Kollektiv Wolkenborn setzt auf Solidarische Landwirtschaft

Mehrere private Haushalte sollen sich als Erntegemeinschaft zusammenschließen, um gemeinsam alle Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebes zu decken

Das Kollektiv Wolkenborn hat für den Aufbau der Solawi die Rechtsform der Genossenschaft gewählt, um für größtmögliche Transparenz für alle Beteiligten zu sorgen.. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Das Kollektiv Wolkenborn hat für den Aufbau seiner Solidarischen Landwirtschaft die Rechtsform der Genossenschaft gewählt, um für größtmögliche Transparenz für alle Beteiligten zu sorgen.. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Hellenthal – „Was mit der Idee, einem Zeitungsartikel und der ersten Infoveranstaltung mit 100 Interessenten im Oktober 2020 begonnen hat, ist in den letzten Monaten zu einer konkreten Umsetzung gereift. Ein Kernteam von rund 25 Personen um die drei Initiatorinnen Romy und Katharina Linden sowie Romana Wolf trifft sich zwischen ein und drei Mal pro Woche online per Video-Konferenz, um in verschiedenen Arbeitsgruppen die Gründung einer Solidarischen Landwirtschaft als Genossenschaft auf den Weg zu bringen“, teilt das Kollektiv Wolkenborn mit.

Neben der Arbeitsgruppe Verwaltung, die sich um alle administrativen Dinge wie die Erstellung einer Genossenschaftssatzung, Termine mit Banken und Steuerberater sowie Internet- und Social-Media-Auftritte kümmere, gebe es die Arbeitsgruppe Acker. Hier würden beispielsweise Anbaupläne für das Gemüse, die Pflanzung der Streuobstwiese sowie die Anlage von Flächen für Blühstreifen und Schutzhecken erarbeitet. Außerdem würden die Rahmenbedingungen für die Haltung von Hühnern, Schafen und Bienen diskutiert, geschaffen und die gesamte Infrastruktur von der Aussaat, über die Anzucht bis hin zur Ernte und die Verteil- und Lagerlogistik organisiert.

„Ab 2022 möchten das Kollektiv Wolkenborn und ihre Kooperationspartner ca. 60 Ernteteiler mit regionalen, biologischen sowie fair und nachhaltig produzierten Lebensmitteln über verschiedenen Depots in der Region beliefern. Langfristig gesehen wollen sie 250 Haushalte mit den Produkten aus ihrer Solidarische Landwirtschaft lokal versorgen“, heißt es weiter.

Das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft, kurz Solawi, oder CSA (Community Supported Agricultre) existiert bereits weltweit seit den 1980er Jahren und gewinnt insbesondere in jüngster Zeit und in Hinblick auf Umweltschutz und Klimawandel an Popularität und Interesse. Denn die Grundsätze der Solidarischen Landwirtschaft wollen Antworten auf die Herausforderungen und Problematiken der heutigen industriellen Agrarwirtschaft und für eine Konsumwende geben.

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In einer Solawi schließen sich mehrere private Haushalte als Erntegemeinschaft zusammen, um gemeinsam alle Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebes zu decken. Als Gegenzug für ihren monatlichen Beitrag erhalten alle Ernteteiler eine wöchentliche Erntekiste, die je nach Bedarf und Saison mit Gemüse, Obst, Saft, Eiern, Molkereiprodukten, Hühner-, Rind-, Schweinefleisch und Honig bestückt ist.

„Das einzelne Produkt verliert somit seinen vom Weltmarkt vorgegebenen Preis und erhält – wie auch die dahinter stehenden Menschen und Tiere – seinen Wert und die nötige Wertschätzung zurück. Regionale Strukturen und kleinbäuerliche Betriebe werden unterstützt und ein regionaler Wertschöpfungsraum geschaffen“, teilt das Kollektiv weiter mit.

Die individuellen Beiträge der Ernteteiler würden vor dem neuen Erntejahr in der sogenannten Biete-Runde ermittelt. Der Begriff sei leicht missverständlich. Hier gehe es nicht darum, dass die Ernte versteigert werde. In der Biete-Runde werde nach der Betriebskostenaufstellung ein Richtwert für einen Ernteanteil errechnet. Die Ernteteiler gäben daraufhin anonym ihr Gebot ab, wie viel sie für einen Ernteanteil zahlen könnten oder möchten. Haushalte mit wenig Einkommen könnten von diesem Basis-Betrag nach unten, Haushalte mit höherem Einkommen nach oben abweichen. „Am Ende muss der Gesamtbetrag erreicht werden, der die Kosten der Produktion deckt. Alle Gebote werden addiert. Wird der benötigte Betrag erzielt, ist die Runde erfolgreich beendet und die Kosten für das Betriebsjahr gedeckt. Falls der benötigte Betrag nicht erreicht wird, müssen neue, höhere Gebote abgegeben werden. Die Erfahrung zeigt, dass der Betrag meist in der ersten Runde erreicht wird, spätestens aber die dritte Runde das Ziel markiert. Jeder zahlt am Ende so viel, wie er kann und es für sich gerechtfertigt anfühlt. Niemand soll aufgrund fehlender finanzieller Mittel ausgeschlossen werden“, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

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Ökologische und nachhaltige Landwirtschaft bedeute für das Kollektiv Wolkenborn bodenschonend vorzugehen und den natürlichen Kreislauf der Natur zu respektieren und zu fördern: weg von Monokulturen und hin zu Permakultur und Fruchtfolgen. Mit der Anbaumethode des Market Gardening werde Humus aufgebaut und Nährstoffe dem Boden zurückgeführt. Zudem möchte das Kollektiv Wolkenborn einen Ort der Begegnung und des Austausches schaffen, an dem generationsübergreifend erfahren wird, was es heißt, im Einklang mit der Natur zu leben, und dabei voneinander und miteinander lernen.

„Das Kollektiv Wolkenborn hat für den Aufbau der Solawi die Rechtsform der Genossenschaft gewählt, um für größtmögliche Transparenz für alle Beteiligten zu sorgen. Durch die genossenschaftliche Struktur und die Mitgliedschaft wird gegenseitige Verantwortung aufgebaut und die Genossinnen und Genossen tragen gemeinsam wirtschaftliche Risiken und Erfolge“, heißt es abschließend.

Derzeit sucht das Kollektiv Wolkenborn einen Gärtner in Vollzeit und ein geeignetes Flurstück im Altkreis Schleiden ab 1,5 Hektar Fläche aufwärts zur langfristigen, ökologischen Bewirtschaftung (größtenteils Gemüseanbau) und mit der nötigen Infrastruktur (Wasser, Strom, Zufahrt mit Pkw). Gerne werde auch ein alter Bauernhof mit Land und Stallungen übernommen oder reaktiviert. (epa)

Weitere Infos unter: www.kollektiv-wolkenborn.de

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