Kunst und Kultur

Shantychor „Blaue Jungs“ feiert 30. Geburtstag

Aus einer kleinen Gründungscrew entwickelte sich im Laufe der Jahre eine eingeschworene Gemeinschaft – Nach Auflösung seiner Band „BüLaRose“ hat Ex-Landrat Günter Rosenke als Gitarrist bei den „Blauen Jungs“ angeheuert – Günter Niedermeier gehört mit 92 Jahren noch immer zu den aktiven Chorsängern

Der Shantychor „Blaue Jungs“ aus Weilerswist feiert seinen 30. Geburtstag. Bild: Konrad Blotzheim

Weilerswist – Wenn hier in der Gegend Lieder von Wind und Wellen erklingen, von Fernweh, fernen Häfen und der Sehnsucht nach dem Meer, dann ist der Shantychor aus Weilerswist nicht weit. Und wenn die „Blauen Jungs“ ihre Stimmen erklingen lassen, geht es weit mehr als nur um Seemannslieder. Es geht um Gemeinschaft, um Freundschaften und um die Freude daran, Menschen mit Musik zusammenzubringen. Das lebt der Shantychor „Blaue Jungs“ Weilerswist nun schon seit 30 Jahren – und dieses besondere Jubiläum, unter der Schirmherrschaft von Landrat Markus Ramers, soll gemeinsam mit vielen Freunden und Gästen am Samstag, 18. Juli, von 17 bis 20 Uhr (Einlass 16 Uhr) im Schützenzelt auf dem Schützenplatz in Weilerswist gefeiert werden.

Begonnen hat alles im Jahr 1996 – und zwar ziemlich unspektakulär. Auf einem verregneten Feuerwehrfest entstand bei einigen Mitgliedern der Karnevalsgesellschaft Blau-Gold die Idee, einen Shantychor zu gründen. Aus dieser spontanen Eingebung wurde schnell mehr. Elf Männer trafen sich wenig später in der Bahnhofsgaststätte Weilerswist, um gemeinsam Seemannslieder zu lernen.

Dabei hatten die Gründungsmitglieder ein ganz besonderes Ziel vor Augen: Sie wollten auf dem berühmten Segelschiff Alexander von Humboldt anheuern und das Leben an Bord kennenlernen. Tatsächlich wurde dieser Traum bereits im darauffolgenden Jahr Wirklichkeit.

Mit dabei war schon damals Gründungsmitglied Günter Niedermeier, der bis heute als ältester aktiver Sänger (92 Jahre) zum Chor gehört. Als Touristen gingen die „Blauen Jungs“ jedoch nicht an Bord: Sie mussten wie die Stammbesatzung Wache schieben und kräftig mit anpacken – vom Segelsetzen bis zum Deckschrubben. Spätestens danach durfte sich jeder mit Recht als echter Seebär fühlen.

Aus der kleinen Gründungscrew entwickelte sich im Laufe der Jahre eine eingeschworene Gemeinschaft. Zahlreiche Auftritte führten die Sänger weit über die Grenzen von Weilerswist hinaus. Ob bei Schützenfesten, Feuerwehrfesten, Weihnachtsmärkten, Jubiläen, Benefizveranstaltungen oder in Seniorenheimen – die „Blauen Jungs“ sorgten überall für maritime Stimmung und luden ihr Publikum zum Mitsingen ein. Bis zum heutigen Tag prägt diese Verbundenheit mit der Heimat unverändert das Wirken des Shantychors, wenngleich er natürlich, wie es sich für echte Seeleute gehört, immer wieder auf große Fahrt geht und Abenteuer sucht.

Kameraden wurden zu Freunden

Und so gab es viele besondere Erlebnisse und Höhepunkte: anlässlich des fünfjährigen Bestehens eine erneute Fahrt auf der Alexander von Humboldt zur Kieler Woche, Besuche bei der Marinekameradschaft Euskirchen, spontane Konzerte auf Reisen, ob auf dem Ijsselmeer, dem Rursee, der Mosel, der Spree oder in Maastricht. Ein Konzert in Weilerswist zum zehnjährigen Jubiläum, ein Auftritt in Belgien oder auch musikalische Besuche in den hohen Häusern der Politik – im Deutschen Bundestag und im Landtag Nordrhein-Westfalen waren weitere herausragende Erfahrungen, die tief im Bewusstsein des Shantychors verankert bleiben werden. Doch mindestens genauso wichtig waren die vielen gemeinsamen Stunden abseits der Bühne – bei Sommerfesten, Ausflügen oder dem traditionellen Matjes-Essen.

„Aus Kameraden werden Freunde“ – dieser Satz beschreibt wohl am besten, was den Chor seit drei Jahrzehnten ausmacht. Viele Sänger gehören den „Blauen Jungs“ bereits seit vielen Jahren an. Gleichzeitig ist die Mannschaft immer wieder gewachsen und hat neue Mitglieder aufgenommen. Heute zählt der Chor 30 aktive Sänger, die nicht nur aus Weilerswist, sondern aus der gesamten Region kommen.

Seit 2013 steht René Bertram als musikalischer Leiter am Ruder. Im letzten Jahrzehnt hat sich das Repertoire behutsam erweitert und weiterentwickelt. „Mir war aber wichtig, dass wir die Wurzeln der Shantymusik nicht aus den Augen verlieren“, so Bertram. Im Frühjahr dieses Jahres stellte der Chor zudem die Weichen für die Zukunft und ließ sich als gemeinnütziger Verein eintragen.

30 bewegte Jahre

Das Jubiläumskonzert soll deshalb nicht nur ein Rückblick auf 30 bewegte Jahre sein. Vor allem möchten die „Blauen Jungs“ gemeinsam mit ihrem Publikum feiern und Danke sagen – für die Unterstützung, die Treue und die vielen Begegnungen, die den Chor über all die Jahre begleitet haben.

Wer Lust auf einen Abend mit unserer Gastsängerin Kristina Linden hat, volle maritime Klänge und unterhaltsame Geschichten hören möchte, ist herzlich eingeladen mit an Bord zu kommen. Ein Wiedersehen gibt es auch mit dem ehemaligen Landrat Günter Rosenke, der als Gitarrist bei den „Blauen Jungs“ angeheuert hat.

Die Moderation hat der Journalist und Diakon Manfred Lang übernommen. Er möchte den Gästen ein Kapitel Geschichte und Kultur der „Blauen Jungs“ im Zeitraffertempo präsentieren. Der Eintritt für das Wohltätigkeitskonzert ist frei. Über eine Spende freuen sich die „Blauen Jungs“. Der Reinerlös kommt dem Verein „Hilfsgruppe Eifel“ zugute. (eB/epa)