Im Ortsteil Binsfeld soll auf einem zehn Hektar großen Gelände der Biodiversitäts-Solarpark Bubenheim entstehen. Bild: F&S solar
Euskirchener Solarprojektierer F&S solar und Energie- und Entsorgungsdienstleister BETREM sorgen für regenerative Energie und schaffen gleichzeitig Lebensraum für zahlreiche Arten
Nörvenich – In der Gemeinde Nörvenich soll im Ortsteil Binsfeld auf einem zehn Hektar großen Gelände der Biodiversitäts-Solarpark Bubenheim entstehen, der mindestens 30 Jahre lang rund 13 Millionen Kilowattstunden Strom jährlich produzieren kann. Damit könnten rein rechnerisch rund 3.500 3-Personen Haushalte pro Jahr mit grünem Strom versorgt werden. Das entspricht einer CO2-Ersparnis von rund 6.400 Tonnen jährlich gegenüber der konventionellen Stromerzeugung. Doch der Solarpark kann noch mehr als nur Grünstrom zu erzeugen. Als Biodiversitäts-Solarpark setzt das Projekt zusätzlich auch Maßnahmen zur Förderung der Lebensraumbedingungen auf dem Solargelände um. Diese sollen zur Verbesserung und Erhöhung der Biodiversität auf der Anlagenfläche beitragen.
Hinter dem Projekt stehen neben dem Euskirchener Solarprojektierer F&S auch der Energie- und Entsorgungsdienstleister BETREM, eine Tochter des im Ruhrgebiet ansässigen Wasserwirtschaftsverbandes Emschergenossenschaft, der als Betreiber die im Solarpark generierte Sonnenenergie zur Sicherstellung eines nachhaltigen Wasserkreislaufs bereitstellen möchte.
Solarpark setzt Maßstäbe für Biodiversität und Nachhaltigkeit
„Dieses Projekt war von Beginn an mehr als nur ein Solarpark – von Tag eins an stand die Entwicklung eines fundierten Biodiversitätskonzeptes im Fokus“, freut sich Yannik Mießeler, Geschäftsführer von F&S. Mit der BETREM habe man zudem einen starken Partner für die Umsetzung gewonnen: „BETREM wird den erzeugten Strom für einen nachhaltigen Wasserkreislauf bereitstellen und ergänzt damit das ganzheitliche Nachhaltigkeitskonzept der Emschergenossenschaft. Damit ist das Projekt in jeder Hinsicht ein Aushängeschild“, so Mießeler weiter.
„Wasserwirtschaft ist Daseinsvorsorge und orientiert sich an Nachhaltigkeitsaspekten. Die Abwasserreinigung und der Betrieb von Pumpwerken sind energieintensive Prozesse. Die Anforderungen an die Abwassereinigung nehmen in Zukunft weiter zu. So ist gesetzlich bereits verankert, durch den Bau einer vierten Reinigungsstufe auf Kläranlagen weitere Schadstoffe im Reinigungsprozess zu eliminieren“, sagt Christian Prissner, Geschäftsführer der BETREM. Dies erhöhe den Energiebedarf weiter. Die im Solarpark erzeugte Energie vermeide darüber hinaus einen teureren Stromeinkauf, wovon letztlich die gebührenzahlenden Bürgerinnen und Bürger im Emscher-Gebiet profitierten. Prissner: „Die Erzeugung von Strom aus Solaranlagen ist günstig. Energiekosten aus diesem Solarpark sind von den Schwankungen der Märkte entkoppelt und somit auf 30 Jahre hinaus planbar.“
Freiwilliges Maßnahmenpaket
Neben der rund zwei Hektar großen externen Ausgleichsfläche, die gezielt als Optimalstruktur für Feldlerche und Rebhuhn entwickelt wurde, setzt das Projekt laut Planer von Beginn an auf ein umfassendes, freiwilliges Maßnahmenpaket zur Förderung der Biodiversität auf der Solarparkfläche. Der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und Dünger, die Verwendung von regionalem Saatgut sowie breitere Reihenabstände der Solarmodule bildeten dabei, so heißt es, die Grundlage. „Breite Modulabstände erhöhen die Licht- und Wärmeverfügbarkeit am Boden. Das fördert das Wachstum von Blütenpflanzen, die wiederum Nahrungsquelle für Insekten und Vögel sind“, so F&S. In Kombination mit der geplanten partiellen Schafbeweidung könne sich somit eine strukturreiche, heterogene Vegetation und ein kleinteiliges Mosaik unterschiedlichster Lebensräume auf der Solarparkfläche entwickeln.
Folgende zusätzliche Maßnahmen möchte man auf der Solarparkfläche umsetzen: An den Modulen sind allein zehn Vogelnistkästen vorgesehen. Entlang eines zehn Meter breiten Blühstreifens sollen darüber hinaus Trockenbiotope aus Totholz sowie aus Steinen entstehen, die Insekten und Reptilien als Lebensraum, Sonnenplatz und Rückzugsort dienen. Zudem möchte man eine Hecke aus standortgerechten, heimischen Gehölzen anpflanzen. Auch die Infrastruktur soll naturnah gestaltet werden. „Die Betriebswege bleiben unversiegelt und werden als Graswege ausgeführt, und die Umzäunung der Anlage schützt bodenbrütende Vogelarten vor Prädatoren wie Füchsen, während gleichzeitig Durchlässe den Zugang für Kleinsäuger wie Hasen und Igel ermöglichen“, so F&S. Ein weiterer Baustein sei die Einrichtung eines Aufstellplatzes für Honigbienen am Blühstreifen, wodurch die Bestäubungsleistung zusätzlich gestärkt werden sollen.
Grundlage der Maßnahmen, so teilt der Solarprojektierer mit, sei eine detaillierte Analyse der vorhandenen Flora und Fauna durch einen Biologen gewesen. Darauf aufbauend habe man gemeinsam ein Konzept entwickelt, das über die umweltrechtlichen Anforderungen weit hinausgegangen sei. Die Fläche diene so der Erzeugung grüner Energie und trage aktiv zur Förderung der Artenvielfalt bei.
Das Genehmigungsverfahren dauerte ungefähr zweieinhalb Jahre. Insbesondere zum Maßnahmenkonzept waren zahlreiche Abstimmungen mit den zuständigen Behörden erforderlich. Im März fand der Baubeginn statt, die Bauzeit beträgt etwa sechs Monate. Yannik Mießeler zeigt sich begeistert über die Kooperation: „Das Projekt zeichnet sich durch eine enge und sehr gute Zusammenarbeit aller Beteiligten aus – von der Gemeinde Nörvenich, über den Grundstückseigentümer bis hin zu den Fachbehörden. Es zeigt, dass Solarenergie und Artenvielfalt keinen Widerspruch darstellen, sondern sich zukunftsweisend und nachhaltig miteinander verbinden lassen.“
Eifeler Presse Agentur/epa