Die Schattenseite der Isolation: Depression, Vereinsamung und fortschreitende Demenz

Caritas öffnet teilweise die Tagespflege Dahlem – Nach Rücksprache mit Kreisgesundheitsamt ist der Betrieb in kleinen Gruppen wieder erlaubt

Der Caritasverband für die Region Eifel darf jetzt teilweise die Tagespflege in Dahlem wieder öffnen. Bild: Arndt Krömer
Der Caritasverband für die Region Eifel darf jetzt teilweise die Tagespflege in Dahlem wieder öffnen. Bild: Arndt Krömer

Dahlem – Am 19. März musste der Caritasverband für die Region Eifel die beiden im Südkreis befindlichen Tagespflegen Dahlem und Blankenheim aufgrund der Corona-Pandemie und eines entsprechenden Erlasses des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales schließen. Pflege- und Betreuungsbedürftige, Ehepartner und Familien standen von jetzt auf gleich vor einer enormen Herausforderung, vielfach gerieten sie auch in schwere Überlastungssituationen. „Gerade die dauerhafte häusliche Betreuung von Menschen mit fortgeschrittener Demenz kann ein Familiensystem schnell an ihre Grenzen bringen. Die Einrichtungsleitungen suchten daher nach Möglichkeiten, in diesen Notfallsituationen zu helfen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Caritas.

„Das Ministerium räumte allen Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen die Möglichkeit ein, den Betrieb in besonderen Notfällen, in denen die häusliche Versorgung bei Wegfall der teilstationären Pflege und Betreuung glaubhaft gefährdet ist, fortzuführen“, erklärt Ilse Jacoby, Pflegedienstleitung der Caritas Tagespflege St. Anna in Dahlem. „Nach mehreren Wochen der Schließung unserer Tagespflege hatte ich Kontakt zu einigen Gästen und Angehörigen und stellte fest, wie es um das Leben zuhause steht. Schnell merkte ich, dass bei manchen Familien echte Notsituationen eingetreten sind und dringend etwas geschehen muss!“ Die Caritas hielt daraufhin Rücksprache mit dem Kreisgesundheitsamt und durch eine entsprechende Genehmigung war es möglich, den notfallmäßigen Kleingruppenbetrieb der Einrichtung wieder aufzunehmen – natürlich unter Beachtung sämtlicher Hygieneauflagen in der Einrichtung sowie während der Fahrten mit dem Bring- und Abholdienst. Die Tagespflegeleitungen müssen dabei über jeden Einzelfall und stets unter gründlicher Abwägung der Gesamtumstände entscheiden.

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„Manche Gäste sind in ein gutes, stabiles familiäres Umfeld eingebettet, da funktioniert es in den eigenen vier Wänden auch gut“, führt Ilse Jacoby weiter aus. „Es gibt jedoch beispielsweise alte Ehepaare ohne Kinder in der Nähe, bei denen etwa der Ehemann im Rollstuhl sitzt und unter sehr starken körperlichen Einschränkungen leidet. Seine Ehefrau ist selbst hochbetagt und demzufolge völlig überfordert damit, ihn wochenlang rund um die Uhr zu versorgen.“ Hier seien die Entlastungszeiten, die die Tagespflege ihr ermögliche, von enormer Bedeutung. Gleiches treffe auf Angehörige zu, die Pflegebedürftige mit einem verdrehten Tag- und Nachtrhythmus oder fortgeschrittener Demenz betreuen müssten. Auch Alleinstehende neigten nach ihrer Beobachtung vermehrt zu Depressionen und starker Vereinsamung. Zudem sei klar festzustellen, dass die geistigen Fähigkeiten mancher demenzkranker Menschen wesentlich schneller nachließen, wenn sie die Tagespflege nicht mehr besuchen könnten. In Zeiten des Shut-downs fehlten eben die Gedächtnistrainings, Bewegungsübungen und die Biographiearbeit, die den Geist aktivierten, aber auch die intensive persönliche Ansprache und der Kontakt mit anderen Menschen. Wann die Tagespflegen ihren Betrieb für alle wieder aufnehmen können, ist noch unklar.

Wer Fragen zur Tagespflege hat, kann sich an Ilse Jacoby unter 02447 9139339 oder tagespflege.st.anna@caritas-eifel.de wenden. (epa)

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