Eine Sprache, die jeder versteht

Musikensemble „Emoción“ sorgte in der Comedia mit Leidenschaft und Lebensfreude für einen friedlichen Jahresausklang – Konzert wurde von der Kreissparkasse Euskirchen gesponsert

Das Ensemble „Emoción“ sorgte in der Comedia mit viel Leidenschaft für einen gelungen Jahresausklang. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Das Ensemble „Emoción“ sorgte in der Comedia mit viel Leidenschaft für einen gelungen Jahresausklang. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – Laut Victor Hugo drückt die Musik das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist. Dass an diesem Satz etwas Wahres ist, bewies am Freitagabend in der Comedia in Euskirchen das fünfköpfige Musikensemble „Emoción“. In dieser ungewöhnlichen Band kamen nicht nur ganz unterschiedliche Nationalitäten, musikalische Stilrichtungen und Genres zusammen, sondern drückte sich auch der Wunsch aus, eine weltumspannende Sprache zu sprechen, die jeder versteht. Und das gelang den Musikern von Anfang an. Klassische Musikelemente, Jazz, traditionelle und zeitgenössische lateinamerikanische Folklore oder plötzlich explodierende orientalische Rhythmusfelder: Die fünf Musiker haben längst ihren eigenen Ausdruck gefunden, mit dem sie auch mühelos Filmmusik von Astor Piazolla (Reise in den Süden), Grace Jones‘ „Libertango“ oder ein Stück von „Police“ (Roxanne) mit einem ganz besonderen Charme versehen.

Violinistin Soledad spielte sich in die Herzen der Zuhörer. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Violinistin Soledad spielte sich in die Herzen der Zuhörer. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Die Internationalität der Band wurde besonders durch Sängerin Sevine Abi Aad verkörpert. „Sie wurde geboren im Libanon, ist ein Viertel Brasilianerin, ein Viertel Griechin, hat einen französischen Pass, weil sie  mit einem Franzosen verheiratet ist, der aber nicht aus Frankreich stammt, wohnt aber in keinem dieser Länder, sondern in Barcelona und spricht fünf verschiedene Sprachen“, stellte der aus Belgien stammende Pianist Joris Laenen seine Kollegin vor. Neben ihrer Vielsprachigkeit überzeugte Sevine Abi Aad aber vor allem durch ihre große Bandbreite vokaler Ausdruckskraft, die vom leisen Geflüster bis zur leidenschaftlichen Emphase reichte. Da flogen auch schon mal die Schuhe in die Ecke, um besser über die Bühne tanzen zu können.

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Laenen entpuppte sich an diesem Abend nicht nur als charmanter Moderator, der dem deutschen Publikum die einzelnen Kompositionen erläuterte, sondern auch als Komponist und Arrangeur der Band. Darüber hinaus zeigte er sowohl auf dem Flügel sein Können, als auch an der Trompete. Beide Instrumente studierte er am Königlichen Konservatorium in Antwerpen und an der Hochschule für Musik in Frankfurt.

Symbiose aus Mann und Cello: Kiko Schmitz lebt an seinem Instrument seine lateinamerikanischen Wurzeln aus, ohne seine klassische Ausbildung zu verraten. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Symbiose aus Mann und Cello: Kiko Schmitz lebt an seinem Instrument seine lateinamerikanischen Wurzeln aus, ohne seine klassische Ausbildung zu verraten. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Wie Joris Laenen berichtete, hat das Ensemble eine Zeitlang gemeinsam in Katar gelebt. Dort hatten sich die fünf Musiker auch kennengelernt. Denn 2008 wurde in Doha das westlich orientierte „Qatar Philharmonic Orchestra“ aufgebaut und mit Musikern aus 30 verschiedenen Ländern besetzt. Neben Laenen und Sevine Abi Aad spielte dort auch die Violinistin Soledad (Patrizia Portz). Die gebürtige Münchnerin mit peruanischen Wurzeln setzte beim Publikum genau das frei, wofür der Name der Band steht: Emotionen. Ihr atemberaubendes Spiel auf der Violine riss die Zuhörer im wahrsten Sinne des Wortes von den Stühlen. Kein Wunder, denn Soledad war nicht nur Mitglied der Münchener Philharmonie, sie stand auch bereits mit Größen wie Michael Jackson, Nigel Kennedy oder Vanessa Mae auf der Bühne.

Überzeugte durch ihre große stimmliche Bandbreite und Ausdruckskraft: Sängerin Sevine Abi Aad. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Überzeugte durch ihre große stimmliche Bandbreite und Ausdruckskraft: Sängerin Sevine Abi Aad. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Leidenschaft bewies auch der aus Venezuela stammende Cellist Kiko Schmitz. Geboren und aufgewachsen in Caracas studierte Schmitz später an der Hanns-Eisler-Universität in Berlin. Selten sieht und hört man einen Cellisten, der in so enger Symbiose mit seinem Instrument verbunden ist. Gemeinsam mit Laenen und dem Perkussionisten Ferdinand Schäfer war Schmitz nicht nur der rhythmische Motor der Band, sondern neben Violinistin Soledad auch deren lyrisch-emotionales Herz. Perkussionist Schäfer, der an der Akademie für Tonkunst Darmstadt studiert hatte, zeigte sich derweil als äußerst experimentierfreudig, indem er beispielsweise die Klangplatten seines Vibraphons mit einem Geigenbogen zum Schwingen brachte oder eine Cajón einfach horizontal spielte wie eine Conga.

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Pianist und Trompeter Joris Laenen arrangiert nicht nur die Stücke des Ensembles, sondern er hat auch einige davon selbst geschrieben. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Pianist und Trompeter Joris Laenen arrangiert nicht nur die Stücke des Ensembles, sondern er hat auch einige davon selbst geschrieben. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Dass das ungewöhnliche Konzert zum Jahresabschluss überhaupt möglich wurde, war zum einen dem Geschäftsführer der Kulturinitiative Klösterchen (KiK), Klaus Linden, zu verdanken, der seit Jahren ein gutes Händchen bei der Auswahl der in der Comedia gastierenden Musiker beweist, zum anderen der Kreissparkasse Euskirchen, die ebenfalls seit Jahren das Abschlusskonzert der Reihe sponsert. Die KSK war denn auch personell gut vertreten mit Vorstandsmitglied Holger Glück, KSK-Direktor Wolfgang Krüger, Vorstandsstab-Direktorin Rita Witt, Karl-Heinz Daniel vom Vorstandsstab sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die traditionellerweise in der Comedia ihren „3. Weihnachtstag“ feiern. Zu den verlässlichen Sponsoren gehören darüber hinaus die beiden Energieversorger e-regio und innogy, wie KiK-Vorstand Dr. Ingo Wolf berichtete. Wolf bedankte sich nicht zuletzt auch bei den vielen aktiven Mitgliedern, die durch ihre Arbeit hinter den Kulissen die Veranstaltungen erst ermöglichten.

Liebt das Experiment: Der Perkussionist Ferdinand Schäfer. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Liebt das Experiment: Der Perkussionist Ferdinand Schäfer. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Zu Ende ging der Abend nach stehenden Ovationen für die Musiker mit dem international bekannten französischen Kinderlied „Frère Jacques“, das von Publikum und Band nicht nur als dreistimmiger Kanon intoniert, sondern auch synchron mit dem Auf- und Abwogen eines Meers aus roten KSK-Knicklichtern begleitet wurde.

Eifeler Presse Agentur/epa

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