Gutes Essen in Uniform und zivil

Mit der Mercator-Kaserne Euskirchen übernehmen die Nordeifelwerkstätten auch am zweiten Bundeswehrstandort der Kreisstadt den Kantinenbetrieb

Mit dem Kantinenbetrieb in der Mercator-Kaserne Euskirchen arbeiten die Nordeifelwerkstätten und die Bundeswehr bereits am zweiten Standort zusammen und bringen so gelungene Beispiele für Inklusion in die Öffentlichkeit. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Mit dem Kantinenbetrieb in der Mercator-Kaserne Euskirchen arbeiten die Nordeifelwerkstätten und die Bundeswehr bereits am zweiten Standort zusammen und bringen so gelungene Beispiele für Inklusion in die Öffentlichkeit. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – „Das ist sehr komfortabel, dass wir hier eine warme und wohlschmeckende Mahlzeit bekommen“, beschreibt Hauptmann Dirk Paffrath den neuen Kantinenbetrieb in der Mercator-Kaserne Euskirchen, kurz nachdem er zufrieden vom Mittagstisch aufgestanden ist. Ein großer, heller Gastraum, eine großzügig dimensionierte Küche, sowohl vegetarische wie Gerichte mit viel Fleisch, besondere belegte Brötchen auch für den großen Hunger etwa mit einem Schnitzel als „Zwischenlage“, Muffins und Kaffeespezialitäten – eigentlich ist die jüngste Zusammenarbeit seit vergangenen Montag zwischen Bundeswehr und den Nordeifelwerkstätten (NEW) etwas ganz Normales – und dennoch gibt es Besonderheiten.

Denn in der Kantine arbeiten überwiegend Menschen mit Behinderung vor Töpfen und Pfannen, hinter Kasse und Theke. Berührungsängste gibt es keine – ob in Uniform oder zivil, ob mit Beeinträchtigung oder ohne, das Essen bringt alle in lockerer Atmosphäre zusammen. Der NEW-Beschäftigte Dennis Schneider hat schon seit Eröffnung der NEW-Kantine vor zwei Wochen in der Generalmajor-Freiherr-von-Gersdorff-Kaserne in Euskirchen gearbeitet. Auch am zweiten Standort ist er mit Begeisterung im Einsatz: „Das ist megacool hier, die Arbeit bringt mir großen Spaß. Ich bin Quereinsteiger und muss noch einiges lernen, habe aber schon viele Bereiche, in denen ich selbständig arbeiten kann.“

Auch der Pressestabsoffizier Oberstleutnant Ralf Keller ist hochzufrieden mit den beiden Kantinen: „Es gibt gesundes und ausgewogenes Essen, was bei dem Sportpensum der Soldaten wichtig ist.“ So gibt es auch ein tägliches Salatbüffet neben den frisch gekochten Speisen. Er unterstützt den Inklusionsgedanken sehr und erwähnt, dass beim Zentrum für Geoinformationswesen etwa fünf Prozent der zivilen Angestellten Menschen mit Behinderung seien. Ihm ist die gegenseitige Akzeptanz wichtig, ob Menschen mit oder ohne Behinderung, in Uniform oder zivil. Die Küchenchefin Sabine Mey fühlt sich gut aufgenommen und präsentiert stolz ihr Team, zu dem neben Dennis Schneider noch Ulrich Vey und Reik Persik gehören: „Heute haben wir bereits 90 Essen ausgegeben, dazu 80 belegte Brötchen.“ Zwei bis drei verschiedene Gerichte werden täglich auf den Tisch gebracht, als Renner habe sich in der Generalmajor-Freiherr-von-Gersdorff-Kaserne bereits das frisch gemachte Leberkäse-Brötchen entwickelt, das soll jeden Freitag auch in der Mercator-Kaserne den herzhaften Hunger zwischendurch stillen.

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Hauptmann Dirk Paffrath: „Toll ist auch, dass wir jetzt Delegationen und Gäste, die oft auch aus dem Ausland kommen, hier angemessen bewirten können.“ So seien erst kürzlich 120 Besucher von den NEW-Beschäftigten verköstigt worden. Sein Kommandeur, Brigadegeneral Peter Webert, sei leider bei der Kantineneröffnung durch einen Termin in Berlin verhindert. Der ranghöchste Soldat am Standort hatte sich aber schon bei dem Startschuss in der Generalmajor-Freiherr-von-Gersdorff-Kaserne hocherfreut über die Zusammenarbeit mit den NEW geäußert und saß dort schon mit den NEW-Beschäftigten beim Kaffeetrinken zusammen.

Gewonnen haben aber nicht nur die Soldatinnen und Soldaten sowie zivilen Angehörigen, sondern auch die Beschäftigten der NEW, wie Veronika Klippel, im NEW-Standort Ülpenich Mitarbeiterin der Sozialen Dienste, betont: „Es ist sehr wichtig für Menschen, Anerkennung zu bekommen. Die Arbeit hier stärkt auch das Selbstwertgefühl.“ Wichtig sei die Betreuung durch die NEW, damit kleine Probleme direkt gelöst werden können und gar nicht erst zu echten Schwierigkeiten anwachsen. „Dazu ist natürlich viel Fingerspitzengefühl und Empathie notwendig“, so Klippel. Aber die Erfahrungen der NEW, auch in den NEW-Kantinen an den eigenen Standorten und der Großküche in Ülpenich sowie im Thomas-Esser-Berufskolleg und in der Kreissparkasse Euskirchen, sind sehr gut. NEW-Werkstattleiter Achim Saßmann: „Wir haben für den Betrieb hier erfahrene Beschäftigte ausgesucht – alle haben schon vorher im Kantinenbetrieb gearbeitet.“

Wie schlagkräftig und nervenstark die NEW-Truppe ist, habe sie bereits erwiesen, wie Georg Richerzhagen, Geschäftsführer der NEW, sagt: „Bis Freitagnachmittag wurde hier noch gewerkelt, sogar die Spülmaschine ist gerade noch rechtzeitig angeschlossen worden – und ein Kantinenbetrieb ohne Spülmaschine ist wie Kochen ohne Herd!“ Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr liefe gut und oft auch per „Zuruf“. Weshalb Sabine Mey sicher ist: „Morgen ab 7 Uhr 30 gibt es wieder Frühstück, ab 12 dann Mittagessen!“

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Eifeler Presse Agentur/epa

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