Corona-Krise: „Man fühlt sich als jemand, der kritisch nachfragt, oft recht einsam“

Die Eifeler Presse Agentur sprach mit dem Chefarzt der Abteilung Rehabilitation am St. Joseph-Krankenhaus in Sankt-Vith, dem Sistiger Karl Vermöhlen, der in Belgien eine Covid-19-Station leitet, über die Folgen der medizinischen Unterversorgung während der Pandemiezeit, über Sinn und Unsinn der Maskenpflicht, über ein widersprüchliches Zahlenwirrwarr, über Grenzschließungen und über die scheinbare Entscheidungssicherheit der Politik

Als Chefarzt der fachübergreifenden Rehabilitation in der Klinik St. Joseph im belgischen St. Vith hat Karl Vermöhlen ab Mitte März die neu geschaffene COVID-Abteilung übernommen. Foto: Schott-Fotografie.de
Als Chefarzt der fachübergreifenden Rehabilitation in der Klinik St. Joseph im belgischen St. Vith hat Karl Vermöhlen ab Mitte März die neu geschaffene COVID-Abteilung übernommen. Foto: Schott-Fotografie.de

Herr Vermöhlen, Sie stammen aus Ramscheid in der Gemeinde Hellenthal und leben seit Ihrer Hochzeit in Sistig. Die meisten Menschen in der Eifel kennen Sie vor allem aufgrund Ihrer politischen Aktivität, könnten Sie unseren Lesern daher kurz etwas zu Ihrer Arbeit als Mediziner sagen?

Gern, seit 2009 bin ich Chefarzt der fachübergreifenden Rehabilitation in der Klinik St. Joseph im belgischen St. Vith. Man muss wissen, Rehabilitation ist fast überall in der Welt eine normale Krankenhausdisziplin – außer in Deutschland. Von Anfang an habe ich mich mit der Klinikhygiene beschäftigt und war ständig Mitglied der intensiv arbeitenden Hygienekommission der Klinik. Von daher war es logisch, dass ich ab Mitte März die neu geschaffene COVID-Abteilung übernommen habe, die in 25 Zimmern auf maximal 32 Betten ausgelegt war. Belgien war viel stärker betroffen als die meisten anderen europäischen Ländern. Allein in unserem Hause mit einem Einzugsbereich von ca. 30 000 Menschen hatten wir mehr Tote zu beklagen als im ganzen Kreis Euskirchen – trotz Medizin auf höchstem Niveau. Übrigens: Mit deutlich mehr Pflegepersonal pro Patient als in Deutschland. Man kann also sagen: Ich habe in der Corona-Zeit viel erleben müssen.

Nach anfänglich fast geschlossener Befürwortung der politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise bröckelt derzeit die Zustimmung in der Bevölkerung. Können Sie das nachvollziehen?

Ja, das kann ich nahvollziehen. Lange Zeit ohne soziale Kontakte, zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit, Existenzängste. Kinderbetreuung, die unsicher ist und bleibt. Eltern, die man nicht mehr besuchen kann. Das sind nur einige Faktoren, die an den Nerven der Menschen zerren.

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Noch nie zuvor wurde man in einer Krise so sehr mit Zahlen malträtiert wie in dieser Pandemie. Es scheint fast, als hätte jeder Politiker, Experte oder auch Journalist seine eigene Methode, diese Zahlen nach Belieben zu interpretieren. Welche Zahlen wären aus Ihrer Sicht notwendig, um eine seriöse Einschätzung der derzeitigen Lage vornehmen zu können, und gibt es diese notwendigen Zahlen überhaupt?

„Da es sich bei der Durchführung der Tests aktuell um ein anlassbezogenes Vorgehen handelt, ist bei den täglich gemeldeten Fallzahlen nicht abzulesen, ob es sich dabei um tatsächlich neu aufgetretene Fälle oder um den Effekt der Ausweitung der Stichprobe handelt. Auch der Bezug auf die Zahl der täglich durchgeführten Teste wäre schon ein Fortschritt. Der Anteil der positiven Testergebnisse fällt wohl ab, aber die Zahlenangaben sind widersprüchlich und verwirrend. Zur Beurteilung der Sachlage ist ganz besonders die Zahl der asymptomatisch Infizierten notwendig, da diese als Kennzahl der Krankheitslast und als Treiber der Epidemie eine besondere Rolle spielen. Der Bericht der »Genesenen« ist irreführend, da die Zahl der Erkrankten nicht bekannt ist. Die Forderung nach einer besseren Information der Öffentlichkeit ist erst recht bezüglich der Sterbefälle zu erheben, denn hier wird täglich ein Prozentsatz (gegenwärtig 3,8%) angegeben, der sich auf die Zahl der gemeldeten Fälle bezieht, ohne dass die Grundgesamtheit bekannt wäre (3,8% wovon) oder man alternativ die Zahl der Krankenhausaufnahmen zugrunde legen würde.“ Das ist ein Zitat aus „Datenbasis verbessern – Prävention gezielt weiterentwickeln – Bürgerrechte wahren – Thesenpapier 2.0 – von Prof Schrappe, Glaeske und andere vom 3. Mai 2020. Dem ist doch nichts hinzu zu fügen, oder?

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Was halten Sie von der sehr spät eingeführten Maskenpflicht? Würden grundsätzliche hygienische Maßnahmen, wie zu Beginn der Pandemie, nicht auch weiterhin ausreichen, zumal sie ja sehr erfolgreich waren? Und geben Gesichtsmasken eventuell eine nur trügerische Sicherheit, wobei es darüber hinaus ja auch sehr unterschiedliche Einschätzungen zur CO2-Rückatmung gibt? Sind medizinische Masken von Laien ohne Schulung sinnvoll nutzbar?

Ob Masken hilfreich sind oder nicht – das weiß wohl keiner. Jeder sucht sich da die Studie heraus, die er will. Das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Kanzlerin haben ihre Meinung geändert. Der Präsident der Weltärztebundes, Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, hat die Masken als „Schamlappen“ verspottet. Ich glaube, dass die Masken eine falsche, weil in der Tat trügerische Sicherheit vorgaukeln. Abstand halten, regelmäßiges und korrektes Händewaschen mit Seife und eine Nieshygiene sind mit Abstand die wichtigsten Maßnahmen. Alle anderen Add-Ons machen es mühsam und tragen in ihrer mitunter absurd anmutenden „Gründlichkeit“ zur Resignation der Bevölkerung bei: z.B. keine Wimpernbehandlung beim Friseur? Wer könnte mir eine Studie nennen, wo es zu massenhaften Corona-Ausbrüchen nach einer Wimpernbehandlung gekommen ist? Da scheint mir doch die Behandlung am „offenen Mund“ beim Zahnarzt problematischer. Oder kürzer: Gut gemeint ist meist nicht gut – und vor allem zu kompliziert – gemacht.

Derzeit ist das Ausmaß der gesellschaftlichen Folgen durch die auferlegten Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie noch gar nicht abzusehen. Was könnten aus Ihrer Perspektive die schlimmsten Folgen sein? Und was ist mit den Folgen der medizinischen Unterversorgung während der Pandemiezeit? Gibt es da in Ihrer Klinik schon jetzt Auffälligkeiten?

Das, was in den Familien an sozialen Schwierigkeiten entsteht, werden wir vielleicht nie komplett erfassen. Ich sage voraus, dass sich da ganze Generationen von Soziologen, Psychologen und andere Berufsgruppen promovieren und habilitieren werden. Stichworte sind: Häusliche Gewalt, Vergrößerung der Bildungslücke zwischen bildungsfernen Gruppen und Bildungsbürgertum durch anhaltenden Ausfall von Schule und KiTa. Alle Internistischen Abteilungen, alle Kardiologen, Neurologen, Gastroenterologen und andere mussten erleben, dass in der Corona-Zeit einfach weniger Leute in die Klinik und Praxen kamen – wie wir heute wissen: Sie kamen nicht, obwohl sie krank waren! Angst vor der „Seuche in der Klinik“, Besorgnisse wegen persönlicher Isolierung durch Besuchsverbote in den Kliniken, Absagen geplanter Untersuchungen und vieles mehr – all das wird in den nächsten Wochen als Kollateralschäden auf uns zu kommen. Noch nie in meinen elf Jahren in St. Vith hatte ich so viele schwere neurologische Fälle zugleich in der Abteilung – mit schweren Ausfällen. Zufall? Oder erste Auswirkungen davon, dass der Slogan „Zeit ist Hirn“ zu Corona-Zeiten einfach nicht mehr beherzigt wurde? Und dann kommen natürlich auch die Personen zur mir in die Reha, die die vielwöchige Beatmung überstanden haben – diese Menschen haben „viel mitgemacht“, haben multiple Handicaps und bedürfen oft mehrwöchiger intensivster Rehabilitation, um wieder in ihr altes Leben zurückkehren zu können.

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Herr Vermöhlen, Sie leben in der Eifel und arbeiten in Belgien. Was halten Sie von der Grenzschließung, lässt sich das Virus am Schlagbaum aufhalten?

Mich erinnert das an das Mittelalter, als die Städte ihre Tore verschlossen haben, um die Pest aus der Stadt zu halten. Als diese dann über die Ratten meist doch in die Stadt kam, sah man die Nutzlosigkeit dieser Maßnahmen – uns suchte Schuldige, die man dann z.B. bei Judenpogromen auslebte. Diesen alten Reflex gibt es auch heute. Klar ist: „Schlagbäume halten keinen Viren auf“. In der Schweiz und Österreich, Frankreich, Luxemburg und Belgien herrschen Ausgangssperren, was sollen dann Grenzschließung bringen, außer lange LKW-Staus an vielen EU-Binnengrenzen und Anwachsen von Ressentiments gegen alles Fremde? Ist den Menschen eigentlich klar, dass sie in jedem Land der Welt Ausländer sind – außer im eigenen? Der luxemburgische Außenminister Asselborn hat es schön beschrieben: „Da steht ein deutsches Polizeiauto quer auf der Moselbrücke nach Schengen – der Ort, der für die Freizügigkeit in Europa steht. Das ist unerträglich!“. Da bin ich absolut d’accord mit Herrn Asselborn. Diese Abschottung muss durch eine gesamteuropäische Aktion – auch in Gesundheitsfragen – überwunden werden. Gerade hatten wir gelernt, dass Grenzen nicht mehr abgrenzen sollen – und dann so ein grotesker Wettlauf um Grenzschließungen. Nur um politische Härte und Durchsetzungskraft zu demonstrieren!

Als politischer Mensch – Sie sind unter anderem der gesundheits- und sozialpolitische Sprecher der SPD im Kreistag – haben Sie sich seit Beginn der Pandemie auch mit den politischen Entscheidungen rund um die Krise kritisch auseinandergesetzt und nicht immer alles gutgeheißen, was da beschlossen und verkündet wurde. In vielen Medien werden derzeit gern alle Kritiker ohne große Differenzierung in den Sack mit der Aufschrift „Verschwörungstheoretiker“ gesteckt. Haben Sie keine Angst, dass man versuchen könnte, sie ebenfalls mit diesem Titel zu brandmarken und so zu diskreditieren?

Also, wer mich als Verschwörungstheoretiker brandmarken will, muss schon ganz viel Böswilligkeit mitbringen. Ich bin durch und durch Schulmediziner. Allerdings fühlte man sich als jemand, der kritisch nachfragt, der die Sinnhaftigkeit mancher Maßnahme begründet haben wollte – oft recht einsam. „Alternativlos“ sollte wieder mal alles sein. Und die Öffentlichkeit hat das zunächst erstaunlich lange hingenommen. Als dann namhafte Mediziner wie der Rechtsmediziner Prof. Dr. Klaus Püschel aus der Uniklinik Hamburg nachhakte, warum das RKI zunächst keine Autopsien wollte – als Professor Streeck seine Gangelt-Studie vorstellte und die Todesfallrate dann bei 0,37 Prozent lag – als Schweden wider allen Untergangsprophezeiungen mit seinem aus Aufklärung und Freiwilligkeit basierenden Sonderweg nicht schlechter dastand als manche Hardcore-LockDown-Staaten – erst da merkte man, dass doch nicht alles so klar war.

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Und als der „Härteste-der Harten“, Herr Söder, öffentlich im TV anmahnte, jetzt wolle er aber von den Virologen endlich mal klare Zahlen haben, da wurde doch dem Letzten klar: Diese scheinbare Entscheidungssicherheit der Politik für viele Maßnahmen war gar nicht so eindeutig, wie man es öffentlich darstellte. Dazu setzte der Überbietungswettlauf der Ministerpräsidenten ein, was „Lockerungen“ anging. All das machte „die beschränkenden Maßnahmen“ nicht glaubwürdiger. Der Nährboden für eine schlimme Mélange aus Verschwörungstheoretikern, Impfgegnern, Esoterikern war bereitet – und dass dann rechte Populisten mitmischen und die Stimmung aufheizen, hat mich gar nicht überrascht. Die „etablierten Parteien“ überlassen diesen Leuten die Straße – und nach Kneipenöffnung übernehmen diese dann auch die Hoheit an den Stammtischen. Seit Franz-Josef Strauß weiß man, dass dies für die demokratische Mehrheitsbildung tödlich ist. Die Wissenschaftler hatten übrigens immer gesagt, dass die Datenlage unsicher sei, da man bei dieser neuen Erkrankung wenig Erfahrungswerte habe, dass die Lage dynamisch sei. Und: Dass man der Politik keine Entscheidungen vorschreiben könne und wolle. Trotzdem wurden sie dann Opfer eines zunehmenden „Virologen-Bashing“. Zunehmend fanden dann auch ethische Fragestellungen Raum in der öffentlichen Diskussion. Als Wolfgang Schäuble seine kritischen Fragen stellte, sich der Deutsche Ethikrat aber auch die Wirtschaft positionierten – erst da gewann die Diskussion die erforderliche gesellschaftliche Breite, die ich mir von Anfang an gewünscht hätte. Wie eng der Grad ist, musste man aber an der unsäglichen Verkürzung der Problematik durch das Zitat von Boris Palmer erleben.

Nochmal zu den Zahlen. Derzeit wird ja viel über die drastisch gestiegenen Infektionszahlen in Coesfeld geredet, die allerdings durch die zahlreichen Infizierten beim Unternehmen „Westfleisch“ nach Massentests in Sammelunterkünften leicht erklärbar sind. Dabei gerät Ihrer Meinung nach jedoch aus dem Blick, dass der Kreis Euskirchen den zweithöchsten Zuwachs an Neuinfektionen in ganz NRW, nämlich plus 19,2 pro 100.000 Einwohner verzeichnet. Wie beurteilen Sie diesbezüglich die Informationspolitik des Kreises?

Nun, der Kreis Euskirchen und der Landrat persönlich auf seinem Facebook-Account veröffentlichen Zahlen, die aber für sich genommen kaum etwas aussagen. Ich verweise da auf die Antwort weiter oben. Man müsste wissen, wieviel mehr Teste sind gemacht worden – wie es laut Presse offenbar im Marienhospital gemacht wurde. Aber keiner rückt bisher die Zahlen raus – weder die Klinikleitung, noch das Gesundheitsamt. Was soll das? Bei den Testungen im Krankenhaus Schleiden stand das ganzseitig in der Lokalzeitung. Wie viele im Brühler Marienhospital positiv sind, das wurde transportiert. Und im Kreis Euskirchen macht man daraus ein Staatsgeheimnis – das verunsichert die Menschen!

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Die Zahl der Neuinfektionen müsste also generell in Bezug zu der Anzahl der Testungen gesetzt werden, um aussagekräftige Daten liefern zu können?

Ja. Und man muss auch einen Unterschied sehen, ob so ein geschlossener Cluster wie diese Massenunterkünfte in der Fleischindustrie oder ein Asylbewerberwohnheim betroffen sind – oder aber ein offenerer Bereich wie eine Klinik. Im Asylbewerberheim ist übrigens das Personal die Personengruppe, die am schwierigsten zu „tracen“ ist. Um wieviel schwieriger wäre das z.B. bei einem Arzt oder einer Pflegekraft in einer Notaufnahme, die jeden Tag zu vielen Patienten engeren Kontakt haben?

In Österreich wird übrigens nach der nationalen Leitlinie regelmäßig in Heimen Personal „und“ Bewohner getestet – wöchentlich und anlasslos. „Das“ wäre eine Möglichkeit die älteren Menschen zu schützen. „Das“ wäre sinnvoller als über die Anmietung der Eifelhöhen-Klinik nachzudenken – wenn der Kreis gegebenenfalls auch die Kosten übernähme. Geld scheint ja da zu sein! Das Motto muss doch lauten: Bestmögliche Prävention statt Worst-Case-Szenarien!

Viele Menschen sind verunsichert und verängstigt, dazu kommen die finanziellen Folgen durch die Einschränkungen. Psychologen haben vor häuslicher Gewalt, Missbrauch, Depressionen und mehr gewarnt – wie sehen Sie die Folgen für die Volksgesundheit durch die Anti-Corona-Maßnahmen?

Das wird uns noch wirklich lange beschäftigen. Existenzen sind vernichtet, Altersversorgungen marginalisiert, weil der Verkauf eines insolventen Betriebes nun mal nichts einbringt. Die Einsamkeit der alten Menschen – nicht nur im Seniorenheim, sondern auch daheim – macht sie mürbe und depressiv. Kinderförderungen sind unterblieben und werden nicht mehr aufgeholt werden. Feminist/innen sehen voraus, dass auch die Fortschritte in der Gleichberechtigung der Geschlechter verloren gehen könnten. Die Liste ließe sich noch sehr lange fortschreiben. Und wie gesagt: Darüber werden noch viele promovieren, habilitieren – und schwadronieren.

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Sind die Zahlen positiv getesteter Personen gleichbedeutend mit Erkrankten?

Rhetorische Frage? Nein, natürlich ist das NICHT gleichbedeutend. Mit leichten Abweichungen in den verschiedenen Studien kann man sagen:

  • 25 Prozent der positiv Getesteten spüren rein gar nichts – sind also auch nicht krank (können aber munter Viren verteilen, auch an Risikogruppen).
  • Weitere 25 Prozent haben nur so leichte Symptome, dass man schon hartnäckig nachfragen muss: „Haben Sie nicht doch Husten? Nicht doch Schnupfen? Nicht doch Gliederschmerzen?“ Und dann geben die Menschen dann eines der Symptome an (monosymptomatisch). Oft kommen die Leute damit aber weiter zur Arbeit.
  • Und von den restlichen 50 Prozent, die etwas mehr spüren, muss auch nur ein kleiner Anteil stationär behandelt werden. Dies ist meist der Fall, wenn jemand zusätzlich Sauerstoff benötigt.

Anders gesagt: Mehr als 4 von 5 positiv Getesteten werden niemals auch nur in die Nähe einer Symptomatik kommen, die Krankenhausbedürftigkeit bedeutet. Und zusätzlich zu berücksichtigen: Die berühmte „Dunkelziffer“ sind ausnahmslos Leute, die nicht ins Krankenhaus kommen, in der Regel noch nicht einmal ambulante ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen! Nicht, dass ich missverstanden werde: Covid-19 ist eine absolut ernst zu nehmende Krankheit. Aber dem Corona-Virus kann man mit Disziplin, Vernunft, Abstand, Nieshygiene und Seife schon viel von seiner Gefährlichkeit für unsere Gesellschaft nehmen!

Herr Vermöhlen, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Eifeler Presse Agentur/epa

 

2 Gedanken zu „Corona-Krise: „Man fühlt sich als jemand, der kritisch nachfragt, oft recht einsam““

  1. Endlich mal jemand , der Ahnung hat und meine Meinung voll und ganz vertritt !!! Wenn ICH so etwas schreibe, werde ich von einigen Menschen total angefeindet. Das ist asozial. Sollen sie doch weiterhin isoliert und bevormundet bleiben . Mir egal ! Aber man sollte auch mal über andere Sichtweisen nachdenken und vor allem Etikette bewahren .

    1. Leider ist auch das eine Folge der Corona-Maßnahmen: Die Gesellschaft wird polarisiert. Dabei ist es auch wenig hilfreich, dass sich beachtete Institutionen wie das Robert-Koch-Institut (RKI) selbst innerhalb weniger Wochen widersprechen, wie unser Interviewgast Karl Vermöhlen anspricht. So hat das RKI am 28. Februar noch verlautbart, dass „Desinfektionsmittel und Schutzmasken gegen das neuartige Coronavirus im Alltag unnötig“ seien.

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