Neue Selbsthilfegruppe „Depression“ bei der Caritas

featuredBetroffene treffen sich alle 14 Tage im Schleiden – Gruppenleiter Christian Gehlen aus Harperscheid ist seit vielen Jahren selbst Betroffener

Laden zur neuen Selbhilfegruppe "Depression" ein: Elisabeth Nosbers (v.l.) ,stellv. Geschäftsführung Caritas, Christian Gehlen, Gruppenleiter, Martina Bertram Gemeindecaritas und Ehrenamt. Bild: Arndt Krömer
Laden zur neuen Selbhilfegruppe „Depression“ ein: Elisabeth Nosbers (v.l.) ,stellv. Geschäftsführung Caritas, Christian Gehlen, Gruppenleiter, Martina Bertram Gemeindecaritas und Ehrenamt. Bild: Arndt Krömer

Schleiden – Der Caritasverband für die Region Eifel hat das Portfolio der Selbsthilfegruppen unter seinem Dach um ein Angebot erweitert: im Schleidener Caritas-Haus treffen sich regelmäßig Menschen, um über das Thema Depression miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Depression wird in unserem Land häufig als „Volkskrankheit Nummer 1“ bezeichnet. Laut Robert-Koch-Institut ist eine depressive Symptomatik in Deutschland mit 9,2Prozent höher beziffert als der europäische Durchschnitt mit 6,6 Prozent. Die Dunkelziffern werden deutlich höher eingeschätzt. Die Krankheit ist unter anderen gekennzeichnet von Angstzuständen, Gereiztsein, Schlafproblemen, ständiger Müdigkeit, aber auch von Beschwerden wie Rücken-, Bauch- oder Kopfschmerzen.

Christian Gehlen aus Harperscheid ist seit vielen Jahren selbst Betroffener, hat die Gruppe in Kooperation mit Martina Bertram (Gemeindecaritas und Ehrenamt) ins Leben gerufen und die Gruppenleitung übernommen. Besonderes Anliegen der Partner ist, dass die Teilnehmer offen über ihre Erkrankung miteinander sprechen können und über Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Der Startschuss ist mit einem ersten Infoabend am 8. Januar gefallen.

„Ich habe von Anfang an kein Geheimnis aus meiner Krankheit gemacht“, erläutert Christian Gehlen, der beruflich das Autohaus Köth in Harperscheid als Geschäftsführer leitet. „Dadurch kam ich mit anderen Erkrankten in zahlreiche Gespräche und habe sofort gemerkt: das hat denen gut getan! Und es war auch sehr gut für mich selbst.“ Diese Erfahrung führte zu seiner Idee, eine Selbsthilfegruppe im Schleidener Umfeld zu etablieren, um mehr Menschen zu erreichen; an einem solchen Angebot habe es ohnehin gefehlt. Daher erhielt er sofortigen Zuspruch.

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„Ein weiterer Grund ist: wenn es mir gerade gut geht, neige ich beispielsweise dazu, mich über alle Maße in die Arbeit zu stürzen. Dann verliere ich aber den richtigen Umgang mit meiner Depression schnell aus dem Blick. Es handelt sich um eine lebenslange Krankheit, und ich musste lernen, dass ich stets an der Thematik dran bleiben, einfach gut auf mich achten muss.“ Die Erfahrungen des ersten Infoabends waren durchweg positiv. Die Teilnehmer zeigten sich sichtlich erfreut und erleichtert darüber, dass das neue Gruppenangebot geschaffen wurde: „Endlich versteht mich jemand“ war ein Gefühl, das oft zum Ausdruck gebracht wurde. Gehlen: „Denn die Leute können das nicht verstehen und ich kann es wirklich niemanden vorwerfen – ich hätte es selbst niemals verstanden, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte.“

Bei der Caritas wurde der Bedarf nach einer solchen Selbsthilfegruppe immer wieder sichtbar, bestätigt Martina Bertram: „Bislang konnten wir diesen mangels einer Gruppenleitung jedoch nicht bedienen. Deshalb war ich sehr froh, als sich Herr Gehlen mit seinem Anliegen an uns gewandt hat. In einer solchen Gruppe finden die Menschen Unterstützung und Stärke“, weiß sie aus Erfahrung. Elisabeth Nosbers, stellvertretende Geschäftsführerin, fügt hinzu: „Bei der Depression handelt es sich nach wie vor um ein großes gesellschaftliches Tabu-Thema. Wir freuen uns sehr, wenn wir dieses Tabu in Zusammenarbeit mit Herrn Gehlen aufbrechen und zu mehr Akzeptanz für die erkrankten Menschen beitragen können.“ An den Statistiken der Krankenkassen könne man sehr gut sehen, dass Depressionen eine häufige Ursache für berufliche Fehltage seien. Sie hofft somit sehr, dass sich weitere Betroffene der Selbsthilfegruppe anschließen.

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Dabei war der Weg bis zur Gründung, den Christian Gehlen hinter sich hat, kein leichter. Bereits Ende 2018 hatte er den Kontakt zu Martina Bertram hergestellt, durch wiederkehrende depressive Episoden musste der Start jedoch immer wieder verschoben werden. Er habe in dieser Zeit eben Erfahrungen für die Gruppe gesammelt, sagt er lächelnd. Durch verschiedene Therapieangebote und Behandlungsmöglichkeiten hat er wieder einen Weg ins Leben gefunden und viel über Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst gelernt. Anschließend habe sie ihn wie „Phönix aus der Asche“ erlebt, betont Martina Bertram: „Ich habe ihn im folgenden Gespräch so offen, so ehrlich, so positiv wahrgenommen und da habe ich gedacht: der macht anderen Mut!“ Das scheint zu funktionieren, denn die Teilnehmer des ersten Treffens im Alter von etwa 16 bis 65 Jahren haben am Ende der fast drei Stunden den klaren Entschluss gefasst, wieder zu kommen und weiter zu machen. Mit anderen Betroffenen ins Gespräch kommen, Informationen austauschen, über Behandlungsmöglichkeiten sprechen, nicht allein zu sein – diese Dinge geben ihnen Kraft. Gehlen: „Es muss sich in der Gesellschaft verbreiten: was eine Depression überhaupt ist und dass man etwas dagegen tun kann. Daran hängt so viel Lebensqualität! Das ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit.“

Die Gruppe trifft sich ab sofort im 14-täglichen Rhythmus. Sie richtet sich an Betroffene, Angehörige und alle Interessierten. Das nächste Treffen ist am Mittwoch, 21. Januar, 18.30 Uhr, im Caritas-Haus Schleiden, Gemünder Str. 40. Wer sich anmelden möchte, kann sich an Christian Gehlen unter der Mobilnummer 0177 5781925 oder der E-Mail-Adresse kontakt@depressionshilfe-sle.de wenden. (eB/epa)

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