Nach zehn Jahren endlich wieder großes Baugebiet in Zülpicher Kernstadt

„F&S concept“ schafft Raum für 340 Neubürger im Süden der Römerstadt – Ulf Hürtgen: „Es wurde besonders auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit geachtet“ – Statt klassischem Spatenstich der römischen Feuergöttin Vesta gehuldigt

Bezahlbaren Wohnraum auf 68.000 Quadratmetern verspricht das Wohngebiet „Römergärten“, wie Ulf Hürtgen (v.l.), Bürgermeister Stadt Zülpich, und F&S-Geschäftsführer Georg Schmiedel bei der offiziellen Eröffnung berichteten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Bezahlbaren Wohnraum auf 68.000 Quadratmetern verspricht das Wohngebiet „Römergärten“, wie Ulf Hürtgen (v.l.), Bürgermeister Stadt Zülpich, und F&S-Geschäftsführer Georg Schmiedel bei der offiziellen Eröffnung berichteten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Zülpich – Im Süden der Stadt Zülpich wurde jetzt der Startschuss zu einem ehrgeizigen Projekt erteilt, mit dem die Stadt Platz für prognostizierte 340 Neubürger schaffen möchte. In enger Zusammenarbeit zwischen der Römerstadt und der Euskirchener Projektentwicklungsgesellschaft „F&S concept“ entsteht auf einer Bruttobaulandfläche von 68.000 Quadratmetern das Wohngebiet „Römergärten“ mit 78 Grundstücken in Größen von 400 bis 1000 Quadratmetern.

„Heute findet eine jahrzehntelange Planung endlich einen Abschluss“, freute sich Bürgermeister Ulf Hürtgen, der bei bestem Wetter Bürger, Neubürger, Politiker, Mitarbeiter der Verwaltung und der Projektentwicklungsgesellschaft „F&S concept“ zum Spatenstich an der Chlodwigstraße begrüßen konnte. Das Baugebiet im Kernort habe früher einmal als nicht umsetzbar gegolten. „Doch die Firma F&S hat gezeigt, dass es doch möglich ist und über 20 Eigentümer unter einem Dach vereinigt“, so Hürtgen. Städtebaulich sei dieses Projekt eine Notwendigkeit gewesen, denn es herrsche in der Römerstadt ein erhöhter Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. „Es ist das erste größere Neubaugebiet in der Kernstadt seit über zehn Jahren“, so der Bürgermeister.

Wie in vergangenen Zeiten bei Neugründungen römischer Kolonien Brauch, weihten die Verantwortlichen das Baugebiet „Römergärten“ mit Flammen zu Ehren der Feuergöttin Vesta ein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Wie in vergangenen Zeiten bei Neugründungen römischer Kolonien Brauch, weihten die Verantwortlichen das Baugebiet „Römergärten“ mit Flammen zu Ehren der Feuergöttin Vesta ein. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Nicht zuletzt dürfte auch die optimale Lage und Anbindung des neuen Baugebiets dazu geführt haben, dass der Verkauf der Grundstücke noch vor dem Spatenstich komplett abgeschlossen war. „Auch für die Innenstadt ist es ein gutes Signal, dass sich hier etwas bewegt und wieder mehr Kaufkraft in die Stadt kommt“, so Hürtgen. Ein besonderes Anliegen sei es der Stadt und „F&S concept“ gewesen, bei diesem und allen noch folgenden Baugebieten auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu achten. So werde es ökologische Ausgleichsmaßnahmen geben, beispielsweise die Erweiterung potenzieller Steinkauz-Habitatstrukturen in Hoven auf 8.500 Quadratmeter, die Einrichtung einer 1,8 Hektar großen Streuobstwiese mit 35 Obstbäumen sowie öffentliche Grünflächen innerhalb des Baugebiets von 3.500 Quadratmetern.

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Auch für die Vorgartengestaltung wurden feste Vorgaben erlassen, so dass beispielsweise eine Versiegelung aus Kies oder Schotter nur bis maximal 15 Prozent der Fläche zulässig sein soll. „Wir wollen allerdings nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen, sondern um Verständnis werben und beraten, beispielsweise durch ein LEADER-Projekt, das sich gegen das Insektensterben wendet“, so der Bürgermeister.

Zahlreiche Besucher aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und auch künftige Bewohner nahmen an der kleinen Einweihungsfeier zum Neubaugebiet „Römergärten“ teil. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Zahlreiche Besucher aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und auch künftige Bewohner nahmen an der kleinen Einweihungsfeier zum Neubaugebiet „Römergärten“ teil. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

F&S-Geschäftsführer Georg Schmiedel: „Zülpich, ein wohnwirtschaftlicher Diamant im Städtedreieck Aachen, Köln und Bonn, hat das große Glück, dass es hier einen Bürgermeister gibt, der zukunftsweisend und innovativ denkt und mit seiner Verwaltung ständig an diesem Diamanten weiterschleift, um ihn in Brillanz erstrahlen zu lassen.“ Zülpich habe eine lange und ereignisreiche Geschichte, aber eine noch weitaus schönere Zukunft vor sich, prophezeite Schmiedel.

„Wir brauchen pro Jahr in NRW 80.000 neue Wohnungen. Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren aber nur zwischen 35.000 und 48.000 Wohnungen gebaut“, warf der Projektentwickler einen Blick auf die Wohnsituation in NRW und warnte: „Wir müssen darauf achten, dass unsere Gesellschaft nicht auseinanderbricht, weil es keinen bezahlbaren Wohnraum mehr für alle gibt.“ Wenn sich in den Ballungszentren der Großstädte Gebiete bildeten, in denen man nur noch wohnen könne, wenn man bis zu 15.000 Euro für den Quadratmeter zu zahlen bereit sei, „dann wird das die Gesellschaft kaputt machen“, so Schmiedel.

Aus diesem Grund zeigte sich der F&S-Geschäftsführer froh darüber, dass in Zülpich noch Baugebiete erschlossen würden, deren Quadratmeterpreise weit mehr als marktgerecht und im Vergleich zu angrenzenden Kommunen sogar günstig seien. Ja mehr noch, bei der Bebauung wolle man alle Bereiche der Wohnungswirtschaft abbilden: „Von dem freistehenden Einfamilienhaus über die Doppelhaushälfte, das Reihenhaus, das Kettenhaus bis zum Mehrfamilienhaus mit bis zu acht Wohneinheiten ist in den Römergärten alles möglich“, sagte Schmiedel. Dies sei darüber hinaus ein wichtiges Signal für die Zukunft. Man dürfe eben nicht mehr nur monotone Baugebiete mit einem Haustyp entwickeln, sondern Wohngebiete, die das gesamte Spektrum des Wohnens abbildeten. Aus diesem Grund seien die „Römergärten“ schon jetzt ein Vorzeigeprojekt.

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Der Spatenstich fiel für die Römerstadt entsprechend geschichtsbewusst aus. Georg Schmiedel erinnerte daran, dass es im römischen Reich die Feuergöttin Vesta gab. Und immer, wenn eine Kolonie neugegründet wurde, sei es Brauch gewesen, der Göttin von Heim und Herd durch ein Feuer zu huldigen. Statt eines Spatenstichs wurde daher in der Römerstadt eine Feuerschale entzündet.

Eifeler Presse Agentur/epa

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