Jungen Leuten während des Lockdowns Gemeinschaftsgefühl vermittelt

Lucas und Martijn Theisen und ihr Künstlerteam von „Spotlight Experience“ begleiteten Kinder und Jugendliche während der harten Phase der Pandemie mit einem Musical-Projekt durch die dunkle Zeit

Die Jugendlichen thematisierten Gefühle und Empfindungen beim Tragen einer Maske und setzten diese choreographisch eindrucksvoll um. Foto: Spotlight Experience
Die Jugendlichen thematisierten Gefühle und Empfindungen beim Tragen einer Maske und setzten diese choreographisch eindrucksvoll um. Foto: Spotlight Experience

Köln/Frechen/Grefrath – Die Corona-Pandemie war und ist vor allem für Kinder und Jugendliche eine schwierige Zeit. Die angemahnte soziale Distanz, das „Homeschooling“ und der Wegfall jeglicher Vereinsaktivität haben bei manchen jungen Leuten zu Vereinsamung und Depression geführt. Umso wichtiger war es, die Heranwachsenden zu ermutigen, ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle während der Lockdownsituation auszudrücken, ihnen eine Stimme zu geben und diese Äußerungen ernst zu nehmen. Hier setzte ein Jugendprojekt von Lucas und Martijn Theisen von „Spotlight Eperience gUG“ an.

Unter dem Projektmotto „@ Home – Alleine sind wir (doch) gemeinsam stark“ fanden sich junge Menschen während des zweiten Lockdowns Ende Dezember 2020 einmal wöchentlich in Zoomkonferenzen zusammen, um ihren Gefühlen, Ängsten und Sorgen einen künstlerischen Ausdruck zu verleihen. Ziel war und ist es, gemeinsam mit den Heranwachsenden ein Film-Musical über diese Phase ihres Lebens auf die Beine zu stellen.

Gegründet wurde „Spotlight Experience“ im Juli 2019, um Kindern und Jugendlichen sowie Geflüchteten und Menschen mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung eine Stimme zu geben. Bereits zuvor waren die beiden Künstler, die aus der Musical-Szene kommen, mit inner- sowie außerschulischen Projekten recht erfolgreich gewesen und auch medial aufgefallen.

„Unser Anliegen ist es, junge Leute über sich selbst hinauswachsen zu lassen, indem wir ihr Selbstwertgefühl stärken und ihnen einen Weg zeigen, wie sie sich künstlerisch ausdrücken können“, berichtet Lucas Theisen, der neben der Jugendarbeit auch als professioneller Tänzer arbeitet.

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Gleich drei Gruppen fanden sich beim aktuellen Projekt ein. Da war zunächst die Musikgruppe in Grefrath, in der es neben dem wöchentlichen Gefühls- und Erfahrungsaustausch vor allem darum ging, Grundlagen der Musik zu vermitteln. Hierzu standen Musikdozenten zur Verfügung, denn längst können die beiden Theisens bei ihren Projekten auf einen Pool an Experten aus den Sparten Schauspiel, Tanz und Musik zurückgreifen. „Dabei erfuhren die jungen Leute, wie man beispielsweise das Zusammenspiel verschiedener Instrumente, Klänge und Melodien für ganz unterschiedliche Emotionen einsetzen kann, und zwar sowohl für deren Darstellung als auch für deren Erzeugung“, berichtete Martijn Theisen.

So entstanden in der Gruppe nach und nach Songtexte und die dazu passende Musik, in der die jungen Leute ihre Gefühle zum Ausdruck brachten. „Bislang konnten so bereits sieben Songs entwickelt werden, die die unterschiedlichsten Stimmungen, Emotionen und Erfahrungen der Teilnehmenden in der Pandemie wiedergeben“, freute sich Lucas Theisen.

Ganz anders ging es zur selben Zeit in Köln zu. Hier hatten sich die Gruppenmitglieder dem Tanz verschrieben und versuchten, das Eingesperrtsein in den eigenen vier Wänden ausdrucksstark umzusetzen. „Durch Improvisation und das Arbeiten mit der Kamera entstanden eindrucksvolle Choreographien, bei denen auch die Wirkung und Auswirkung des genutzten Kommunikationsprogramms (Zoom) mit einbezogen wurden“, berichtete Lucas Theisen. Weiterhin habe man die eigenen Gefühle und Empfindungen beim Tragen einer Maske thematisiert und choreographisch umgesetzt. Auch fanden Film- und Videoaufnahmen in den eigenen Zimmern/Wohnungen mit professionellem Kameraequipment statt. „Zurzeit arbeiten wir an weiteren Choreographien“, so der Musicalexperte.

Und schließlich gibt es noch eine Schauspiel- und Skriptgruppe, die in Frechen beheimatet ist. Dort wird auf die besondere Empfindung von Förderschülern Rücksicht genommen. Dazu wurden unterschiedliche Lebenssituationen und Gefühlswelten verschiedener fiktiver Rollenprofile erstellt, die zeigen sollen, wie sich die Kinder und Jugendlichen für einen Zeitraum von ca. fünf Monaten durch die Pandemie kämpften.

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„Aufgrund des partizipativen Austausches gab es Vermischungen von Realität, Wunsch- und Phantasievorstellungen sowie auch Angst und Worst-Case-Szenarien“, berichtete Martijn Theisen. Mittlerweile wurde bereits ein 40-seitiges Skript erstellt sowie ein erstes Hörspiel.

Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen arbeiten in den Projekten stets als Gruppe zusammen. Dadurch sollen sie erleben, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind und jeder für das Gelingen des Projektes wichtig und verantwortlich ist. „Dies stärkt das Selbstwertgefühl der Teilnehmenden und fördert die Resilienz“, wissen die beiden aus mittlerweile zahlreichen ähnlichen Projekten.

Die Arbeitsweise während der Pandemie habe gut funktioniert, jedoch habe der recht lange und harte Lockdown mit seinen großen Einschränkungen, was die Arbeit im Kinder- und Jugendbereich in Präsenz anging, die zeitliche Planung der Projektdurchführung beeinträchtigt. So konnten die geplanten gemeinsamen Workshops in den Osterferien beispielsweise aufgrund der Corona-Vorgaben nicht stattfinden. Man sei aber weiterhin zuversichtlich, dass man die gesteckten Ziele erreichen werde. „Wir müssen halt für weitere Entwicklungen und Veränderungen offenbleiben, um unsere Vorgehensweise stets der Pandemieentwicklung anpassen zu können“, betonen die beiden Künstler und freuen sich, dass mit dem Fonds Soziokultur e. V., Bonn, der S-Stiftung Natur und Kultur für den Kreis Viersen der Sparkasse Krefeld weiteren regionalen Förderern dieses für die Kinder und Jugendlichen wichtige Projekt ermöglicht wird.

 

Eifeler Presse Agentur/epa

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