Dr. Josef Mangold geht, Dr. Carsten Vorwig kommt

Dr. Carsten Vorwig (links) ist der neue Leiter des LVR-Freilichtmuseums Kommern. Dr. Josef Mangold geht in den Ruhestand.. Bild: LVR
Dr. Carsten Vorwig (links) ist der neue Leiter des LVR-Freilichtmuseums Kommern. Dr. Josef Mangold geht in den Ruhestand.. Bild: LVR

Die Eifeler Presse Agentur stellte dem alten und dem neuen Leiter des LVR-Freilichtmuseums Kommern acht Fragen

Normalerweise stellt man sich Museumsleiter ja als Menschen vor, die Anzug und Krawatte tragen. Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie beispielsweise in Ihrem besonderen Museum schon einmal per Hand Korn gedroschen?

Dr. Mangold: Ja, mit einigen blauen Flecken. Ich habe die einzelnen Arbeitsschritte der Kornreinigung zusammen mit Gerd Linden damals durchprobiert und beim Dreschen mit dem Dreschflegel hatte ich anfangs kleinere Probleme mit der Koordination und mit dem leichten Drehen des Schlegels. Das sieht leicht aus, aber erfordert schon eine gewisse Übung. Später dann habe ich im Dreschrhythmus im Takt mit den Landwirten mitgedroschen. Ist anstrengend, macht aber Spaß.

Dr. Vorwig: Ja, des Öfteren beim Tag nach der Ernte im September. Erstmals im Jahre 2003. Spannend ist hier in der Tat die Koordinierung mit den anderen Dreschern, um sich nicht gegenseitig zu behindern. Bisher ging es aber immer ohne größere Blessuren!

Was ist Ihr Lieblingsessen in der „Gaststätte zur Post“?

Dr. Mangold: Frikadelle mit Murrepott oder Bratkartoffeln, aber auch die Käse-Lauch-Suppe ist nicht zu verachten …

Dr. Vorwig: Mein Lieblingsessen im Museum ist die Currywurst in der Gaststätte Watteler. Im Gasthof zur Post ist es Murrepott mit Wurst oder Frikadelle und zum Nachtisch Milchreis mit Zucker und Zimt.

Nach ihrer Translozierung ist die Gaststätte Wattler heute eines der Schmuckstücke im Freilichtmuseum. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Nach ihrer Translozierung ist die Gaststätte Wattler heute eines der Schmuckstücke im Freilichtmuseum. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Gibt es für Sie einen Ort oder ein Gebäude im Museum, das Sie besonders schätzen?

Dr. Mangold: Meine Lieblingsbaugruppe ist das Bergische Land mit Rhinchenschmidthausen und Kalsbach. Gerade jetzt, wo wir den Weg barriereärmer gestaltet und eine kleine Kurve eingebaut haben, hat man aus Richtung Marktplatz Rheinland kommend einen wunderbaren Blick auf dieses mächtige Gebäude. – Und die Milchbar ist grandios, besonders wegen ihrer bewegten Geschichte, zuerst als Bar der 1950er-Jahre, dann Treffpunkt der Vorgebirgsrocker und zuletzt Kneipe mit Rockmusik. Als ich das erste Mal in die Gaststube kam, war ich sprachlos: da hing mein Plattenschrank an der Wand! Der Wirt Mike Smith hatte LP-Cover zur Dekoration aufgehängt. Lauter LPs, die auch bei mir im Plattenschrank stehen: Hendrix, Stones, vor allem Zappa. Das war meine Zeit.

Dr. Vorwig: Ich habe sehr viele Lieblingsorte im Museum. Wenn ich einen benennen müsste, ist es die Gaststätte Watteler. Hieran hängen viele persönliche Erinnerungen an eine aufregende Zeit der Translozierung, aber vor allem der Recherche zur Geschichte der Gaststätte und der Familie Watteler sowie ihrer zahlreichen Gästegruppen. Nach wie vor sehr spannend. Hier habe ich viele tolle Menschen kennengelernt.

Den Rückepferden bei der Arbeit zuzusehen, ist eines der besonde-ren Highlights für die Besucher. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Den Rückepferden bei der Arbeit zuzusehen, ist eines der besonde-ren Highlights für die Besucher. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Wie sieht es bei den zahlreichen Veranstaltungen im Jahresreigen aus, welche gefällt Ihnen am besten?

Dr. Mangold: Die Veranstaltungen sind so unterschiedlich, dass man sie schwer vergleichen kann. Das ist ja gerade das Tolle an unseren Veranstaltungen. Jede Veranstaltung zieht ein anderes Publikum an, andere Zielgruppen. Meine Lieblingsveranstaltung ist die ZeitBlende, bei der wir ja auf das Jahr vor 50 Jahren zurückschauen. Ganz besonders begeistert mich der historische Campingplatz mit den großartigen Fahrzeugen, den alten VW-Bussen zum Beispiel und ihren ganz speziellen Besitzern. Die ZeitBlende ist fast schon ein Familientreffen, denn viele kommen mittlerweile jedes Jahr, wie zum Beispiel „Oma und Opa“, ein älteres Ehepaar, 88 und 89 Jahre alt. Sie besitzen verschiedene Wohnwagen aus den 1960er Jahren und haben einen Stammplatz auf der Ecke zum Marktplatz Rheinland. Da kommt jeder zu einem kleinen Plausch vorbei, und Oma und Opa „halten dann Hof“ und erzählen von ihren Erfahrungen und Erlebnissen. Toll, so etwas muss man entstehen lassen, das kann man nicht erzwingen. Dafür aber ist unser Museum ein idealer Platz, wir geben den Rahmen, so dass sich auch so etwas entwickeln kann.

Dr. Vorwig: Die Veranstaltung „Tag nach der Ernte“ ist meine Lieblingsveranstaltung. Sie vermittelt mit den vielen Kaltblutpferden und den Arbeiten in der historischen Landwirtschaft einen grundlegenden Bereich des Alltagslebens im Rheinland. Es ist ein Ereignis für Familien, das aber auch durch die vielen Angebote und Vermittlungsaktionen rund um das Thema historische Landwirtschaft alles vereint, was eine gute Museumsveranstaltung auszeichnen sollte, nämlich lehrreich zu sein, aber auch Spaß zu machen.

Im Tante Emma gibt es neuerdings auch die Fleischprodukte des in Kommern rückgezüchteten Deutschen Weideschweins. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Im Tante Emma gibt es neuerdings auch die Fleischprodukte des in Kommern rückgezüchteten Deutschen Weideschweins. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Können Sie sich im Rheinland noch alte Gebäude anschauen, ohne sogleich an eine Translozierung zu denken?

Dr. Mangold: Jein, aber man denkt immer: Wie passt das Gebäude in das Konzept des »Marktplatz Rheinland«? Wie könnte man das versetzen? Welchen Zeitschnitt wählt man? Das geht ganz automatisch, das ist der Blick des Museumsmannes, den kann man nicht abstellen…

Dr. Vorwig: Das fällt tatsächlich sehr schwer. Zumindest bei Gebäuden, die potenziell ins Sammlungskonzept des LVR-Freilichtmuseums Kommern passen. Und gerade für den Marktplatz Rheinland haben wir ja ein dezidiertes Sammlungskonzept entwickelt, welches Bauten zu einem rheinischen Dorf der zweiten Hälfte des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts mit Urbanisierungstendenzen zeigt. Passende Gebäude für die „alten“ Baugruppen Westerwald, Bergisches Land, Eifel und Niederrhein stehen in der Landschaft zum Glück in der Regel unter Denkmalschutz und sind somit keine potenziellen Sammlungsobjekte für die freilichtmuseale Präsentation mehr.

Welches Museumstier genießt Ihre größte Zuneigung?

Dr. Mangold: Susi, der einäugige Esel, zusammen mit Belinda. Sie sind ein tolles Gespann. Sie sind unzertrennlich!

Dr. Vorwig: Ja, Belinda, unser Ardenner-Kaltblutpferd, ist wirklich einmalig – aber in meiner Sympathie gleichauf mit der Schleiereule in der Baugruppe Bergisches Land.

Wie wird die Zukunft des LVR-Freilichtmuseums aussehen? Wird man mehr mit einer Erweiterung unterhaltsamer Veranstaltungen rechnen dürfen oder mit mehr musealen Ausstellungen mit dem Schwerpunkt der Wissensvermittlung?

Dr. Mangold: In Zukunft müssen wir – auch wegen Corona-Erfahrungen – die Großveranstaltungen etwas kleiner gestalten. Menschenansammlungen wie noch beim Jahrmarkt am Ostermontag 2018 mit knapp 12.000 Menschen sind nicht mehr anzustreben. Zum einen sind so viele Menschen für das gesamte Team Stress pur, zum anderen haben unsere Erfahrungen gezeigt, dass zurzeit die Museumsgäste auch große, enge Menschenansammlungen meiden. Wir haben mit einer Besucherbegrenzung gute Erfahrungen gemacht, auch mit der räumlichen Entzerrung, der Verteilung der Angebote über das Gelände. Wir sind ja in der glücklichen Lage, dass wir 100 Hektar „Spielwiese“ zur Verfügung haben. Die müssen wir nutzen und mit klugen Angeboten die Museumsgäste auch in die entfernteren Bereiche des Museums locken. – Im letzten Jahr haben wir bereits viele neue Akteure der Gespielten Geschichte gefunden, wie die AVON-Beraterin, den Kriegsheimkehrer oder auch die Steinmetzin, die für ein ganzjähriges „Grundrauschen“ sorgen sollen, so dass an allen Tagen im Jahr ein Besuch mit einem kleinen Erlebnis, einer kleinen Vorführung möglich ist. Wir müssen das jetzt gut kommunizieren, dass die Interessierten erfahren, dass man an allen Tagen im Jahr ins Museum kommen kann, und es jeden Tag etwas zu sehen und zu erleben gibt.

Dr. Vorwig: Unterhaltsame Veranstaltungen sind sehr wichtig, aber nur, wenn auf diese Weise auch historische Inhalte vermittelt werden können. Die Veranstaltungen des LVR-Freilichtmuseums Kommern sind hier aber schon jetzt wirklich gut aufgestellt. In Zukunft werden wir zudem verstärkt auf personale Vermittlungsformen setzen. Die Gespielte Geschichte ist hier eine gute Form der Vermittlung, da sie Spaß und Wissensvermittlung geschickt miteinander kombiniert und die Besucher und Besucherinnen (rollen-)spielerisch und „niederschwellig“ Informationen zu historischen Alltags- und Lebenssituationen erhalten.

Ohne Tiere wäre das LVR-Freilichtmuseum Kommern nur halb so inte-ressant. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Ohne Tiere wäre das LVR-Freilichtmuseum Kommern nur halb so inte-ressant. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Wie wichtig ist für Sie der Förderverein des LVR-Freilichtmuseums?

Dr. Mangold: Der Förderverein ist sehr wichtig. Er sorgt mit seinen engagierten Ehrenamtlern und Ehrenamtlerinnen für Speis und Trank auf den Veranstaltungen, er betreibt den Tante-Emma-Laden – wegen der besonderen Produkte auch wieder so ein besonderes Highlight bei einem Besuch in Kommern –, aber der Förderverein tritt auch als Antragsteller für Fördermittel auf und finanziert so Dinge, die wir aus dem eigenen Haushalt nicht bezahlen können. Nicht zuletzt gibt er auch noch unsere Publikationen zum Marktplatz heraus. Ein gutes Team, unverzichtbar!

Dr. Vorwig: Der Förderverein ist ein wichtiger Partner des Museums. Er unterstützt die Belange des Museums mit tatkräftiger Hilfe vieler Ehrenamtlicher und diesen Wert kann man nicht hoch genug einschätzen.

Zum Schluss noch eine Frage an den neuen Museumsleiter Dr. Vorwig. Wenn Sie plötzlich eine Million an Fördergeldern für das Museum hätten, was würden Sie damit anfangen?

Dr. Vorwig: Ich würde den steilen Aufstieg zum Eingangsgebäude barrierefrei gestalten lassen. Im Museumsgelände sind die Barrieren in den vergangenen Jahren durch den Umbau vieler Wege und weiterer Maßnahmen stark reduziert worden. Inzwischen gibt es einen Rundgang durch alle Baugruppen, der mit Steigungen unter sechs Prozent begeh- und befahrbar ist. Das war ein großer Kraftakt, auf den wir sehr stolz sind. Der steile Zugang zur Kasse ist die letzte große Hürde, die es in diesem Bereich in den nächsten Jahren noch zu nehmen gilt.

Vielen Dank für das Gespräch.

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