Wegfall des „Berufskolleg Eifel“ wäre für den Schulstandort Kall katastrophal

Ausschuss für Schule, Soziales und Generationen verabschiedet einstimmige Resolution gegen Überlegungen, die beiden Berufskolleg des Kreises Euskirchen an anderer Stelle neu zu bauen oder zusammenzulegen

Das Berufskolleg Eifel in Kall blickt auf eine jahrzehntelange Historie zurück, in welcher es nicht nur für Schülerinnen und Schüler aus Kall, sondern aus dem gesamten Südkreis ein ortsnahes Schulangebot bereithielt. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Das Berufskolleg Eifel in Kall blickt auf eine jahrzehntelange Historie zurück, in welcher es nicht nur für Schülerinnen und Schüler aus Kall, sondern aus dem gesamten Südkreis ein ortsnahes Schulangebot bereithielt. Archivbild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall – Auf Unverständnis stößt in der Gemeinde Kall das Vorhaben des Kreises Euskirchen, eine interfraktionelle Arbeitsgruppe über die Zukunft der beiden Berufskollegs in Euskirchen und Kall unter der Perspektive beraten zu lassen, diese Schulen einzig im Nordkreis neu zu errichten oder dort in einem gemeinsamen Gebäude zu fusionieren. Einstimmig hat der Ausschuss für Schule, Soziales und Generationen der Gemeinde Kall daher am Donnerstagabend eine Resolution erlassen, in dem der Kreistag Euskirchen aufgefordert wird, ein klares Bekenntnis zum Standort des „Berufskollegs Eifel“ in Kall abzulegen. Ferner werden die Kaller Kreistagsmitglieder aufgefordert, sich auf der politischen Ebene für den Erhalt des „Berufskollegs Eifel“ einzusetzen.

Überrascht war Bürgermeister Hermann-Josef Esser vor allem von einigen Begründungen, die von der beratenden Projektgruppe Bildung und Region in Bonn (biregio) im Kreistag vorgebracht wurden. So wird beispielsweise der demografische Wandel angeführt und die Behauptung aufgestellt, Weilerswist und Euskirchen verzeichneten einen deutlichen Bevölkerungszuwachs, während sich im Bereich Kall bei den unter Zehnjährigen ein deutlicher Rückgang andeute.

„Das läuft allem entgegen, was wir hier erleben“, so Esser, der daran erinnerte, dass alle demografischen Prognosen, die es bislang gab, sei es beispielsweise von IT.NRW oder der Bertelsmann-Stiftung, nicht eingetroffen seien. „Im Gegenteil, unsere Grundschule in Kall ist mittlerweile vierzügig, die Sistiger Grundschule zweizügig, und in den Kindergärten fehlen Gruppen.“ Die Nachfrage nach Kiga-Plätzen sei dabei keinesfalls nur durch eine steigende Betreuungsquote zu erklären. Man verzeichne in der Kommune hohe Geburtenzahlen. Zusätzlich zögen Menschen wieder vermehrt aufs Land, das zeige sich unter anderem an der steigenden Zahl der Grundstückverkäufe in den Baugebieten des Südkreises.

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„Man sollte aufpassen, dass man nicht durch Fehlentscheidungen eine Entwicklung begünstigt, die man fälschlicherweise prognostiziert hat“, so Esser. Auch die Kritik an den räumlichen Gegebenheiten kann Esser nicht nachvollziehen. „Der Kreis Euskirchen hat lobenswerterweise immer wieder in das Berufskolleg Eifel investiert“, so Esser. Gerade erst vor der Flutkatastrophe sei das Untergeschoss auf den neusten Stand gebracht worden. Der Wiederaufbau solle darüber hinaus nicht 1:1 erfolgen, sondern zukunftsfester und moderner werden. Für neue Medienkonzepte brauche man auch nicht zwingend neue Räumlichkeiten. Was der Bürgermeister und die Kaller Ausschussmitglieder aber überhaupt nicht verstehen konnten, war die Tatsache, dass man jetzt mit Mitteln aus dem Wiederaufbaufonds die Berufskollegs mit Millionen von Euro wieder ertüchtige, um danach zu überlegen, ob man sie in Zukunft nicht doch besser an anderer Stelle, die noch keiner kenne, neu erbaue. Ganz zu schweigen davon, dass man eine eventuell avisierte Gemeinschaftsschule mit 4000 Schülerinnen und Schülern für praktisch nicht händelbar halte.

In der Resolution heißt es weiter, dass das „Berufskolleg Eifel“ in Kall auf eine jahrzehntelange Historie zurückblicken könne, in welcher es nicht nur für Schülerinnen und Schüler aus Kall, sondern aus dem gesamten Südkreis ein ortsnahes Schulangebot bereithielt. „Durch die zentrale Lage im Kreis Euskirchen und die gute Anbindung mit dem öffentlichen Personennahverkehr erstreckt sich das Einzugsgebiet sogar bis nach Rheinland-Pfalz“, heißt es weiter. Der Wegfall des „Berufskolleg Eifel“ wäre für den Schulstandort Kall und die Vielfalt des Bildungsangebotes daher katastrophal.

„Am Kaller Berufskolleg werden über 20 berufsbezogene Bildungsgänge angeboten, welche Schulabschlüsse vom Hauptschulabschluss bis hin zum Abitur sowie dem Abschluss als staatlich geprüfter Betriebswirt ermöglichen. Zusammen wird vor Ort mit Eltern, Ausbildungs- und Praktikumsbetrieben, Kammern und Verbänden der Grundstein für den beruflichen Erfolg von Generationen von Schülerinnen und Schülern gelegt“, so die Ausschussmitglieder. Nicht zuletzt sei von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der „AG Pflege“ eine Kooperation mit der DRK Pflegeschule Bonn im Südkreis am Standort Kall als dringend erforderlich angesehen worden. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, diese Kooperation konkret am Standort „Berufskolleg Eifel“ in Kall umzusetzen. (epa)

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