„F&S“ unterstützt Kulturhaus „theater 1“ in Bad Münstereifel

Zunächst bis März 2021 übernimmt der Projektentwickler aus Euskirchen den größten Teil der Betriebskosten – Georg Schmiedel: „Wir müssen als Gesellschaft zusammenhalten“

Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian (v.l.) hat für das Kulturhaus „theater 1“ einen Sponsor gefunden. Julia Hüllbrock, Landschaftsarchitektin und Projektleiterin bei „F&S“ sicherte in Namen der „F&S“-Geschäftsführung den Theaterbetreibern Christiane Remmert und Jojo Ludwig finanzielle Unterstützung während der Pandemiezeit zu. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian (v.l.) hat für das Kulturhaus „theater 1“ einen Sponsor gefunden. Julia Hüllbrock, Landschaftsarchitektin und Projektleiterin bei „F&S“ sicherte in Namen der „F&S“-Geschäftsführung den Theaterbetreibern Christiane Remmert und Jojo Ludwig finanzielle Unterstützung während der Pandemiezeit zu. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Bad Münstereifel – Unter der Corona-Pandemie haben derzeit vor allem die Kunstschaffenden zu leiden. Beispielhaft für den Kreis Euskirchen kann man dabei einen Blick auf das Kulturhaus „theater 1“ in Bad Münstereifel werfen. In der 1890 erbauten Knabenschule mitten im Herzen der Stadt, direkt neben der alten Stiftskirche, haben die beiden Schauspieler, Christiane Remmert und Jojo Ludwig, vor 13 Jahren ein Zentrum für Kultur geschaffen. Mit ihrem privaten Geld und ohne Subventionen, so betonen die beiden Betreiber, wurde hier ein Ort etabliert, von dem selbst Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian sagt, es handele sich eigentlich um das „Theater der Stadt“, auch wenn es privat geführt werde. Im „theater 1“ zeigen Remmert und Ludwig nicht nur eigene Inszenierungen, sondern laden auch internationale Künstler aus den Bereichen Konzert, Lesung, Figurentheater, Tanz, Schauspiel und Kabarett für Veranstaltungen ein. Darüber hinaus werden wechselnde Kunstausstellungen gezeigt.

Das Kulturhaus ist längst etabliert, hat einen eigenen Förderverein und kommt alles in allem gut über die Runden, wenn da nicht ein kleines Virus wäre, das in diesem Jahr alles auf den Kopf gestellt hätte. „Wir mussten Mitte März das Kulturhaus schließen, alle Veranstaltungen absagen und konnten seither keinerlei Einnahmen mehr erzielen“, berichtete Christiane Remmert jetzt bei einem Pressetermin im Kulturhaus.

Auch das Tourneetheater, mit dem die beiden Künstler außerhalb Münstereifels unterwegs sind, durfte nicht mehr stattfinden. Im Kulturhaus gibt es zwar noch Räumlichkeiten, die man für private oder geschäftliche Anlässe mieten kann, doch auch dort gebe es aufgrund komplexer Hygienevorordnungen seit März kaum noch Nachfragen.

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„Kurz und gut, wir standen vor dem Aus, wenn wir keine rettenden Engel gefunden hätten“, so Remmert weiter. Bei den „Engeln“, bei denen sich Remmert und Ludwig jetzt öffentlich bedankten, handelt es sich um Georg Schmiedel und Jörg Frühauf, den Geschäftsführern der Projektentwicklungsgesellschaft „F&S“, die auch im Münstereifeler Stadtgebiet mehrere Baugebiete geplant und umgesetzt hat.

„Die Firma »F&S« unterstützt bereits zahlreiche gemeinnützige Organisationen im Kreis Euskirchen, und ich freue mich, dass ich Georg Schmiedel und Jörg Frühauf jetzt auch davon überzeugen konnte, unser Kulturhaus vor dem finanziellen Ruin zu bewahren“, berichtete Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian, die den Kontakt zwischen „theater 1“ und „F&S“ hergestellt hatte.

„Ich empfinde es als selbstverständlich, dass man in einer Krisenzeit zusammenhalten muss“, betonte Georg Schmiedel. Was der Staat auf großer Bühne leiste, müsse auch im Kleinen funktionierten. „Die Krise darf niemandem das Genick brechen. Wir müssen als Gesellschaft zusammenhalten“, so der Geschäftsführer. Finanzielle Hilfe sei dabei nur eine Möglichkeit, Schwächeren unter die Arme zu greifen. Man könne sich auch auf vielfache andere Art und Weise sozial engagieren.

Kunst und Kultur bezeichnete Schmiedel für das gesellschaftliche Leben als unverzichtbar: „Hier können wir nicht nur für ein paar Stunden dem Alltag entfliehen, sondern auch unseren Horizont erweitern.“ Mit der enormen Arbeit, die Künstler oft aufwendeten, sei aber meist nur wenig Geld zu verdienen, so dass für den Ernstfall, wie jetzt während der Pandemie, kaum Rücklagen vorhanden seien.

Bürgermeisterin Preiser-Marian betonte zwar, dass derzeit pro Veranstaltung wieder 100 Personen ohne Maske im Theater zugelassen seien, die Betreiber aber dennoch entschieden hätten, die Spielzeit von September bis November zunächst noch ausfallen zu lassen.

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„In unserem kleinen Theater haben insgesamt nur 99 Menschen Platz. Wir wissen nicht, ob wir so viel Nähe derzeit bereits wieder moralisch vertreten können“, erklärte Christiane Remmert. Das Problem: Wenn man deutlich weniger Leute in eine Vorstellung lässt, dann lohnt es sich für den Betreiber nicht. 50 Leute wären das Minimum.

Derzeit scheint die Lage daher vertrackt: Öffnet man das Theater für 100 Personen, so bleiben die meisten Zuschauer aus Angst vor Infektionen zu Hause. Sorgt man für großzügige Abstände und ausreichende Belüftung, so ist die Zuschauerzahl zu gering, um noch wirtschaftlich arbeiten zu können.

„Es ist an der Zeit, dass Menschen wieder selbst entscheiden, welches Risiko sie in Kauf nehmen wollen“, sagte Georg Schmiedel. Und Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian pflichtete bei: „Wir müssen auf die Theaterwütigen setzen.“

Jojo Ludwig und Christiane Remmert nutzen derweil die vorführungsfreie Zeit, um an einem neuen Theaterstück zu arbeiten, das im nächsten Jahr aus Anlass des 200. Geburtstags von Sebastian Kneipp Premiere feiern soll. „Die Idee dazu hatte unsere Bürgermeisterin“, berichtete Jojo Ludwig. Überhaupt sei sie ein „kultureller Glücksgriff für die Stadt“, gehöre mit zu den Stammgästen des Theaters und sei in Sachen Unterstützung geradezu die „erfinderische Nummer eins“.

Wer Interesse hat, mit einer größeren Gruppe eine Veranstaltung im „theater 1“ zu besuchen, der kann sich direkt an die beiden Betreiber unter kulturhaus@theater-1.de wenden.

Eifeler Presse Agentur/epa

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