Der Vorstand der Kreissparkasse Euskirchen reihte sich nahtlos in die Prinzengarde mit ein. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Bevor es in den Straßenkarneval ging, durften es sich die Narren bei der KSK noch einmal gutgehen lassen – Vorstand beherrschte den rheinischen Ritualtanz und präsentierte sich als Fußballteam
Euskirchen – Wenn am Hauptsitz der Kreissparkasse Euskirchen (KSK) an der Von-Siemens-Straße ein rauer Ton herrscht, die Anwesenden sich durchzählen müssen und anschließend die „Knabböß“ zu präsentieren haben, dann kann man sicher sein, dass im ältesten Kreditinstitut der Region kein normaler Arbeitsalltag herrscht.
Denn der Kommandoton gehört nicht zur Leitkultur der Banker. Erstaunlicherweise sind es stets die Narren, die sich am Weiberdonnerstag in der „Parole de militaire“ gefallen, genauer die Euskirchener Prinzengardisten, die die Tradition des Rheinischen Karnevals aufrechterhalten und an Zeiten erinnern, da man sich noch mit Phantasieuniformen über die französischen Besatzer lustig machte. Doch bei genauerem Hinsehen herrscht statt militärischem Drill dann doch nur ausgelassene Fröhlichkeit, sowohl beim Generalfeldmarschall Schorsch Harzheim, der die Kommandos erteilt, als auch bei seinem goldbehelmten Regiment, das sie auf seine stets eigene Weise interpretiert und bewusst missversteht.
Rheinischer Einbürgerungstest
Scharf geschossen wird an diesem Tag, da die Rathausrevolutionäre traditioneller Weise den Bürgermeister der Kreisstadt von seinen Amtsgeschäften entheben, nur gegen Nordlichter wie den KSK-Vorstandsvorsitzenden Holger Glück. Doch der bestand Harzheims rheinischen Einbürgerungstest aus dem Effeff, indem er fließend aus dem Ripuarischen übersetzen konnte, was, wie man weiß, nicht einmal mehr jedem Ur-Kölner gelingt. Da hatte es Vorstandsneuzugang Daniel Ruland schon leichter, weil er aus Elsdorf stammt, also nur 30 Kilometer westlich von Köln seine rheinische Sozialisierung empfing. Und auch Wolfgang Krüger, der dritte Mann im Vorstandstrio, ist als Zülpicher vor Vorurteilen gegenüber Nordlichtern qua Geburt gefeit.
Aber selbstverständlich waren die Narren nicht gekommen, um zu zanken, sondern um zu danken, und zwar für die seit vielen Jahren verlässliche finanzielle Unterstützung ihrer Vereins- und Jugendarbeit und ganz konkret für die ebenso lang schon existierende Mittagsbetreuung am Weiberdonnerstag. Denn bei der KSK darf sich der malade Tross närrischen Frohsinns stets eine Art kurzfristigen Heimaturlaub mit Wohlfühlambiente gönnen und sich am Büffet laben, mit dem die müden Rathausstürmer vom Team der Nordeifel.Werkstätten (NE.W) alljährlich verwöhnt werden, bevor sie gestärkt in den beginnenden Straßenkarneval weiterziehen.
Karnevalistischer Ritualtanz
Die Prinzengarde schickte für die KSKler zum Dank ihr Tanzpaar, Lena Weiß und Timo Schnicke, aufs Parkett, dem zwar bei der artistischen Höhenakrobatik eine natürliche Grenze in Form der Deckenhöhe gesetzt wurde, das aber dennoch das Publikum zu begeistern wusste. Anschließend musste das Vorstandstrifolium beweisen, dass es auch etwas vom traditionellen „Stippeföttche“-Tanz verstand. Auch hier hatte man KSK-Captain Holger Glück allerdings kräftig unterschätzt, der dieses rheinische Ritual voll beherrschte.
Begeisterung löste auch der Präsident des Festausschusses Euskirchener Karneval, Stefan Guhlke, aus, als er den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der KSK, die stets für einen buntkostümierten Empfang und beste Partystimmung sorgen, die höchste Narrenregentin der Kreisstadt, Prinzessin Colette I., vorstellte. Im Gefolge hatte sie Küfer Rodney I. und die kleine Prinzessinnenbegleiterin Merle.
Dann aber wurden erst einmal Orden ausgetauscht zwischen den Karnevalisten und der KSK, die auch in diesem Jahr ihren eigenen Orden hatte kreieren lassen. Angetreten zum Ordenstausch waren auch die Vertreter der vaterstädtischen Karnevalsgesellschaften, die Euskirchener Narrenzunft, die KG Alt Oeskerche und die KG Erfttal. Und auch das NE.W-Kantinenteam wurde für die gelungene Beköstigung der jecken Veranstaltung wieder mit KSK-Orden ausgezeichnet. Am Ende musste der KSK-Vorstand samt der Karnevalsbeauftragten Iris Esselborn den Gesetzen der Schwerkraft trotzen, um aufgrund der Ordenslast nicht vornüber zu kippen.
„Heavy Legs“
Im zweiten Teil des Verpflegungsmarathons warteten dann noch die Rözeme Pannejecke mit ihrem diesjährigen Prinzen Emil I. und Präsident Lars Linke auf. Die Narren der Pfanne waren aber nicht allein erschienen, sondern wurden von Gleichgesinnten mit Trommeln begleitet, genauer von der KG Nubbel mit KG-Ehrenrat Jürgen Deters und Präsidentin Maren Krämer. Die KG ist für das närrische Brauchtum in den Ortsteilen Klein- und Großbüllesheim, Weidesheim und Wüschheim zuständig und zum einen für ihre mitreißende Samba-Trommel-Truppe bekannt, zum anderen aber für ihre Damenshowtanzgruppe „Heavy Legs“, deren Tänzerinnen stets alles an Leichtfüßigkeit und akrobatischer Tanzkunst geben, bis sie eben „schwere Beine“ haben.
Weitere Bilder von der Veranstaltung finden Sie hier.
Eifeler Presse Agentur/epa