Freuten sich über ein gelungenes Unternehmerfrühstück: KSK-Vorstand Daniel Ruland (v.l.), Iris Poth, Alina Kramer (beide Kreiswirtschaftsförderung), Punktquadrat-Geschäftsführer Stefan Guhlke, Landrat Markus Ramers, Alexandra Bennau und Rainer Santema (beide KSK). Bild: Michael Thalken Eifeler Presse Agentur/epa
Das Unternehmerfrühstück „viertelvoracht“, eine Partnerinitiative der Kreiswirtschaftsförderung und der Kreissparkasse Euskirchen, war zu Gast in der neuen Werbeagentur „Punktquadrat“ von Stefan Guhlke
Euskirchen – „Werbung ist der Versuch, das Denkvermögen des Menschen so lange außer Takt zu setzen, bis er genügend Geld ausgegeben hat“, befand der amerikanische Satiriker Bitter Pierce bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dass man diesen Versuch aber auch amüsant und mit viel Herz gestalten kann, konnten jetzt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Unternehmerfrühstücks „viertelvoracht“ erleben. Eingeladen waren sie bei der Werbeagentur „Punktquadrat“ in Euskirchen, deren Geschäftsführer Stefan Guhlke den Gästen augenzwinkernd zehn Lektionen erteilte, die Marketing von einer guten Stripperin oder einem guten Stripper lernen könne.
Doch bevor es für die Anwesenden lehrreich wurde, erfuhr man ein wenig aus dem Leben des Geschäftsführers, einem Fürsprecher der Duzkultur. Da sein Vater bei Miele als Fertigungsleiter für hochtourige Motoren gearbeitet habe, sei er schon von Kindesbeinen an mit Technik und Automation vertraut gewesen. Daher habe er auch zuerst eine Ausbildung bei Miele als Energieanlagenelektroniker absolviert und danach Maschinebau und Informatik studiert. „Damit war das Maß an Theorie aber auch voll“, so Guhlke. „Auf Anraten meines Vaters habe ich mich dann bei einer Werbeagentur in Euskirchen beworben, obwohl ich keine Ahnung hatte, was ich da sollte.“ Er startete als Praktikant, wurde Festangestellter, Leiter Internet und später sogar einer der Geschäftsführer. Mitte 2023 habe er allerdings die Idee entwickelt, eine eigene Agentur auf die Beine zu stellen.
Zahlreiche Bürohunde
„Ich bekam von meinen Kunden klare Signale, dass sie mit mir den Neuanfang wagen wollten“, berichtete Guhlke. Und auch sein gesamtes ehemaliges Team habe ihn nicht im Stich gelassen. „Dennoch blieb es eine große Herausforderung, schließlich musste ich von Beginn an jeden Monat Gehälter zahlen“, erinnerte sich Guhlke. Heute verfüge er über ein neunköpfiges Team samt ungefähr neun Bürohunden, die für Entspannung im Arbeitsalltag sorgten. Er habe „im vorgerückten Alter“ von 51 Jahren diesen Sprung gewagt und ihn bis heute nicht bereut.
Seit 2024 sei man vollumfänglich für die Kunden da und seit genau so langer Zeit auch nahezu papierlos unterwegs. „Wir konnten bei null anfangen, hatten keine Altlasten und haben uns daher im Team für eine rein digitale Arbeit entschieden“, so Guhlke. Alle Dokumente befänden sich in der dreifach abgesicherten Cloud. So könne man mobil, im Homeoffice oder vor Ort im Büro arbeiten.
Datensicherung sei heute enorm wichtig, betonte der Werbefachmann. „Es ist keine Frage, ob eure Rechner angegriffen werden, sondern wann“, betonte er. Man müsse immer für den Ernstfall gerüstet sein. Und jeder sollte sich die Frage stellen, wie lange es dauere, bis das Unternehmen nach einem Hackerangriff wieder voll funktionstüchtig sei.
Zur Künstlichen Intelligenz hatte Guhlke ein gespaltenes Verhältnis. Sie sei „etwas Phantastisches“, weil sie unglaubliche Dinge vollbringen könne. So zeigte Guhlke, wie seine Agentur für einen Kunden qua KI aus Standbildern des 19. Jahrhunderts bewegte Videosequenzen erstellt hatte. Da steigt der Kaiser dann auch schon mal vom Pferd, obwohl es von ihm nur ein Bild hoch zu Ross gibt. „Doch KI ist auch gefährlich“, warnte Guhlke, denn sie vernichte schon jetzt Arbeitsplätze. Zudem könnten junge Leute zwar KI anwenden, seien aber oft nicht mehr in der Lage, Arbeiten auch ohne diese technische Hilfe auszuführen.
„Gib was für lau!“
Dann aber wurde es lehrreich, und Guhlke gab einige kostenlose Marketingtipps, die er angeblich einigen Entkleidungskünstlern abgeschaut hatte. So solle man sich beispielsweise als Unternehmen einen Namen geben, bei dem der Kunde zugreifen möchte. „Verkaufe nur das, was wirklich gut ist“, riet Guhlke. „Gib was für lau, interessiere dich für deine Kunden, gib nie alles, aber immer das, was gewünscht wird.“ Und: „Verkaufe mehr!“, „Komm zum Abschluss!“, „Halte deine Zielgruppe im Blick!“, „Bleibe hart!“
Landrat Markus Ramers betonte, dass man der Agentur die Kreativität bereits an ihrer Wirkungsstätte ansehe, denn „Punktquadrat“ residiert am Standort der ehemaligen Postbus-Reparaturstation in der Gansweide, von der noch manche technischen Überbleibsel wie Flaschenzüge und Ketten die Raumästhetik bereichern.
KSK-Vorstandsmitglied Daniel Ruland hatte recherchiert, dass es über 12.000 Werbeagenturen in Deutschland gebe, davon über 50 allein im Raum Euskirchen. Um da zu überleben, müsse man schon besonders viel Kreativität an den Tag legen. „Und die spürt man hier“, sagte Ruland, „zumindest sieht es hier anders aus als in meinem Büro.“ Ruland hatte sich im Vorfeld Gedanken über den Namen „Punktquadrat“ gemacht, war aber damit nicht so ganz ins Reine gekommen, bis er die Schuhe von Stefan Guhlke gesehen hatte. Da sei ihm klar geworden, dass Punktquadrat einfach nur das Außergewöhnliche bedeute.
Geplant und organisiert worden war das Unternehmerfrühstück erneut vom bewährten viertelvoracht-Team: der Leiterin der Stabsstelle Struktur- und Wirtschaftsförderung, Iris Poth, ihrer Kollegin Alina Kramer sowie Alexandra Bennau vom S-Gewerbekundencenter und Rainer Santema, Leiter S-Firmenkundencenter.
Eifeler Presse Agentur/epa