Ein vorläufig letztes Mal machte das rote „GiroCents“-Schwein jetzt im Kreis Euskirchen Halt, diesmal bei der Lebenshilfe Kreisvereinigung Euskirchen. Der Vorstandsvorsitzende der KSK, Holger Glück (r.), konnte erneut gut 11.000 Euro an Zuwendungen an ehrenamtliche Initiativen und Vereine im Kreis Euskirchen überreichen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Erneut konnte die Kreissparkasse Euskirchen finanzielle Unterstützung aus dem Kundenspendenprogramm „GiroCents“ für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellen – Stiftungs- und Zuwendungswesen wird digital neu aufgestellt
Euskirchen – Am Mittwochnachmittag machte das rote Spendenschwein von „GiroCents“ zum vorerst letzten Mal im Kreis Euskirchen Halt. Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Euskirchen (KSK), Holger Glück, berichtete, dass „GiroCents“ in der derzeitigen Form leider eingestellt werden müsse, da der Betreiber der digitalen Plattform den Vertrag gekündigt habe. Doch versprach er auch gleichzeitig, dass die Kreissparkasse derzeit an einer Folgelösung arbeite und das gesamte Stiftungs- und Zuwendungswesen neu aufstellen möchte, so dass es zukünftig möglich sein soll, Spendenanträge komplett digital einzureichen und zu einem späteren Zeitpunkt auch Privatspenden und Spenden-Votings zu steuern.
Lob hatte der Vorstandsvorsitzende vor allem für die zahlreichen Ehrenamtlichen, die man in den vergangenen Jahren habe kennenlernen dürfen: „Sie alle engagieren sich mit Herz und sind mittendrin in der Gesellschaft, so dass wir uns freuen, Ihre Mühen heute wieder ein wenig aus unserem Kundenspendenprogramm belohnen zu dürfen“, so Glück, der die vorerst sechs letzten Spendenempfänger diesmal bei der Lebenshilfe Kreisvereinigung Euskirchen begrüßte. Viele Kundinnen und Kunden der KSK hätten zwölf Jahre lang einmal am Monatsende die Nachkommazahlen auf ihrem Konto – also zwischen einem und 99 Cent – für den guten Zweck gespendet. „Beteiligt haben sich zuletzt ca. 4.000 Kunden, so dass wir nach einer kleinen Aufstockung halbjährlich rund 11.000 Euro ausschütten konnten“, erinnerte Glück.
Soziale Teilhabe
Christian Meyer, der Geschäftsführer der vor 60 Jahren gegründeten Lebenshilfe Kreisvereinigung Euskirchen, begrüßte die Spendenempfänger in den Räumlichkeiten der Lebenshilfe am Kirchplatz. Er berichtete, dass die Lebenshilfe als Dienstleister für Menschen mit Behinderung ihre Klienten in ihrem Bestreben unterstütze, gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen. Menschen mit Behinderung erführen durch die Lebenshilfe Unterstützung bei der Verwirklichung ihrer Interessen und Rechte, insbesondere in Hinblick auf das Recht der Selbstbestimmung und der sozialen Teilhabe. Die Lebenshilfe betreibt mehrere Wohnstätten im Kreis Euskirchen sowie einige Fachdienste.
Im Freizeit- und Familienbereich sei man auf zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer angewiesen. Hier betreue man vorwiegend Menschen mit Behinderung, die noch in ihren Familien lebten. Gerade der Freizeitbereich sei da „chronisch unterfinanziert“, so Meyer. „Aus der Elternschaft kam im vergangenen Jahr der Wunsch, eine Ferienbetreuung anzubieten, da der bisherige Anbieter sein Angebot eingestellt habe“, so Meyer. Das Angebot habe jedoch durch die Pflegekasse nicht gegenfinanziert werden können, da viele Kinder und Jugendliche einen 1:1-Betreuungsbedarf gehabt hätten. „In diesem Jahr starten wir das Projekt erneut, diesmal in den Räumlichkeiten der Max-Ernst-Schule mit über 20 Übungsleitern“, freute sich Meyer und bedankte sich für die „GiroCents“-Spende, die für dieses Ferienprojekt verwendet werde.
Ein weiterer Spendenempfänger war der TuS Chlodwig 1896 in Zülpich. Der Sportverein hatte die „GiroCents“ allerdings schon für den „Tag des Sports“ ausgegeben, der am vergangenen Samstag auf den Sportanlagen an der Blayer Straße stattgefunden hatte. „Wir sind ein Sportverein mit verschiedenen Sparten und rund 2.200 Mitgliedern“, berichtete der stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Hassel. Am „Tag des Sports“ habe man die Besucherinnen und Besucher vor allem zum Mitmachen anregen wollen. „Man konnte die verschiedensten Sportarten direkt ausprobieren, Trainerinnen und Trainer kennenlernen und die Freude an Bewegung erleben“, berichtete er. Besonderes Highlight sei die moderne Trendsportart „Arrow Tag“ gewesen, bei der Elemente aus dem Bogenschießen und dem Völkerball miteinander verbunden werden oder wie Hassel sagte: „Das ist Paintball mit Pfeil und Bogen.“ Die Veranstaltung sei ein großer Erfolg gewesen.
Inklusives öffentliches Konzert
„GiroCents“ für ein inklusives Musikprojekt erhielt das Mandolinenorchester 1921 Kuchenheim. „Stellen Sie sich einen Raum vor, in dem Menschen zusammenkommen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch gemeinsam musizieren möchten“, beschrieb die erste Vorsitzende Claudia Meixner das Projekt. Individuell angepasst an die Bedürfnisse der einzelnen Teilnehmer sollen dazu Stücke umgeschrieben und eingeübt werden. Umsetzen möchte man das Projekt mit Beschäftigten der Nordeifel.Werkstätten (NE.W) in Kuchenheim – die Teilnehmenden benötigen dabei keinerlei musikalische Vorerfahrung. „Fehler sind erlaubt und jeder Fortschritt wird gefeiert“, so Mitstreiterin Katja Vogt. Der Höhepunkt des Projekts soll ein großes öffentliches Konzert werden.
Finanzielle Unterstützung für eine Ferienfreizeit in den Sommerferien in Südfrankreich erhielt die Sophiengemeinde Euskirchen und Weilerswist. Die Sommerfreizeit richtet sich an alle Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Die neue Kinder- und Jugendleiterin der Evangelischen Kirchengemeinde Flamersheim, Janine Fries, wies eindringlich auf die finanziellen Schwierigkeiten ihrer Klientel hin. Viele seien froh, wenn sie im Jugendtreff eine warme Mahlzeit bekämen. „650 Euro für eine Freizeitfahrt nach Frankreich sind da für einige Jugendliche nicht bezahlbar“, soFries. Umso mehr freute sie sich, dass nicht zuletzt auch mit der Unterstützung von „GiroCents“ alle Jugendlichen in diesem Jahr mit nach Südfrankreich fahren könnten.
Als Freund und Förderer der Gesamtschule der Stadt Euskirchen erwies sich Holger Glück, der – da niemand aus dem gleichnamigen Förderverein erschienen war – es kurzerhand selbst übernahm, das Spendenprojekt vorzustellen: Ziel sei es, mit dem Geld den Schulhof weiter aufzuwerten. Es soll mehr Sitzgelegenheiten zum Plauschen und Verweilen geben. Außerdem benötige man für die Sommermonate dringend ein paar Schattenplätze. Darüber hinaus bestehe der Wunsch, die eine oder andere triste Wand mit Wandmalereien zu verschönern, berichtete Glück.
30 Leben gerettet
Nicht mit Malereien, sondern mit lebensrettenden Defibrillatoren (AEDs) möchte hingegen der Verein Lebensretter im Kreis Euskirchen manche Wand in der Region ausstatten. Und dieses Ziel scheint schon bald erreicht. Derzeit fehlen noch rund 50 Geräte. Der Verein wurde vor fünf Jahren mit dem Ziel gegründet, flächendeckend im Kreis Euskirchen AEDs zu installieren. „Auch Dank der großzügigen Zuwendungen der Sparkasse haben wir bis heute eine fast 90-prozentige Abdeckung im Kreis Euskirchen erreicht“, freute sich Leo Röder, Kassierer bei den Lebensrettern. Aber mit der Anschaffung der Geräte sei es nicht getan. Man müsse auch Menschen schulen, damit diese die Defibrillatoren richtig bedienen könnten. Darüber hinaus müssten die AEDs regelmäßig gewartet und kontrolliert werden. „Das allein wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine sechsstellige Summe kosten“, prophezeite Röder. Doch die Ausgaben lohnten sich. Im Kreis Euskirchen habe man durch AEDs schon 30 Menschenleben retten können.
Die KSK gehört mit zu den größten Unterstützern des Vereins. Allein im Jahr 2022 wurden bereits über 10.000 Euro aus den Mitteln des PS-Zweckertrages für die Anschaffung von Defibrillatoren zur Verfügung gestellt. „Ohne die Unterstützung der KSK wären wir noch lange nicht so weit, wie wir es heute sind“, betonte auch Vereinsmitglied Martin Duske.
„Ihre Arbeit ist unendlich wichtig in einer Zeit, in der die gesellschaftliche Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, immer mehr schwindet“, so Holger Glück an die Anwesenden. Dafür gebühre allen ehrenamtlich Engagierten ein herzlicher Dank. Diese gaben den Dank prompt an die Kundinnen und Kunden der KSK zurück, die mit ihren Spenden tatkräftig unterstützt hatten.
Einen besonderen Dank stattete Glück auch dem altbewährten „GiroCents“-Team der KSK ab, bestehend aus Iris Esselborn, Sebastian Thur und Alexander Rheindorf. Die drei hatten zweimal im Jahr die Spendenübergabe in immer neuen Locations im Kreis Euskirchen organisiert.
Eifeler Presse Agentur/epa