Augen auf beim Kauf im Internet

Verbraucherzentrale und Kreissparkasse Euskirchen sowie Schuldnerberatung der Caritas geben Tipps, damit der Mausklick nicht zur Falle wird

Aus ihrer täglichen Praxis kennt Monika Schiffer, Leiterin der Verbraucherzentrale Euskirchen, die „Risiken und Nebenwirkungen“ mancher Online-Aktivitäten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Aus ihrer täglichen Praxis kennt Monika Schiffer, Leiterin der Verbraucherzentrale Euskirchen, die „Risiken und Nebenwirkungen“ mancher Online-Aktivitäten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kreis Euskirchen – Gerade im ländlichen Raum kann der Kauf im Internet verlockend sein. Doch wie sicher ist es, online einzukaufen, was sind eigentlich „Phishing Mails“, wie findet man heraus, welcher Händler seriös ist und wie schauen die Absicherung und der Datenschutz von Bezahldienstleistern im Internet wirklich aus?

„Viele Verbraucher wissen gar nicht, dass etwa der «Käuferschutz« eines bekannten Online-Zahldienstleister nicht gilt, wenn die bestellte Ware nicht ankommt, der Händler aber den Versand nachweist“, berichtet Monika Schiffer, Leiterin der Verbraucherzentrale Euskirchen. Dies sei eben anders als etwa im Bürgerlichen Gesetzbuch, dass den sogenannten „Gefahrenübergang“ erst dann sieht, wenn die tatsächliche Übergabe an den Käufer erfolgt ist. „Wenn sich der Verbraucher dann aber auf den Käuferschutz verlässt und nicht fristgerecht Widerspruch einlegt, kann das schnell zu schwierigen und langwierigen Auseinandersetzungen führen“, so Schiffer. Regelmäßig wendeten sich Kunden und Kundinnen deshalb an die Euskirchener Beratungsstelle.

Ein weiteres Problem sei, dass eine deutschsprachige Internetseite eines Händlers noch lange nicht bedeute, dass sich auch der Firmensitz in Deutschland befände. Erst kürzlich habe sie eine Kundin vertreten, die eine Matratze bestellt, bezahlt und dann storniert hatte. Fast ein Jahr habe die gesamte Abwicklung gedauert, denn die Firma hatte den Sitz in Schweden, es gab eine Datensatzvermischung. Jede Menge Schriftverkehr und zahlreiche Telefongespräche mit einer schwedischen Bank seien notwendig gewesen, um der Kundin endlich wieder zu ihrem Recht und Geld zu verhelfen.

Monika Schiffer rät, vor einem Kauf ein Blick in das Impressum des Händlers zu werfen – ist der Firmensitz in Deutschland? Entspricht das Impressum den gesetzlichen Bestimmungen und Gepflogenheiten, sind mindestens E-Mailadresse, besser auch Telefonnummer angegeben? Welche Bezahlmöglichkeiten gibt es? „Der Bankeinzug etwa bietet viele Vorteile, denn man hat bei einer unrechtmäßigen Abbuchung oder Nicht-Erfüllung des Vertrages eine Frist von acht Wochen, in denen fehlerhafte Lastschriften zurückgebucht werden können“, erklärt die Fachfrau für Verbraucherrecht. Zudem habe der Verzicht auf Bezahldienstleister außerhalb der Hausbank – denn das dortige Konto benötige man ja sowieso – einen weiteren Vorteil: „Es werden keine Daten an einen Dritten weitergegeben.“

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Denn Drittdienstleister, die im Register nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz bei der BaFin (Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht) registriert sind, haben das Recht, bei Zahlungen auf Kontodaten und Kontostand des Kunden zuzugreifen – sogar für eine gewisse Zeit rückwirkend, wie Marius Linden, Pressesprecher der Kreissparkasse Euskirchen (KSK), erläutert. „Das möchten viele Kunden verständlicherweise nicht. Deshalb setzt die Kreissparkasse auch auf das elektronische Zahlsystem »paydirekt«, das unter höchsten Sicherheitsauflagen entwickelt wurde.“ Das Besondere dabei: Die Kontodaten werden eben nicht an Dritte weitergegeben, teilnehmende Online-Händler sehen also nichts von den Kundenbankdaten, die Zahlungen werden direkt mit der Sparkasse abgewickelt. Linden: „Und das Ganze ist nicht nur »Made in Germany«, die Daten bleiben auch in Deutschland mit den hier geltenden, strengen Regeln – die gleichen wie für Online-Banking hierzulande.“ Vertrauen würden die Sparkassen aber auch auf »Apple Pay« – denn diese Transaktionen böten nicht nur eine sehr hohe Sicherheit, sondern stellen durch eine Anonymisierung ebenfalls sicher, dass der Händler keine Bankdaten des Kunden zu sehen bekommt. Dies sei bei anderen Dienstleistern aber eben nicht immer so.

Auch müsse man sich bewusst sein, so Monika Schiffer, dass man es im Streitfalle beim Kauf im Internet mittels Drittdienstleister schnell mit einer größeren Anzahl von Forderungsstellen zu tun haben könne – mit dem Händler, dem Anbieter für das Bezahlsystem und einem Inkassounternehmen, dass diese oft einschalteten. Dementsprechend kompliziert, langwierig und schwierig könne sich dann das Verfahren hinziehen.

Die direkte Verbindung mit der Hausbank habe auch andere Vorteile. Udo Becker, Vorstandsvorsitzender der KSK Euskirchen: „Wir haben automatisierte Warnmeldungen bei ungewöhnlichen Vorgängen. Geht dann sozusagen »die rote Lampe an«, schaut bei uns ein erfahrener Experte nach dem Rechten. So haben wir schon mehrfach Kunden und Kundinnen vor Betrug bewahren können.“

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So sei dem Warnsystem etwa aufgefallen, dass es bei einem Kundenkonto auffällige 50-Euro-Abbuchungen im Minutentakt gab. Sofort versuchte eine Mitarbeiterin, den betreffenden Kunden telefonisch zu erreichen – aber die Leitung dort war dauernd besetzt. Denn der Kunde telefonierte mit einen angeblichen Ferndienstleister für eine Computerwartung, der aber in Wirklichkeit über den erschlichenen Fernzugang zum Rechner fleißig das Konto leerzuräumen versuchte. Die Mitarbeiterin wollte schon ins Auto steigen und dann vor Ort sturmklingeln, als KSK-Sicherheitsexperte Karl Nolden den Kunden über sein Mobiltelefon erreichte und riet, sofort die Netzwerkverbindung zu unterbrechen und Zugangsdaten sperrte. Ein anders Mal drohte ein Kunde auf einen bei der KSK mittlerweile bekannten „Fake Shop“ hereinzufallen, hatte eine Überweisung im höheren dreistelligen Bereich angewiesen und wurde durch schnelle Kontaktaufnahme vor dem Betrug bewahrt.

KSK-Mitarbeiterin Stefanie Weiler aus dem S-DialogCenter: „Im Rahmen meiner Tätigkeit als Sachbearbeiterin in der Phishing-Prävention habe ich viele positive Rückmeldungen von unseren Kunden erhalten, teilweise sehr emotionale, denn es handelt sich schnell mal um vierstellige Summen.“ So bekam sie als Dank von Kunden etwa „Ich nehme Sie mit in mein Abendgebet auf, Frau Weiler“ oder „Ich könnte Sie knutschen trotz Corona“ zu hören. Bei einer ungewöhnlich hohen Überweisung von fast 30.000 Euro fragte die Kreissparkassen-Mitarbeiterin nach, ob das richtig sei – das war es zwar, aber der Kunde bedankte sich dennoch mit den Worten: „Danke für die Nachfrage und Ihre Mühe, das finde ich gut.“

Oft sitze das Sicherheitsproblem tatsächlich vor dem Bildschirm, denn immer noch seien viele Nutzer nachlässig durch allzu leichte Passwörter oder fallen auf „Phishing Mails“ herein. Marius Linden erklärt: „Bei »Phishing Mails« versucht jemand, etwa Konto- oder Kreditkartendaten sowie Passwörter »abzufischen«. Oft sieht das so aus, dass man eine E-Mail bekommt mit der Aufforderung zur Aktualisierung der Kundendaten, aus »Sicherheitsgründen« oder weil sonst das Kundenkonto gelöscht würde.“

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Dabei seien manche E-Mails täuschend echt gestaltet, ebenso wie die darauf verlinkten Internetseiten, auf denen man seine Daten dann eingeben soll. Linden rät, bei fragwürdigen E-Mails direkt und nicht durch die Links in der E-Mail die entsprechende Firma zu kontaktieren oder in den oft im echten Kundenkonto nachzuvollziehenden Benachrichtigungen nachzusehen. Eine andere Methode der Betrüger seien „Schock-E-Mails“, wo man auf eine horrende Rechnung hingewiesen wird, die man durch Eingabe der Daten angeblich überprüfen oder stornieren könne.

Dorothea Gehlen, Schuldnerberaterin bei der Caritas Eifel, kennt auch noch andere Probleme: „Manche Bezahldienstleister werben damit, dass der Kauf sofort vollzogen werden kann, die Bezahlung oder Ratenzahlung aber erst nach Wochen oder Monaten erfolgen könne.“ Manch einer käme da schnell in Versuchung, wenn etwa die Waschmaschine kaputt ist, aber keine Rücklagen vorhanden sind. Verliert man dann den Überblick und es häufen sich plötzlich die Rechnungen, oder es kommt dann, wenn die Ratenzahlung einsetzen, noch eine weitere notwendige Reparatur dazu, könne es schnell zu einer finanziellen Schieflage kommen.

Monika Schiffer: „Ebenso locken manche Dienstleister sogar mit zinslosen Darlehen – doch übersehen viele, dass diese Konditionen oft nur für eine begrenzte Zeit gelten.“ Das kennt auch Dorothea Gehlen aus der Praxis: „Die Konditionen stehen im oft seitenlangen Kleingedruckten, was viele gar nicht erst oder zumindest nicht sorgfältig genug lesen.“ Aber die nach Ablauf der zinslosen Zeit fällig werdenden Zinsen sollte man sehr sorgfältig überprüfen, denn diese können schnell weit höher als die üblichen Konditionen bei Hausbanken sein. Zudem würden manche Firmen zurzeit auch mit besonderen „Corona-Konditionen“ werben, die man ebenfalls genau prüfen sollte. Tatsächlich werden Beratungsleistungen in der Schuldnerberatung gerade sehr stark nachgefragt, Gehlen befürchtet aber, dass es erst in einigen Monaten zu einem wirklich starken Anstieg nach Beratungen wegen finanzieller Engpässe kommen wird.

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Dass hieße aber nicht, dass man der Online-Welt insgesamt misstrauen müsse, so Linden. Im Gegenteil: Ein großer Vorteil von Online-Banking sei auch, dass man schnell und einfach seine Kontobewegungen im Blick haben könne, sogar mobil mit der mehrfach gerade für die Sicherheit ausgezeichneten Sparkassen-App. Linden: „Dort kann man auch etwa »Alarme« einstellen, sowohl für Unterschreiten eines selbst festgelegten Kontostandes wie auch etwa, wenn das Gehalt eingeht und das Konto somit wieder für eine eventuelle, dringende Investition gefüllt ist – natürlich komplett unter Wahrung des Datenschutzes.“

Privatverbraucher können sich bei Problemen an die Verbraucherzentrale wenden. Wegen der Corona-Pandemie ist momentan eine vorherige telefonische Terminvereinbarung notwendig. In der Euskirchener Bratungsstelle in der Wilhelmstraße 37 bekommt man durch staatliche Förderung für einen einstelligen Eurobetrag eine Beratung, für unter 30 Euro übernimmt die Verbraucherzentrale sogar den Schriftverkehr – und wie Monika Schiffer weiß, wirkt ein offizielles Schreiben der Verbraucherzentrale oft sehr deutlich auf einen Händler.

Weitere Tipps zu Sicherheit und Online-Bezahlsystemen im Internet: https://www.kreissparkasse-euskirchen.de/sicherheit

Eifeler Presse Agentur/epa

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