Im Abstand von einer halben Minute begaben sich die Motorräder auf die Piste. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Die historischen Fahrzeuge legten während der 43. Veteranen-veranstaltung jeweils 150 Kilometer zurück – Ältestes Bike war über 100 Jahre alt
Euskirchen-Dom-Esch – Schon am frühen Vormittag des 1. Mai lag über dem Sportplatz in Dom-Esch ein blaugrauer Nebel. Der Geruch von Auspuffgasen mischte sich mit den würzigen Aromen aus der Erbsensuppenkanone und frischem Kaffee. 180 Oldtimer-Motorräder aus der nahen und weiteren Region, teilweise aus Aachen, Köln, Ahrweiler oder dem Märkischen Kreis, waren dem Aufruf des MSC Dom-Esch gefolgt und nach Euskirchen gekommen, um ihre antiken zweirädrigen Schätzchen zu präsentieren. Die meisten waren bereits am Vorabend angereist. Denn schon seit 7 Uhr in der Früh fand die technische Abnahme der historischen Vehikel statt. Mit einem Kaffee in der Hand standen die Teilnehmenden in Grüppchen beieinander und fachsimpelten über ihre Maschinen, tauschten Erfahrungen aus, verrieten, wo man noch Ersatzteile finden konnte oder erklärten detailgetreu kleinere und größere Eingriffe an ihren Motorrädern, die sie selber vorgenommen hatten.
Nach einer kurzen Fahrerbesprechung ging es ab 9 Uhr auf die Piste. Im Abstand von einer halben Minute starteten die Teilnehmer mit ihren Motorradveteranen zu einer 50 Kilometer langen Strecke, die mit Schildern des Veteranen-Fahrzeug-Verbands (VFV) ausgestattet worden war. Ein rundes Schild bedeutete beispielsweise: „Rechts ab“, ein dreieckiges Schild: „Geradeaus!“ Ein Besenwagen kümmerte sich um die Motorräder, die auf der Strecke blieben. Gegen 13 Uhr brachen die Veteranen zu einer zweiten Rallye auf. Diesmal galt es, 100 Kilometer durch die Eifel bis hoch nach Reckerscheid zurückzulegen, wobei es das Wichtigste war, das Ziel zu erreichen und heil wieder in Dom-Esch anzukommen.
Baujahr 1922
Mittendrin im Getümmel kümmerten sich der erste Vorsitzende des MSC Dom-Esch, Georg Schniederjürgen, und seine Helfercrew um alle anfallenden Probleme und um den planmäßigen Ablauf der Mammutveranstaltung. Der motorradbegeisterte Vorsitzende schickte jeden der 180 Fahrerinnen und Fahrer persönlich auf die Strecke, hatte für den ein oder anderen noch ein aufmunterndes Wort parat, gab ein paar Ratschläge oder hörte sich noch rasch an, mit welchem besonderen Problem der Starter an diesem Tag zu kämpfen hatte. Dann aber hieß es: „So, dann loss!“
„Das ist heute schon unsere 43. Veteranen-Veranstaltung“, berichtete Schniederjürgen. „Das älteste Motorrad, das heute an den Start gegangen ist, ist über 100 Jahre alt, genauer: Baujahr 1922. Man kann sagen, wir haben hier schon einige Schätzchen am Start.“ Schniederjürgen erklärte, dass auf die Fahrer nach ihrer Ankunft noch eine Prüfung warte: „Sie müssen mit dem Hinterreifen über eine Hupe fahren.“
Zwar gingen an diesem sonnigen Tag überwiegend männliche Fahrer an den Start, doch waren auch einige Frauen dabei. Eine ältere Dame in Lederkombi berichtete: „Die Stimmung ist hier sehr gut. Ich bin zum ersten Mal mit meiner DKW RT 200, Baujahr 1951, dabei, die ich schon seit 50 Jahren fahre.“
Roller mit Anhänger
Neben den Startern kamen auch viele Zuschauer auf den Platz und staunten über die glanzpolierten und bestens gepflegten Schätzchen. Viele Motorräder erzeugten bereits vom Namen her ein Raunen. Ob Moto Guzzi, BMW, DKW, Harley Davidson, Kawasaki, Triumph, Ardie, Adler, Florett, Nimbus, Suzuki, Standard, Fantic Motor, Zündapp, Honda oder auch einige Roller aus der ehemaligen DDR samt Anhänger: Die Begeisterung für all diese knatternden Zeugen einer vergangenen Zeit war groß.
Im nächsten Jahr wird der MSC Dom-Esch 75 Jahre alt. Ob es dann wieder eine Veteranenrallye geben wird, ist noch ungewiss. Georg Schniederjürgen berichtete, dass es immer schwerer werde, Freiwillige zu finden, die die Veranstaltung mit ihm organisierten. So muss nicht nur die Strecke ausgewiesen und eine Straße im Starterbereich gesperrt werden, sondern es müssen auch die Fahrerinnen und Fahrer verköstigt werden. Das alles kostet und ist ohne Sponsoren kaum vorstellbar. Aber eine Geburtstagsfeier ohne Veteranenrallye kann man sich beim MSC wahrscheinlich noch weniger vorstellen.
Eifeler Presse Agentur/epa