NABU Kreis Euskirchen warnt davor, Klimaziele aus dem Auge zu verlieren

Nach dem Shutdown in der Corona-Krise dürfe es kein „weiter so“ oder gar Nachholbedarf auf Kosten der Umwelt geben

Der Lebensraum von Feldlerche, Kiebitz & Co fällt zunehmender Versiegelung und Verbauung der Landschaft zum Opfer. Foto: Günter Lessenich/NABU
Der Lebensraum von Feldlerche, Kiebitz & Co fällt zunehmender Versiegelung und Verbauung der Landschaft zum Opfer. Foto: Günter Lessenich/NABU

Kreis Euskirchen– Der NABU Euskirchen warnt davor, die Corona Pandemie gegen die Umweltkrise auszuspielen. Wichtige Klima- und Umweltschutzziele dürften nicht auf der Strecke bleiben, wenn die Wirtschaft nach Beendigung des Lockdowns wieder hochgefahren werde. Im Gegenteil, Umwelt und Naturschutzziele müssten genauso konsequent angegangen werden wie die aktuelle Pandemie, so Uwe Wedegärtner vom NABU Euskirchen: „Sonst stehen wir vor einem viel größeren Problem als dem, das wir gerade zu bewältigen versuchen.“

Damit sei nicht nur die Politik der Bundesregierung gemaint, sondern auch die Regionalpolitik. „Wenn weiterhin die Kommunen im Kreis Euskirchen, allen voran die Städte Euskirchen, Mechernich und Zülpich, versuchen, mit den Mitteln der 60er bis 90er Jahre auf Kosten des Naturschutzes mit ihren Nachbarn um die Ausweisung neuer Bau- und Industriegebiete zu konkurrieren und weiterhin nur das Minimum im Umweltschutz umzusetzen, und auch hier mit Taschenspielertricks um naturschutzfachliche Notwendigkeiten »herumzuplanen«, die Bevölkerung viel zu spät in Beteiligungsverfahren informieren, kann man nicht von einem verantwortungsbewussten Umgang mit den Ressourcen unserer Kinder und Enkel sprechen“, mahnt Uwe Wedegärtner.

Boden sei eben nicht einfach so vermehrbar. Die besten Bördeböden würden mit Industriegebieten und flächenintensiven Einfamilienhaus-Siedlungen für immer versiegelt, wie die Beispiele in Zülpich und Mechernich zeigten.

Wedegärtner: „Der Druck auf die Naturschutzgebiete und zur Umsetzung von Maßnahmen zum Naturschutz wird immer stärker. Und die nächsten Planungen liegen längst in der Schublade.” Diesen Eindruck gewinnen zumindest die Aktiven beim NABU, wenn sie auf die Pläne schauen, die der Bevölkerung präsentiert werden. Auch die Mitglieder des „Arbeitskreises Natürlich.Mechernich“ des NABU Kreis Euskirchen, gewinnen diesen Eindruck immer wieder bei der öffentlichen Auslage von Plänen. Es habe den Anschein, als wollten die Stadtväter schnell noch die Planungen, die für die nächsten zwanzig bis dreißig Jahre hätten reichen sollen, in den nächsten fünf bis zehn Jahren umsetzen. Denn es wandele sich nicht nur das Klima, sondern auch das Bewusstsein der Menschen, wenn die Auswirkungen der Klimaveränderungen immer sichtbarer werden.

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Peter Berthold, Sprecher des AK Natürlich.Mechernich: „Verantwortungsbewusster Umgang mit dem Grund und Boden, der Ressource unserer Zukunft, sieht anders aus. Eine nachhaltige Siedlungspolitik in Anbetracht der geplanten Flächenversiegelungen auch.“

Es gehe offensichtlich nicht darum, den Wohnraumbedarf zu decken, sondern mit den ausgewiesenen Flächen Kasse zu machen. Oder wie lließe sich sonst erklären, dass überwiegend Einfamilienhaussiedlungen in Zülpich und Mechernich geplant  werden, wenn so dringend bezahlbarer Wohnraum gebraucht wird? Nachhaltige Siedlungsentwicklung mit Naturflächen und Frischluftschneisen, sowie kühlender natürlicher Vegetation komme eine besondere Bedeutung zu, schon um den Freizeitdruck auf die Naturschutzgebiete der Umgebung nicht weiter zu steigern.

Uwe Wedegärtner: „Die Natur verhandelt nicht, sondern liefert uns das Ergebnis unseres Handelns. Das müssen wir noch begreifen. Die Verletzlichkeit unserer Existenz auf diesem Planeten zeigt uns gerade die Corona-Pandemie.“ Deshalb müsse der Freiraumschutz in einer Neuauflage des Landesentwicklungsplanes für Nordrhein-Westfalen und auch für den Kreis Euskirchen durch Wiederaufnahme des 5-Hektar-Ziels (für NRW) entsprechend rechtlich abgesichert werden. Langfristig müsse der Landschafts- und Flächenverbrauch auch in NRW auf „Netto-Null“ sinken.

Die Reduzierung des Flächenverbrauchs könne nur gelingen, wenn die Innenentwicklung der Städte absoluten Vorrang vor der Außenentwicklung hat, erklärte die NABU-Landesvorsitzende von NRW, Dr.Heide Naderer. Gleichzeitig seien bei der innerstädtischen Entwicklung entsprechende Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung zu berücksichtigen, sowie Anreize für innerstädtischen Freiraumschutz zu setzen. Hierzu gehörten unter anderem ein Flächenrecycling, also eine Nach- und Umnutzung von Flächen und Gebäuden durch Rückbau und Entsiegelung, flächensparende und bodenschonende Bauweisen, das Schaffen möglichst großer, zusammenhängender Grünzüge und lebensraumvernetzender Strukturen, aber auch der Erhalt von Straßenbäumen und eine Förderung der Fassadenbegrünung.

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Solche Strukturen seien aber nicht nur für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen von großer Bedeutung, sondern auch für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die die Stadt als Lebensraum entdeckt haben. Denn diese würden ebenso helfen, die Folgen des Klimawandels in den Städten zu mildern.

Weitere Informationen beim Naturschutzbund NABU Kreis Euskirchen: Uwe Wedegärtner, Mobil-Telefon 01 76/21 70 40 91, Email: u.wedegaertner@nabu-euskirchen.de

(epa)

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