Glückliche Gesichter bei den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, der prominent besetzten Jury sowie Vertretern der Rotary-Clubs Euskirchen und Euskirchen-Burgfey. (Foto: Rita Witt)
Die beiden Rotary Clubs Euskirchen und Euskirchen Burgfey organisierten den Rhetorikwettbewerb 2026 der weiterführenden Schulen des Kreises
Bad Münstereifel: Mit „Sprache ist das eleganteste Werkzeug – und auch das gefährlichste“, brachte Juror Magnus Schweers die Bedeutung von Rhetorik auf den Punkt. Nach der Begrüßung von Rosi Bitterberg, die den Wettbewerb mit ihrer rotarischen Kollegin Angelica Netz organisiert hatte, startete Emilia Hey als erste der zehn Schülerinnen und Schüler, die sich auf den Rhetorikwettbewerb mit einem Thema ihrer Wahl vorbereitet hatten. Die Reihenfolge der Vorträge war gelost worden. Die Schülerin des Gymnasiums Am Turmhof beeindruckte sogleich mit einer offenen und nachdenklichen Reflektion aus der Sicht einer sehr erfolgreichen Schülerin. In „Perfekt auf dem Papier – Der Preis für gute Noten“ bedauerte sie, nicht mehr als Person, sondern nur als Chat-GPT auf zwei Beinen gesehen zu werden und beleuchtete die Schattenseiten des vermeintlichen Erfolgs. Ihr Plädoyer für den Blick auf den Menschen und nicht auf seine Leistungen hinterließ ein nachdenkliches Publikum.
Erik Bosse „beamte“ sich mit seinem Vortrag „Zukunft“ gefühlt ins Jahr 2068 – sein 60. Lebensjahr – und gestaltete seinen Vortrag als eine Anklage vor Gericht an sein zukünftiges „Ich“. „Euer Ehren, ich bedaure vergessen zu haben, wofür ich als junger Mensch stehen wollte und keine eigene Persönlichkeit mehr zu haben“, klagte er sich beispielsweise aus der Sicht des 60jährigen Ichs an. Die Reflektion des 18-jährigen Schülers des Frankengymnasiums zeugte von erstaunlicher Erlebenserfahrung, Weitblick und überzeugte Auditorium und Jury: Der erste Platz!
Zehra Akin vom Emil-Fischer-Gymnasium erläuterte in „Erst im Licht beginnt man zu blühen“, dass Menschen erst durch Wertschätzung und Anerkennung wachsen und ihr Glück finden können. Levi Erlinghagen, Schüler des St. Michael Gymnasiums plädierte mit „9 Uhr – Schulstart“ aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse für einen späteren Schulstart, damit durch Schlafmangel verursachte gesundheitliche Risiken vermieden werden könnten.
In seinem Vortrag „Wehrpflicht“ stellte Bischof Leopold, Schüler der Marienschule Euskirchen, die Frage, ob der Zweck der Verteidigungsfähigkeit eine Wehrpflicht rechtfertige.
„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“, mit diesem Zitat des Philosophen Thomas Hobbes begann Clara Beisert von der Gesamtschule Mechernich ihren spannenden Vortrag „Macht am Beispiel von Kannibalismus“. Gruselig überzeugend zog die Schülerin der Q1 Parallelen zu Machtgelüsten gefährlicher Persönlichkeiten: „Jemand schaut Dir in die Augen und Du siehst, Du bist Nahrung für ihn“, begreift sie Kannibalismus als Synonym für Machtmissbrauch und richtete einen Appell für Menschlichkeit an das Auditorium. Platz zwei für die drastisch zutreffend beschriebenen Mechanismen von Ausbeutung und Ausnutzung von Abhängigkeiten.
„Von der Angst, ehrlich zu sein“, berichtete Wivien Nölkensmeier vom St. Michael Gymnasium. Ihre Erkenntnis: Man kann nicht von allen Menschen gemocht werden. Ehrlichkeit bedeutet Bewertung zuzulassen, dazu gehöre Mut. Sie wolle mit gutem Beispiel vorangehen. Platz drei für den Mut der ehrlichen Einblicke in die Seele.
In ihrem Vortrag „Warum wird ein Mensch kriminell“ erläuterte Fatima Junusova von der Gesamtschule Mechernich den Einfluss des persönlichen Umfeldes auf die Entwicklung eines jungen Menschen und appellierte an die Gesellschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Emotional berührend gab Liliana Blume, Schülerin des Emil-Fischer-Gymnasiums, mit „Liebe“ Einblicke in eine verflossene Beziehung, die zwischen Verständnis für die Trennung, noch vorhandener Gefühle und der Hoffnung auf ein Happy-End schwankt. Die junge Frau empfahl allen Paaren, mit Leidenschaft, Mühe und Respekt das Beziehungsglück zu bewahren.
Kritisch und beunruhigt bewertete Leander Dehner, Schüler der Marienschule Euskirchen, mit „Konflikt zwischen Demokratie und Parteiverbot“ die aktuelle politische Entwicklung in Deutschland. Sein Appell an die Politiker: „Macht gute Politik und erweckt Vertrauen“, denn ein Parteiverbot könne seiner Meinung nach die Gesellschaft nicht zurück in die demokratische Mitte bringen.
Angelica Netz, ehemalige Chefredakteurin des WDR moderierte den Wettbewerb souverän und professionell. Mit der prominent besetzten Jury, Rike Nieuwenhuis, Journalistin, Magnus Schweers, Mitarbeiter beim öffentlichen Rundfunk und Katharina Pütz, Inhaber der Buchhandlung „Die Leserei“ aus Bad Münstereifel, bewerteten drei Sprachprofis die Vorträge der jungen Leute. „Kriterien für unsere Bewertung sind Aufbau des Vortrags, Zuschauerorientierung und Authentizität der Vortragenden“, erläuterte Angelica Netz die Bewertungsschwerpunkte.
Die Jury war sich einig: Das Niveau der jungen Teilnehmenden war hoch und die Entscheidung über die Platzierungen keine einfache. Die jungen Menschen hatten das, was die Gesellschaft umtreibt, in ihren Vorträgen thematisiert und dabei mutig ihre Gefühle offenbart.
Die Präsidenten der organisierenden Rotary-Clubs Dr. Wolfgang Köhler (Euskirchen) und Tom Erlenbruch (Euskirchen-Burgfey) hatten die Vorträge beeindruckt verfolgt und überreichten den Teilnehmenden anerkennend Gewinne und Urkunden. (RiWi/epa)