Qualifizierung als Notfall-Pflegeergänzungskräfte: „Das ist etwas komplett Anderes“

Erfahrungen von hauswirtschaftlichen Arbeitskräften der Caritas Eifel in einem neuem Bereich

Dürfen Erfahrungen in der Pflege machen: Die Caritas-Mitarbeiterinnen Julia Sutormin (v.l.), Ricarda Schröder und Olga Altmann. Foto: Arndt Krömer
Dürfen Erfahrungen in der Pflege machen: Die Caritas-Mitarbeiterinnen Julia Sutormin (v.l.), Ricarda Schröder und Olga Altmann. Foto: Arndt Krömer

Schleiden – Ende März hatte der Caritasverband für die Region Eifel gemeinsam mit der Stiftung Evangelisches Altenheim Gemünd (EvA) eine freiwillige Schulungsaktion für die ambulante und stationäre Pflege ins Leben gerufen: Aufgrund der sich ausbreitenden Corona-Pandemie wurden Mitarbeitende aus dem hauswirtschaftlichen Bereich für den Fall, dass Pflegefachkräfte sich in größerem Ausmaß mit dem Covid-19-Virus infizieren und ausfallen, so qualifiziert, dass sie als „Notfall-Pflegeergänzungskräfte“ einspringen und die Pflegeteams unterstützen können. Kurzfristig geschaffene gesetzliche Rahmenbedingungen machten die Maßnahme seinerzeit, begrenzt für den Zeitraum der Corona-Krise, rechtlich möglich. Nach drei Monaten haben Ricarda Schröder, Julia Sutormin und Olga Altmann von der Caritaspflegestation Blankenheim ihre ersten Einsätze hinter sich.

„Zunächst erschien die Theorie am Anfang natürlich etwas trocken und man musste zuhause Manches nacharbeiten, um die vielen Infos zu behalten“, beschreibt Ricarda Schröder die Schulung, „aber es wurde von unserer Anleiterin sehr gut rübergebracht“. Birgit Weber, Pflegepädagogin des Evangelischen Altenheims Gemünd, hatte in vier Tagen jeweils fünf Stunden über rechtliche Grundlagen, Arbeitsorganisation, Kommunikation, Krankenbeobachtung, Vitalzeichen, Bewegung, Körperpflege, Prophylaxen, sowie Essen und Trinken referiert. Die praktischen Anteile wurden dabei an der Pflegepuppe eingeübt.

„Es ist etwas komplett Anderes als die Arbeit vorher“, betont Ricarda Schröder. Bis jetzt hatte sie ‚nur‘ einen Haushalt versorgt – plötzlich geht es um einen Menschen und seine Pflege. Essen anreichen, waschen, duschen etwa gehört zu diesen Aufgaben. Eben diese neuen Herausforderungen seien auch die Gründe gewesen, an der Maßnahme überhaupt teilzunehmen, ergänzt Olga Altmann: „Ich habe darin eine Chance gesehen, persönlich weiterzukommen, mich noch einmal weiter zu entwickeln. Ich bin froh, diese Möglichkeit angeboten bekommen zu haben.“ Julia Sutormin sagte, dass sie bei ihren ersten Einsätzen schon aufgeregt gewesen sei, „aber durch die Begleitung und mit mehr Übung fühlte ich mich dann immer sicherer.“ Begleitet wurden sie von Kollegin Verena Flock. Als ausgebildete Praxisanleiterin ist sie es gewohnt, mit Schülerinnen und Schülern zu den zu Pflegenden zu fahren und äüßerte sich mehr als zufrieden mit ihren drei Schützlingen: „Vor dem, was sie leisten und allem, was ich bislang von ihnen gesehen habe, da ziehe ich meinen Hut!“ Ob sie auch die drei-jährige Ausbildung zur Pflegefachfrau durchlaufen wollen, ließen Ricarda Schröder, Julia Sutormin und Olga Altmann noch offen. Zunächst einmal wollen sie weiter Erfahrung sammeln.

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Bislang ist die befürchtete Ansteckungswelle mit dem Corona-Virus in der Station glücklicherweise ausgeblieben. Dennoch ist Pflegedienstleitung Franziska Hilger heilfroh über die gesamte Maßnahme und die Möglichkeit, ihre drei Ergänzungskräfte bei Bedarf einsetzen zu können: „Die Themen Fachkräftemangel und demografischer Wandel sind durch die Pandemie vielleicht etwas aus dem Bewusstsein gewichen, stellen uns aber unverändert vor sehr große Herausforderungen. Ich bin daher froh, dass uns die drei Mitarbeiterinnen unterstützen können und würde mir wünschen, dass die Möglichkeit auch über die Ausnahmeregelung hinaus bestehen bleibt. Damit wäre allen in der Pflege Tätigen gedient.“

Bislang sieht es so aus, dass ihre Notfall-Pflegeergänzungskräfte ihre neu erworbenen Kenntnisse ab Oktober dieses Jahres nicht länger einbringen dürfen; lediglich das Duschen ist dann noch erlaubt. In den kommenden Tagen muss sich Franziska Hilger noch persönlich davon überzeugen, dass ihre drei Mitarbeitenden ihre Sache richtig machen. Dann dürfen sie ihre Touren auch alleine fahren. (epa)

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