Statt Burnout: „Wir tauschen nicht, wir reparieren!“

Über NEW-JOB hat Christopher Assmann einen Außenarbeitsplatz bei der Bad Münstereifeler Kfz-Werkstatt „Die Autospezialisten“ bekommen – „Am wichtigsten ist mir selbständiges Arbeiten ohne Überforderung“

Gas geben im Job ermöglicht Job-Coach Thorsten Baur (v.l.). In Mehdi Ghaffari, Inhaber von „Die Autospezialisten“, hat er einen Arbeitgeber gefunden, der auch Mitarbeitern mit besonderem Unterstützungsbedarf eine Chance gibt und damit im mehrfachen Wortsinn gut fährt. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Bad Münstereifel – Es wird von Experten schon als Volkskrankheit bezeichnet, was Christopher Assmann in seinem ursprünglichen Beruf widerfahren ist. Der gelernte Bäcker war einem hohen Zeitdruck bei der Arbeit ausgesetzt, Überstunden, auch unbezahlte, waren eher die Regel als die Ausnahme, das Arbeitsklima hat er nicht als unterstützend wahrgenommen. Irgendwann hat sein Körper Alarm geschlagen, er stand in der Backstube mit Herzschmerzen, die immer wiederkehrten, bis er die Bäckermütze an den Nagel hängen musste. Mittlerweile kann er wieder mit gutem Gefühl zur Arbeit gehen, sich Herausforderungen stellen und sogar Spaß dabei haben – allerdings nicht beim Brötchenbacken, obwohl er es zwischendurch wieder mit „Heißen Öfen“ zu tun hat: Christopher Assmann hat einen Außenarbeitsplatz bei der Bad Münstereifeler Kfz-Werkstatt „Die Autospezialisten“ bekommen, wodurch er ebenso gefordert wie gefördert wird.

Inhaber Mehdi Ghaffari über seinen Mitarbeiter: „Chrissy heißt nicht nur so, er ist unser Ass. Er kommt nie zu spät und arbeitet sehr selbständig, lernt jeden Tag dazu.“ Dabei sei der ehemalige Bäcker zuerst sehr zurückhaltend gewesen, so Ghaffari: „Er hat am Anfang nicht einmal lachen können – es ist wie Tag und Nacht, jetzt ist er Teil unseres Teams.“ Dazu musste der 28-Jährige aber seinen Weg gehen, wie er selbst berichtet. Ein Jahr Arbeitslosigkeit und mehrere kurzfristige Beschäftigungen führten ihn schließlich zu den Nordeifelwerkstätten (NEW), bei denen Menschen mit verschiedenstem Unterstützungsbedarf in Tätigkeit, Arbeit oder Ausbildung gebracht werden. Assmann: „In der Metallverarbeitung dort fühlte ich mich unterfordert. Ich war oft schon nach einem Tag mit einer Arbeit fertig, für die drei Tage geplant waren; ich kann durchaus schnell arbeiten.“ Über NEW-JOB, dem Fachdienst bei der Tochter „IFG gGmbH“ der NEW, kam er dann durch seinen Wunsch nach einem Außenarbeitsplatz zum Auto- und Motorradhändler mit angeschlossener Kfz-Meister-Werkstatt „Die Autospezialisten“, wo er seit sechs Monaten tätig ist.

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Auch Thorsten Baur, der betreuende Job-Coach bei NEW-JOB, sagt über Christopher Assmann: „Der hat dort wirklich einen Schalter umgelegt.“ Aus dem schüchternen jungen Mann, dem es eher unangenehm zu sein schien, dass da regelmäßig ein Job-Coach bei seiner Arbeitsstelle auftauchte, wo er doch nur seinen Job in Ruhe machen wollte, sei ein aufgeschlossener Mann geworden, der sich mitteile und sein Leben gestalte. Christopher Assmann: „Am meisten Spaß bringt mir, dass ich hier selbständig arbeiten kann.“ Inspektionen bei Fahrzeugen macht er besonders gern. Natürlich schaut immer noch ein gelernter Fachmann über die Arbeiten, aber Mehdi Ghaffari berichtet: „Chrissy traut sich an alles ran und darf eigentlich überall helfen, er hat mittlerweile einen eigenen Schlüssel zur Werkstatt.“

Sind über die „Autospezialisten“ ein Team geworden: Inhaber Mehdi Ghaffari (v.l.) und Christopher Assmann, der in der Bad Münstereifeler Kfz-Werkstatt einen Außenarbeitsplatz gefunden hat. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Unterstützend ist auch der besondere Ansatz der „Autospezialisten“. Ghaffari: „Zeit kann man nicht immer vorausplanen, es kann immer etwas dazwischen kommen, wodurch Arbeiten länger dauern. Aber Qualität kann man einplanen.“ Wenn Christopher Assmann für eine Inspektion eine Stunde länger bräuchte, aber dafür die Qualität stimmt, sei das gut so. „Wir tauschen nicht einfach aus, wir reparieren“, so der Wahl-Bad-Münstereifeler – und auch wenn er damit eigentlich die Fahrzeuge meint, passt das auch zu seinem besonderen Mitarbeiter. „Menschen wie Chrissy muss man eine Chance geben, dann können die ihr Potential entwickeln. Das ist ihr Recht, man muss es nur ermöglichen, dass sie dieses Recht wahrnehmen können“, betont der gebürtige Perser.

Wahrnehmen können soll Assmann auch weitere Schulungen, um noch selbständiger arbeiten zu können. Das erste der Zertifikate mit dem Namen „Christopher Assmann“ hat Ghaffari schon in seinem Büro ausgehängt, direkt neben seinen eigenen. Thorsten Baur: „Wir planen gemeinsam mit allen Beteiligten die nächsten Schritte, prüfen, ob eine weitere Ausbildung oder Schulungen der bessere Weg ist und haben ein gemeinsames Ziel: Dass Christopher seinen Platz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt findet.“ Mehdi Ghaffari nickt, lächelt, klopft Baur auf die Schulter und sagt: „Alles, was man über Thorsten Baur sagen kann, wäre zu wenig – er setzt sich sehr für die Menschen ein, die er betreut, er hat ein großes Herz auf dem rechten Fleck – ein Herz für die ganze Menschheit!“ Und setzt schelmisch dazu: „So wie wir ein Herz für Autos haben!“

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Wobei Assmann auch an Quads und Motorrädern schrauben kann, für die italienische Motorradmarke „Mondial“, die in den 1950er Jahre durch Erfolge im Rennsport bekannt wurde und 2014 eine „Auferstehung“ feiern konnte, sind die „Autospezialisten“ sogar Stützpunkthändler. Für Christopher Assmann sind das alles Herausforderungen, denen er sich gerne stellt, sich Schulungsfilme dazu ansieht und vom Kfz-Meister lernt. Denn gefordert werden will er schon, nur nicht überfordert. Christopher Assmann: „Hier muss ich auch mal den Kopf anstrengen. Ich kann meine Arbeit machen und habe Spaß dabei – das ist mir wichtig.“

Weitere Infos im Internet:

www.autospezialisten.de

newjob-eu.de

Eifeler Presse Agentur/epa

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