Eigener Gesang komplementierte die Aufführung mit Theater-, Tanz- und Multimedia-Elementen. Bild: music4everybody! e.V.
Zülpicher Hauptschülerinnen und -schüler brachten mit Hilfe von professionellen Kunstdozenten Gesang, Tanz, Theater und multimediale Elemente auf die Bühne – Finanzielle Vor-Ort-Unterstützung durch die KSK Euskirchen
Zülpich – In gewisser Weise war es für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8 der Gemeinschaftshauptschule Zülpich eine Art Challenge. Die schlechte Nachricht: Sie mussten innerhalb von fünf Tagen eine Performance mit Gesang, Tanz, Theater und multimedialen Elementen auf die Bühne bringen und sie vor Publikum aufführen. Die gute Nachricht: Sie wurden dabei nicht allein gelassen, sondern bekamen ein paar echte Bühnenprofis unter der künstlerischen Leitung von Stephi Siebert mit an die Hand. Doch wer bei der Abschlussperformance mit dem Titel „Nie genug – wer zahlt den Preis?“ dabei war, der ahnte, dass die jungen Leute trotz professioneller Hilfe eine harte Woche hinter sich haben mussten.
„So eine Projektwoche ist eigentlich immer zu kurz“, berichtete Projektleiterin Nadine Cherubini von „Youth4Change – Celebrating Diversity“, einem Projekt des Vereins „music4everybody!“. „Zumal am ersten Tag eigentlich noch nicht viel mehr passieren kann, als dass sich die Schüler und Dozenten kennenlernen und Vertrauen zueinander aufbauen.“ Dann aber muss es Schlag auf Schlag gehen, will man wirklich in einer Woche etwas Vorzeigbares auf die Bühne bringen, das darüber hinaus auch noch einen gewissen Anspruch haben soll und beispielsweise ein starkes Zeichen für Toleranz, Vielfalt und demokratisches Miteinander setzen will.
Mehr Selbstbewusstsein vermittelt
Dazu müssen sich die 14- bis 15-Jährigen zunächst einmal intensiv und kreativ mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen und eine eigene Meinung zu Themen wie Flucht und Migration, Menschenrechte, Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit erarbeiten. Im Forum Zülpich stand vor allem das Thema Manipulation durch Medienkonsum im Vordergrund. In Videoeinspielungen wurde eine Droge von Influencerinnen angepriesen, die die Bevölkerung für ein Kriegsvorhaben gefügig machen sollte. Dazu hatte der Staat auch noch eine Hightech-Brille entwickelt, mit der man direkt erkennen konnte, ob jemand zu den Braven oder den Rebellen gehörte. Drumherum gab es allerhand Musik, Gesang („Everybody wants to rule the world“) und Tanz mit der Botschaft, dass man sich selbst gehöre und sich nicht vereinnahmen lassen wolle.
Wenn die Geschichte auf der Bühne auch insgesamt etwas verwirrend war, so zeigte sich doch vor allem, dass die Jugendlichen sehr viel Spaß und Freude an der künstlerischen Darstellung besaßen und zahlreiche witzige und kreative Ideen entwickelt hatten, die in der Kürze der Zeit oft nur angerissen werden konnten. Doch das Hauptziel war ohnehin, dass die Projektwoche den jungen Leuten mehr Selbstbewusstsein vermitteln sollte. Und das schien auf jeden Fall gelungen.
Bei der Abschlussveranstaltung wurde einmal mehr deutlich, dass professionelle Förderung gerade im kulturellen Bereich die Jugendlichen sehr rasch Mut fassen lässt, sich aktiv ihres eigenen Verstandes zu bedienen, statt nur passiv Videos und Reels auf YouTube, Instagram, TikTok und Snapchat zu konsumieren.
Zahlreiche Förderer
Da die Schulen ein solches Bildungsprojekt aber nicht allein stemmen können, benötigen sie Zuwendungen. Diese gab es durch das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union – finanziert aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Die Fördermittel stammen aus dem Budget der LEADER-Region Zülpicher Börde. Zudem unterstützen die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, die Marga- und Walter-Boll-Stiftung, die Bürgerstiftung der Kreissparkasse Euskirchen (KSK) sowie die Sozialstiftung der Kreissparkasse Köln durch weitere Fördermittel.
Die neue Kuratoriumsvorsitzende der Bürgerstiftung der KSK Euskirchen, Birgit Braun-Näger, sowie KSK-Stiftungsvorstand Sebastian Thur ließen es sich nicht nehmen, bei der Abschlussperformance der jungen Leute dabei zu sein. „Es gehört sehr viel Mut dazu, so aus sich heraus zu gehen und dann vor den anderen Mitschülerinnen und Mitschülern aufzutreten“, sagte Thur, dem es besonders gefiel, dass die jungen Leute hier nicht nur mit theoretischem Wissen glänzten, sondern ihre Meinung künstlerisch dargestellt hatten.
„Schön ist, dass die Jugendlichen bei so einer Projektwoche auf neue Art zueinanderfinden und sich untereinander ein ganz neuer Zusammenhalt herstellt“, freute sich Birgit Braun-Näger, die auch Mitglied im Jugendhilfeausschuss des Kreistags Euskirchen ist. Was in vielen einzelnen Workshops erarbeitet worden sei, habe am Ende wie ein großes Puzzle auf der Bühne zu einem neuen und schönen Ganzen zusammengefunden.
Eifeler Presse Agentur/epa