ihren Kindern in einer Waldhütte, um den Kriegswirren zu entfliehen. Doch dann klopfen drei amerikanische Soldaten, einer von ihnen schwer verwundet, an die Tür. Von ihrer Einheit getrennt, irrten diese seit drei Tagen ständig mit der Angst vor Entdeckung durch die Kälte. Sie bekommen Einlass, die letzten Lebensmittel werden zusammengekratzt, als es wieder an die Tür klopft – diesmal sind es vier deutsche Soldaten, die um Unterschlupf bitten.

Die Familie weiß, dass sie mit der Beherbergung der Amerikaner ihre Hinrichtung riskiert hat, doch die Mutter sorgt ebenso resolut wie ruhig für Frieden zwischen den Soldaten, die noch halbe Jungs sind. Einer entpuppt sich sogar als Medizinstudent, der sich die Wunde des Amerikaners ansieht. Alle teilen die wenigen Lebensmittel für ein gemeinsames Mahl, am nächsten Tag helfen die Deutschen den Amerikanern sogar, ihre Einheit wiederzufinden. Wie berührt die Zuschauer von den Geschichten waren, konnte man am ruhigen, aber lange anhaltenden Applaus ermessen.

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Eifeler Presse Agentur/epa

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