Schwere Zeiten für Lebensretter

DLRG-Verbände suchen Ansätze, um Kindern das Schwimmen auch in Corona-Zeiten wieder lehren zu können – Am vergangenen Wochenende sind in Deutschland elf Personen ertrunken, acht davon waren Nichtschwimmer

Wer sicher mit dem nassen Element umgehen können will, braucht dafür eine geeignete Infrastruktur und eine möglichst gute Ausbildung. Symbolbild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Wer sicher mit dem nassen Element umgehen können will, braucht dafür eine geeignete Infrastruktur und eine möglichst gute Ausbildung. Symbolbild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kreis Euskirchen – Die DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) ist mit rund 1.600.000 Mitgliedern und Förderern die größte Wasserrettungsorganisation der Welt. Seit Gründung im Jahr 1913 retten die vielen ehrenamtlichen Rettungsschwimmer und -schwimmerinnen Menschen vor dem Ertrinken – durch Gewässeraufsichten, aber auch durch Ausbildung in Schwimmfähigkeit. Denn die DLRG ist auch die Nummer Eins in der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung in Deutschland. Durch die Corona-Schutzmaßnahmen ist diese wichtige Aufgabe aber unterbrochen worden. Stefan Rau, Vorsitzender DLRG Mechernich: „Es droht ein gesamter Jahrgang von Nichtschwimmern, wenn wir die Ausbildung nicht bald wieder aufnehmen können.“

Wie wichtig fundierte Schwimmfähigkeiten sind, habe erst das vergangene Wochenende auf schockierende Weise gezeigt, so Rau: Elf Menschen sind ertrunken, acht von ihnen waren Nichtschwimmer. Auch Till Siebel von der DLRG Bad Münstereifel betont die Wichtigkeit der Ausbildung, unter anderem wegen Wissen rund um Badespaß: „So kommt es immer wieder vor, dass sich durch hochsommerliche Temperaturen und Sport erhitze Menschen einfach in einen kalten Badesee stürzen.“ Wer sich nicht vorher angemessen abkühlt, kann dabei schwere und im Extremfall sogar tödliche Kreislaufschwierigkeiten bekommen.

Durch die Maßnahmen zur Eindämmung zur Corona-Pandemie stehen die Wasserretter vor einem Dilemma: Auf der einen Seite gelte es, die Pandemie einzudämmen, auf der anderen, Leben durch Schwimmfähigkeiten zu schützen. Dazu kommen noch die wirtschaftlichen Notwendigkeiten der Bäder. Siebel: „Um die Hygienevorschriften einhalten zu können, müssten die Bäder zeitweise für den allgemeinen Publikumsverkehr beschränkt werden.“ Das klingt sicher auf den ersten Blick weder für Betreiber noch für Besucher sehr erfreulich, doch da es konkret um den Schutz von Leben gilt, habe Siebel von vielen Gefragten bis auf wenige Ausnahmen Verständnis für eine solche Maßnahme bekommen.

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Der zusätzliche Aufwand, den die Ehrenamtler von der DLRG wegen der Schutzmaßnahmen auf sich nehmen müssen, ist enorm. Vom Umgang mit Schwimmhilfen, die man nicht so einfach desinfizieren kann, über angepasste Lehrmethoden, abgestimmte Hygienekonzepte und Abstimmung über zugelassene Desinfektionsmittel, die sich mit den eingesetzten Chemikalien in Schwimmbädern vertragen, bis zu internen Schulungen der Rettungsschwimmer müssen lange Listen abgearbeitet werden. Stefan Rau: „Und die Eltern drängen, wir haben sehr viele Anmeldungen, gerade weil es ja auch keinen Schul-Schwimmunterricht mehr gibt.“

Erschwerend kommt hinzu, dass wegen der Arbeitszeiten von Eltern und DLRGlern sinnvolle Zeiten für den Schwimmunterricht auf den Samstagmorgen konzentriert sind – und diese Zeit auch bei regulären Badegästen beliebt ist. Dass die Betreiber da ein wenig mit den Zähnen knirschen, wenn Schwimmbäder dann exklusiv für Schwimmausbildung bereit gestellt werden, kann Siebel nachvollziehen: „Aber wenn man nüchtern abwägt, was wichtiger ist – das Leben eines Kindes oder den eigenen Badespaß um zwei Stunden zu verschieben – sollte die Entscheidung leicht fallen.“ Auch die DLRG-Verbände müssten sich eigentlich Gedanken machen, ob Schwimmausbildung in Corona-Zeiten durch zusätzliche Kosten wirtschaftlich Sinn mache, so Stefan Rau: „Aber wenn wir nur einen einzigen Menschen vor dem Ertrinken retten können, ist das jeden Aufwand wert.“

Deutschland droht ein Land der Nichtschwimmer zu werden, befürchtet der Bundesverband der DLRG (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft). Der Anteil der Nichtschwimmer und schlechten Schwimmer in der Bevölkerung belief sich Anfang der 1990er Jahre auf unter zehn Prozent, so die DLRG. Laut forsa-Studie von 2017 sind mittlerweile 59 Prozent der Grundschüler und jeder zweite Erwachsene nach eigenen Angaben Nichtschwimmer und schlechte Schwimmer. Der Trend gehe deutlich weiter nach unten – und die Corona-Pandemie trägt dazu bei.

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Eifeler Presse Agentur/epa

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