Über 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg: Akkordeon findet Weg in Familie zurück

Außergewöhnliche Geschichte im Schleidener Rathaus – (US) Lieutenant General Scott A. Kindsvater gibt Akkordeon aus dem Zweiten Weltkrieg an Besitzer zurück – Familie des Lieutenant General reist zur Übergabe extra aus den USA an

Dieses Akkordeon entdeckte der Großvater von General Kindsvater bei einem gefallenen Soldaten im Zweiten Weltkrieg und nahm es mit. Auf dem Foto ist der Großvater des Generals zu sehen. Bild: Kerstin Wielspütz / Stadt Schleiden
Dieses Akkordeon entdeckte der Großvater von General Kindsvater bei einem gefallenen Soldaten im Zweiten Weltkrieg und nahm es mit. Auf dem Foto ist der Großvater des Generals zu sehen. Bild: Kerstin Wielspütz / Stadt Schleiden

Schleiden – Bereits im Frühjahr dieses Jahres, vier Monate nach dem Amtsantritt von Bürgermeister Ingo Pfennings, erreichte die Verwaltung der Stadt Schleiden die Bitte um Unterstützung bei der Suche nach Nachkommen von Einwohnern Schleidens aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs von Oberstleutnant i.G. Aicke Lippert, eingesetzt bei der NATO in Mons (Belgien). Oberstleutnant Lippert kannte nur den Namen und die Anschrift der Person in den jahren 1939 bis 1945: „M. Kupp, Blumenthalerstr. 3, Schleiden, Eifel“.

Hintergrund der angefragten Personenrecherche ist der Großvater von (US) Lieutenant General (zu Deutsch: Generalleutnant / 3-Sterne-General) Scott A. Kindsvater, der im Zweiten Weltkrieg an der Westfront eingesetzt war und am amerikanischen Vormarsch zum Rhein teilnahm. „In dieser Zeit hat er nach einem Gefecht bei einem gefallenen deutschen Soldaten ein Akkordeon entdeckt und dieses mitgeführt“, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Schleidener Rathaus. Generalleutnant Kindsvater habe dieses Instrument von seinem Großvater geerbt und in dessen Inneren, den von Oberstleutnant Lippert genannten Hinweis auf die Vorbesitzer entdeckt.

  Die 87-jährige Christel Nierhoff nahm das Instrument jetzt im Pauluskeller des Schleidener Rathauses von General Kindsvater entgegen. Bild: Kerstin Wielspütz / Stadt Schleiden

Die 87-jährige Christel Nierhoff nahm das Instrument jetzt im Pauluskeller des Schleidener Rathauses von General Kindsvater entgegen. Bild: Kerstin Wielspütz / Stadt Schleiden

Bürgermeister Pfennings zeigte sich sofort begeistert von dem Hintergrund der Suche und sagte Lippert seine Hilfe und die seiner Mitarbeiterinnen aus den Bereichen Stadtarchiv, Standesamt und Ordnungsamt zu. Jedoch waren es nicht die Mitarbeiterinnen, die letztendlich den entscheidenden Hinweis lieferten, sondern Stadtverordneter und Fraktionsvorsitzender der CDU Jochen Kupp aus Schöneseiffen, der aufgrund seines Nachnamens parallel in die Suche involviert wurde. Er stellte den Kontakt zu Stefan Kupp her, mit dem er zur Schule gegangen und der ebenfalls gebürtiger Schleidener ist, jetzt jedoch in der Nachbargemeinde Kall lebt. Auch Stefan Kupp war sich nicht zu 100 Prozent sicher, ob er dem gesuchten Zweig der Kupps angehört, stellte aber zum Glück den Kontakt zu seinem Bruder Joachim Kupp her, der ebenfalls in Kall wohnt und lieferte damit genau den richtigen Hinweis. Denn Joachim und Stefan Kupp sind die Neffen der Besitzerin des Akkordeons, Mia Kupp.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Bilder und Skulturen über das „zusammenLEBEN“

Familie Kupp wohnte seit den 1920er Jahren im Haus Blumenthaler Straße 3 in Schleiden. Die Eltern hatten, wie damals üblich, zahlreiche Kinder. In diesem Fall waren es neun, darunter auch der Vater von Joachim Kupp. Leider ist Mia Kupp 2011 verstorben, weswegen ihre 87jährige Schwester Christel, die heute den Nachnamen Nierhoff trägt, das Akkordeon jetzt im Pauluskeller des Schleidener Rathauses entgegengenommen hat.

Laut Christel Nierhoff hat ihre Schwester Mia sehr um das Instrument getrauert und zeitlebens daran gedacht. Auch der spätere Kauf eines neuen Instrumentes habe sie leider nicht über den Verlust getröstet.

General Kindsvater verewigte sich bei seinem Besuch im Schleidener Rathaus im Goldenen Buch der Stadt Schleiden. Bild: Kerstin Wielspütz / Stadt Schleiden
General Kindsvater verewigte sich bei seinem Besuch im Schleidener Rathaus im Goldenen Buch der Stadt Schleiden. Bild: Kerstin Wielspütz / Stadt Schleiden

Für Generalleutnant Kindsvater, dessen Familie extra aus den USA angereist ist, bleibt der Tag ebenfalls unvergesslich: „Dies ist ein besonderer Tag für meine Familie. Es gehört sich, dass wir dieses Familienerbstück, welches auch zu einem Erbstück in meiner Familie geworden ist, zurück an die Familie Kupp geben. Dank an Sie, Herr Bürgermeister, die Familie Kupp, die Stadt Schleiden und meinen deutschen Adjutanten, Aicke Lippert, die diesen Familientraum heute wahr werden lassen”.

Lieutenant General Scott A. Kindsvater trat 1989 in die US Luftwaffe ein und hat dort u.a. mehr als 3.600 Flugstunden, davon mehr als 600 in Einsätzen, als Pilot abgeleistet. Er hatte verschiedene Führungsverwendungen innerhalb der US Luftwaffe als auch in höheren Stabsverwendungen inne und war zuletzt als Deputy Chief of Staff, Operations and Intelligence im Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE) in Mons, Belgien eingesetzt. Seit September 2019 ist er Deputy Chairman des NATO Militärrates im NATO Hauptquartier in Brüssel und wurde zu diesem Zeitpunkt auch zum Lieutenant General befördert.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Das Leben der NS-Täterin Eva Justin: Ute Bales liest in der Galerie Eifel Kunst

Bürgermeister Pfennings dankte dem General für das beeindruckende Zeichen deutsch-amerikanischer Freundschaft sowie die herausragende Geste gegenüber der Familie Kupp. „Frieden braucht Freundschaft, denn wer zusammen gearbeitet, gesungen, gelacht, getanzt und gefeiert hat, dem fällt es meistens doch recht schwer, bei anderer Gelegenheit aufeinander zu schießen“, so der Bürgermeister. Und gerade in der heutigen Zeit, mit bewaffneten Konflikten in vielen Regionen einer eigentlich schönen Welt, sei Freundschaft, gerade auch eine so langjährige wie die zwischen Deutschland und Amerika, sehr wichtig und ein kostbares Gut.

Die außergewöhnliche Geschichte endet mit einem Eintrag des Generals im Goldenen Buch der Stadt Schleiden.  (epa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.