Tschernobyl in der Eifel

Ausstellung von Bernd Wawer: Fotografische Zeugnisse von den Folgen des verheerenden Unglücks im April 1986 nahe der ukrainisch-weißrussischen Grenze – Besondere Brisanz durch das belgische Atomkraftwerk Tihange, welches durch zahlreiche Zwischenfälle und tausende Risse in der Reaktorhülle in der Kritik steht

Bernd Wawer hat unter anderem auch in der Sperrzone von Tschernobyl fotografiert. Foto: Wawers-Fotoarchiv.de
Bernd Wawer hat unter anderem auch in der Sperrzone von Tschernobyl fotografiert. Foto: Wawers-Fotoarchiv.de

Schleiden – Fotografien von der Sperrzone von Tschernobyl und dessen Umgebung kann man in einer Ausstellung von Bernd Wawer sehen: Die von der Stadt Schleiden in Zusammenarbeit mit der Galerie „Eifel Kunst“ veranstaltete Exposition soll am Donnerstag, 1. August, um 18.30 Uhr im Rathaus Schleiden, Blankenheimer Straße 2, 53937 Schleiden, im Beisein von Ingo Pfennings, Bürgermeister Stadt Schleiden, Galeristin Marita Rauchberger und Fotografen Bernd Wawer eröffnet werden.

Der Name Tschernobyl steht für eine Umweltkatastrophe, deren Nachwirkungen zu den längsten und dramatischsten in der Geschichte der Menschheit zählen. Besondere Brisanz hat das Thema auch durch die Nähe der Eifel zum belgischen Atomkraftwerk Tihange, welches durch zahlreiche Zwischenfälle und tausende Risse in der Reaktorhülle in der Kritik steht.

Der Gemünder Fotograf Bernd Wawer war im April 2016 exakt 30 Jahre nach dem GAU, und 2018 in der Sperrzone in Tschernobyl und hat seine Eindrücke fotografisch festgehalten. Marita Rauchberger von der Galerie „Eifel Kunst“: „Im Gedenken an Tschernobyl halten diese Fotos dem Betrachter vor Augen, dass Unfälle im Ausmaß von Tschernobyl zum Wesen von Kernkraft gehören und sich überall und jederzeit wiederholen können. Würde es 30 Jahre nach einem Störfall in Kernkraftwerk Tihange bei uns auch so aussehen? Ein solcher Super-GAU würde große Flächen in Deutschland und Europa kontaminieren und auf Dauer unbewohnbar machen.“

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Bernd Wawer fotografiert seit seiner frühesten Jugend. Menschen, aber auch Landschaften reizen den Gemünder, der lange Zeit die analoge Fotografie der digitalen vorgezogen hat. Die Vielseitigkeit seiner Motivauswahl, sei es in seinem eigenen Studio oder in der freien Natur, ist ebenso groß sowie durchdacht. Seit einiger Zeit hat er den Reiz der sogenannten „Lost Places“ für sich entdeckt und lieben gelernt.

Zu diesen „Lost Places“ gehört auch das Gelände von Tschernobyl. Bernd Wawers Fotos sind Zeugnisse von den Folgen des verheerenden Unglücks am 16. April 1986 im Block 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl. Rauchberger: „Jedes einzelne der Bilder, die in der Ausstellung gezeigt werden, hat trotz der erschreckenden Hintergrundgeschichte eine beeindruckende Ästhetik. Sie dokumentieren den unaufhörlichen Zerfall genauso wie die wiederkehrende Natur.“

Marita Rauchberger: „Heute, mehr als 30 Jahre danach, wissen wir, was auf uns zukommen wird, wenn es noch einmal zu einem Reaktorunfall kommen würde. Tihange, zu recht Schrottmeiler genannt, und Doel im benachbarten Belgien erzeugen Angst und gehören abgeschaltet. Tschernobyl, aber auch Fukushima haben gezeigt, welche Folgen daraus entstehen können.“

Wawer besichtigte nicht nur das havarierte Kraftwerk und war im Block 3, der nur durch eine Mauer vom havarierten Block 4 getrennt ist. Er erkundete mit seiner Kamera auch das Umfeld, wie beispielsweise die evakuierte Stadt Prypjat mit Krankenhaus, Schule, Kindergarten, Rummelplatz, Bahnhof, Ausflugsdampfer, Feuerwehr und Friedhof und vielem mehr. Für den Fotografen Bernd Wawer waren es sehr beeindruckende Reisen mit interessanten Motiven. Für den Menschen Bernd Wawer war es frustrierend zu erkennen, wie ein Großteil der Menschheit die Gefahren der Kernkraft noch immer ignoriert. Angesichts der Nähe zu Tihange fragt er sich, ob es 30 Jahre nach einem nicht mehr zu kontrollierenden Störfall in der Eifel auch so aussehen würde.

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(epa)

 

2 Gedanken zu „Tschernobyl in der Eifel“

  1. »… dass Unfälle im Ausmaß von Tschernobyl zum Wesen von Kernkraft gehören und sich überall und jederzeit wiederholen können.«

    Nein, natürlich nicht. Solche Unfälle waren ausschließlich mit RBMK-Reaktoren möglich und auch da nur durch grobe Fahrlässigkeit. Davon laufen leider noch 10 Blöcke, alle in Russland.

    »Zum Wesen von Kernkraft« gehören solche Unfälle keineswegs. Im Gegenteil, Kernenergie ist von allen Energiequellen die sicherste. Das Bauchgefühl mag etwas anderes sagen, aber die Zahlen sprechen eine klare Sprache.

    Rainer Klute
    Nuklearia e. V. (Vorsitzender)

    1. Sehr geehrter Herr Klute, möglicherweise ist Ihnen die Reaktorkatastrophe von Fukushima entgangen – dort war ein Siedewasser-Reaktor westlicher Bauart im Einsatz.

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