Aus gemeinsamem Schlammschippen wurde „Metternich Hilft“ geboren

Der direkt nach der Flutkatastrophe gegründete Verein hat bereits beträchtliche Summen an Spendengeldern sammeln können – Unterstützung langfristig, gezielt und rein ehrenamtlich

Warum „Metternich Hilft“ so gezielt Hilfe vor Ort bieten kann, erklären Alexander Zeeh (v.l.) und Udo Becker, Vorstandsmitglieder des Vereins, mit einer guten Vernetzung und damit, dass alle Protagonisten in dem Weilerswister Dorf ansässig sind. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Warum „Metternich Hilft“ so gezielt Hilfe vor Ort bieten kann, erklären Alexander Zeeh (v.l.) und Udo Becker, Vorstandsmitglieder des Vereins, mit einer guten Vernetzung und damit, dass alle Protagonisten in dem Weilerswister Dorf ansässig sind. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Weilerswist-Metternich – Gute Ideen werden ja oft in Zusammenhang mit etwas plötzlich und völlig Unerwartetem geboren. Das trifft auch auf eine Idee in Metternich zu, die aufgrund der Hochwasserkatastrophe vom 14. und 15. Juli das Licht der Welt erblickte und nun dazu führen soll, dass besonders hart Betroffene durch schnelle, und vielleicht auch unerwartete, Hilfe das wieder zu bekommen, was sie verloren haben: Ein intaktes Zuhause. Die Rede ist von „Metternich Hilft“ – Hilft bewusst mit einem großen „H“, denn die Hilfe soll groß sein, wie Alexander Zeeh und Udo Becker vom Vorstand des frisch gegründeten Vereins jetzt berichten.

Zeeh und Becker, befreundet und beide als Metternicher Bürger vom Hochwasser betroffen, schippten tatsächlich gerade gemeinsam Schlamm, als sie langsam das Ausmaß der Katastrophe ermessen konnten. Udo Becker: „Zuerst hat man den Blick auf sein begrenztes Umfeld gerichtet und Freunden und Familie geholfen. Aber als man dann den Blick in die Weite richtete, wurde schnell klar, was andere verloren hatten.“ Die kleine Swist, die sich im Sommer normalerweise bemühen muss, eine Wasserhöhe von 30 Zentimetern zu halten, war in der verheerenden Nacht auf über vier Meter Höhe angewachsen und in ihrer größten Ausdehnung weit über 200 Meter breit. Alexander Zeeh: „Mehrere Häuser müssen nun abgerissen werden.“

Allein in Metternich waren durch die Flutkatastrophe etwa 250 Haushalte betroffen, viele davon nicht oder nur unzureichend versichert. Bild: Privat
Allein in Metternich waren durch die Flutkatastrophe etwa 250 Haushalte betroffen, viele davon nicht oder nur unzureichend versichert. Bild: Privat

Udo Becker, im Berufsleben Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Euskirchen, und Alexander Zeeh, Geschäftsführer des Armaturen-Herstellers Grohe, sahen, dass grundlegende Hilfen wie etwa Trinkwasser, Decken, Nahrung und Ähnliches schnell und effektiv von der Freiwilligen Feuerwehr erbracht wurden. Nach der Flut kam aber die Evakuierung, da die Steinbachtalsperre als unsicher galt. Als die Menschen wieder nach Metternich zurück durften, die ersten Telefone wieder gingen und die Bestandsaufnahmen liefen, wurde schnell klar, wie viele Menschen nicht oder nur unzureichend versichert waren. Und selbst vor denen, die ganz oder teilweise abgesichert waren, türmten sich Schwierigkeiten auf: Wo bekommt man in der Situation Handwerker her, wo einen Mietwagen, wo kann ich Hilfen und Fördergelder bekommen? Alexander Zeeh: „Manche waren einfach hoffnungslos und brauchten dringend Unterstützung.“ Das konnte finanzielle Hilfe sein, aber auch eine Fahrt zur Apotheke, eine Einladung zu einem warmen Essen, der Kontakt zu einer Handwerksfirma oder einfach nur tröstende Worte. Udo Becker: „Manche Menschen sind immer noch wie paralysiert und brauchen einen Anstoß und vor allem einen Hoffnungsschimmer – das versuchen wir zu bieten.“

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Zeeh: „Wir wollten unsere beruflichen Netzwerke nutzen und schnelle, unbürokratische Hilfe leisten – Hilfe, die auch wirklich bei denen ankommt, die Unterstützung dringend benötigen.“ Schnell fanden sich fünf weitere Freunde zur Vereinsgründung: Mit Udo Häner, Frank Sehr, Bernd Giesen, Holger Heidemann und Andrea Zeeh hatte man Menschen gefunden, die durch Aktivitäten in Vereinen, dem Gemeinderat und anderen Organisationen im Dorf gut vernetzt und bekannt, aber politisch neutral sind. Als die ersten Mitbürgerinnen und Mitbürger auf einem Dankeschön-Helferfest vom neuen Verein „Metternich Hilft“ erfuhren, drückten die ersten Udo Becker einfach Bargeld in die Hand – rund 20.000 Euro kamen so an dem Abend zusammen. Becker: „Wir hatten noch nichts, keinen Internetauftritt, kein Konto – aber die Menschen sagten: »Ihr seid genau die Richtigen dafür. Bei euch wissen wir, dass ihr an den richtigen Stellen helft!« – und dieses Vertrauen hat bereits jetzt zu beträchtlichen Summen an Spenden geführt.“ Die seien nicht nur aus dem Umfeld der Dorfgemeinschaft geflossen, so Udo Becker, sondern aus allen Teilen Deutschlands und sogar aus der Schweiz: „Unterstützung kennt keine Kilometer“.

Mittlerweile gibt es unter www.metternichhilft.de einen Internetauftritt mit weiteren Informationen und Spendenkonto, aber auch Antragsmöglichkeiten für Betroffene aus Metternich. Der Verein ist bereits eingetragen und man erwartet in Kürze die Bestätigung der Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt. Alle halten Augen und Ohren offen, gehen durchs Dorf, fragen bei Freunden und Nachbarn nach, die sich wiederum in ihrem Umfeld erkundigen und berichten. Alexander Zeeh: „So erfahren wir sehr genau, wer wirklich Unterstützung braucht – wir bieten Hilfe vor Ort und sind deshalb auch eine lokale Organisation. Uns ist aber sehr bewusst, dass man das alles nicht in wenigen Wochen wieder aufbauen kann – das ist wie ein sehr langer Marathon, den wir nachhaltig begleiten wollen.“

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Das Beste wäre natürlich, wenn der Verein bald „arbeitslos“ würde, so Udo Becker: „Aber das glaube ich nicht. Selbst wenn wir die Folgen dieser Katastrophe bewältigt haben, wird es andere Notfälle geben.“ Durch die Vereinsstruktur könne man schnell den Bedarf vor Ort einschätzen. Auch für weitere Mitglieder wolle man sich öffnen, um aber die schnelle Einsatzfähigkeit des Vereins zu erhalten, nur als Fördermitgliedschaften. Selbstverständlich sei, dass alle rein ehrenamtlich tätig seien: „Wir haben alle von der Dorfgemeinschaft profitiert, von der Atmosphäre, den Festen, den Fußballspielen und mehr – jetzt wollen wir durch »Metternich Hilft« etwas zurückgeben.“

Eifeler Presse Agentur/epa

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