Helfer aus Niedersachsen wurden zu Freunden in Kall

Feuerwehrleute aus Bredenbeck verbrachten tausende Arbeitsstunden in der schwer von der Flut betroffenen Eifelkommune und stellten sattelzugweise Hilfsgüter zur Verfügung

Freunde geworden sind Kaller und Feuerwehrleute aus Bredenbeck: Bürgermeister Hermann-Josef Esser (v.l.) mit Jacqueline von Willesen und Michael Hirt von der Freiwilligen Feuerwehr Bredenbeck sowie André Kaudel, Leiter Bauhof Kall. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Freunde geworden sind Kaller und Feuerwehrleute aus Bredenbeck: Bürgermeister Hermann-Josef Esser (v.l.) mit Jacqueline von Willisen und Michael Hirt von der Freiwilligen Feuerwehr Bredenbeck sowie André Kaudel, Leiter Bauhof Kall. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall/Bredenbeck – Es gab viele herausragende Helfertaten nach der Flutkatastrophe in der Eifel und dem Ahrtal, so dass es fast unfair erscheint, einzelne herauszuheben. Aber wenn eine Freiwillige Feuerwehr aus Niedersachsen immer wieder nach Kall kommt und selbst kurz vor Weihnachten noch mit Waschmaschine, Keksen und von Kinderfeuerwehr und Kindergarten selbst gebastelten Weihnachtskarten im Gepäck in der schwer von der Katastrophe betroffenen Eifelkommune aufwartet, ist das etwas Besonderes. Doch trotz mehrfacher sechsstündiger Fahrt vom niedersächsischen Bredenbeck mit ganzen Sattelzügen voller Hilfsgüter und bis zu 14 Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmännern, die von Keller auspumpen über Estrich ausstemmen, bis Baggerarbeiten tausende Stunden in Kall geholfen haben, sagt Michael Hirt, Zugführer der Freiwilligen Feuerwehr Bredenbeck, nur lächelnd: „Das machen wir gern.“

Beim Termin im Kaller Rathaus zusammen mit Hermann-Josef Esser, Bürgermeister Kall, und André Kaudel, Leiter Bauhof Kall, sowie Bredenbecker Oberfeuerwehrfrau Jacqueline von Willisen herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre. Esser: „Ohne diese Hilfe wären wir lange nicht da, wo wir jetzt stehen!“ Kaudel ergänzt: „Da haben sich echte Freundschaften gebildet.“

Zugführer Hirt erklärt, wie es zu dem hilfreichen Zusammentreffen kam: „Als wir von der Katastrophe hörten, haben wir Hilfsgüter gesammelt, die wir in das Flutgebiet bringen wollten.“ Einfach nur helfen war die Devise, Ziel der Lieferung sollte eine zentrale Anlaufstelle in Aachen sein. Ein Wochenende lang direkt nach der Flutnacht wollten die Feuerwehrleute die Spenden von Waschmaschinen über Kleidung, bis Artikel für den täglichen Bedarf sammeln und wurden schon am Freitag förmlich überrannt, so Michael Hirt: „Wir standen um ein Uhr in der Nacht bereits in einer Fahrzeughalle voller Spenden und hatten noch den Samstag und Sonntag vor uns.“

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Der Flut in der Eifel folgte in Bredenbeck eine wahre Flut der Hilfe. Schnell war klar, dass der ursprüngliche Plan, am Montag in kleiner Besetzung nach Aachen zu fahren, nicht aufging. „Die Kameradinnen und Kameraden mussten erst mal etwas schlafen, wir haben zusätzliche Lastwagen geliehen, noch um 23 Uhr problemlos einen weiteren Lastwagen von einer Spedition nachgeordert – übrigens wurden alle Fahrzeuge kostenlos zur Verfügung gestellt – und sind dann Dienstagfrüh um 3 Uhr losgefahren.“ Auch das Ziel Aachen musste aufgegeben werden, denn in dem Zentrallager kam man bereits an die Kapazitätsgrenzen. Über Karnevalsverbindungen zwischen Feuerwehrleuten aus Bremen und Gemünd gab es dann Kontakte, doch als die Gemünder realisierten, dass es sich nicht um einen PKW-Anhänger voll Spenden, sondern um Sattelzüge handelte, die auch entsprechenden Stell- und Wendeplatz benötigten, kam Kall ins Gespräch – und wurde Zielort. Michael Hirt: „Und dabei bleibt es auch, wir haben mittlerweile so viele persönliche Bindungen in Kall, dass wir unsere Energie hier hineinstecken.“

Und das tun die Feuerwehrleute aus Bredenbeck seit der Flutnacht regelmäßig. Jacqueline von Willisen: „Unsere Arbeitgeber helfen mit Sonderurlaub, auch Freunde und Familie reagieren verständnisvoll. Viele haben sogar beim Sammeln der Spenden und beim Sortieren geholfen.“ Viele Feuerwehrleute, darunter auch Hirt, waren eigentlich in der Zeit im Sommerurlaub: „Aber da man coronabedingt ja eh nicht wirklich wegfahren konnten, haben wir die Zeit eben für Kall genutzt.“

Seitdem sind die Eifelkommune und die Erlebnisse der Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bredenbeck stetiges Gesprächsthema bei Übungsabenden. Michael Hirt: „Corona hat alles auseinandergerissen. Durch die Aktionen für Kall sind wir wieder näher zusammengerückt.“ Gerade die jüngeren Feuerwehrleute seien sehr beindruckt von den Einsätzen und der großen Dankbarkeit der Kaller. Bauhofleiter Kaudel schwärmt hingegen von den handwerklichen Fähigkeiten und der Einsatzbereitschaft der Feuerwehrleute. Ob „mal eben“ 100 Tonnen Material per Hand bewegen, um den Bleibach wieder freizulegen, Putz von Wänden von Privathäusern abschlagen, Keller trockenlegen oder Waschmaschinen nicht nur bis Bordsteinkante, sondern komplett mit Anschluss bereitstellen – die Feuerwehrleute hätten sich als Experten für alles und wahre Freunde erwiesen.

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Nicht nur in der ersten Woche nach der Flut sei großartige Hilfe durch Manpower beim Aufräumen geleistet worden. Ob Hilfe beim Sortieren im Spendenlager, wo mehr als 50 gespendete Elektrogroßgeräte und jede Menge Kleiderspenden eingegangen waren, Hilfe beim gezielten Verteilen der Hilfsgüter, Zubereitung von Essen, das mit aufbauenden Gesprächen auch noch ausgeliefert wurde, Hilfe für zahllose Privathaushalte bei den Abbrucharbeiten, aber auch beim Vereinsheim des Kaller SC, der Bürgerhalle Kall oder einer eingestürzten Scheune, Befreiung von Vorflutern und Gewässern von Müll, oder gezieltes Sammeln von Geldspenden, um nur einige Arbeiten zu nennen.

Die jüngste Aktion war eine Gutscheinaktion. Michael Hirt berichtet: „Wir haben ein Foto von einem Kaller Haus gemacht, an dem ein großes Bettlaken mit »Herzlichen Dank an die Helfer« hing und damit bei uns um Unterstützung gebeten.“ Zahlreiche Bredenbecker haben dann Gutscheine für Baumärkte, Drogerien, Supermärkte und mehr gekauft, teilweise gezielt online von Kaller Unternehmen, um diese zu unterstützen, oder Geld gespendet. Hirt: „Der Bürgermeister hat uns eine Liste von besonders schwer betroffenen Haushalten gegeben, denen wir die Gutscheine jetzt gleich geben werden.“ Und das soll nicht die letzte Hilfe sein, versprachen Hirt und von Willisen bei ihrem mittlerweile sechsten Besuch: „Wir kommen wieder!“

Bürgermeister Esser versprach einen Gegenbesuch in Bredenbeck, sobald es die Umstände zuließen: „Wir wollen uns vor Ort herzlich für alles bedanken – besonders, aber nicht nur bei der Freiwilligen Feuerwehr, sondern auch bei allen Privatpersonen, Firmen und Familien, die uns geholfen haben.“ (epa)

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