Die Prüfungsbesten erhielten neben ihrem Gesellenbrief eine besondere Anerkennung. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
61 junge Leute wurden im S-Forum der Kreissparkasse Euskirchen in den Gesellenstand erhoben – Im Kreis Euskirchen gibt es 3.200 Handwerksbetriebe
Euskirchen – Am Montagabend endete für gleich 61 Lehrlinge im S-Forum der Kreissparkasse Euskirchen (KSK) die Ausbildungszeit. Sie alle wurden von Kreishandwerksmeister Thomas Rendenbach in den Gesellenstand erhoben. Rendenbach, Maren Deuster als Vertreterin der Geschäftsführung der Kreishandwerkerschaft und Landrat Markus Ramers bedankten sich bei der KSK dafür, dass diese seit vielen Jahren zwei Mal im Jahr für die Lossprechungsfeier einen würdigen Rahmen bietet.
„Mit Ihrem Abschluss haben Sie nicht nur eine Prüfung bestanden, sondern ein Fundament gelegt, auf dem Sie Ihre Zukunft bauen können“, begrüßte Maren Deuster die neuen Gesellinnen und Gesellen. Das Handwerk biete Chancen wie kaum ein anderer Bereich, echte Perspektiven, sichere Berufe, Weiterentwicklung, Meistertitel und Selbständigkeit. „Sie haben vor allem die Möglichkeit, etwas zu schaffen, das bleibt“, so Deuster, „denn Sie gestalten Zukunft mit Ihren Händen, mit Ihrem Kopf und Ihrem Können.“ Dabei repräsentierten die neuen Gesellinnen und Gesellen auch Werte wie Verlässlichkeit, Respekt, Teamgeist und Verantwortung, die im Handwerk tief verankert seien und die man in der Gesellschaft dringend benötige.
Wirtschaftliche Bedeutung und gute Zukunftsperspektive
„Der heutige Tag ist ein ganz besonderer Abschnitt in Ihrem beruflichen Werdegang“, begrüßte KSK-Vorstand Daniel Ruland die Junghandwerkerinnen und -handwerker. Es gehe an diesem Tag nicht darum, einfach nur ein Prüfungszeugnis entgegenzunehmen, sondern auch zu würdigen, was man in den vergangenen Monaten und Jahren geleistet habe. „Sie haben gelernt, gearbeitet und auf jeden Fall durchgehalten und Ihre Prüfung bestanden“, zollte Ruland dem Handwerkernachwuchs seinen Respekt.
Mit 3.200 Betrieben im Kreis Euskirchen sei das Handwerk eine tragende Säule der Region, erinnerte Ruland an die wirtschaftliche Bedeutung dieser Berufssparte. Und das Handwerk biete noch immer Perspektiven, betonte Ruland: „Erstens verlegt die Künstliche Intelligenz, die derzeit überall im Gespräch ist, weil sie manche Arbeiten überflüssig macht, keine Fliesen und schneidet auch keine Haare“, hob er die Krisenfestigkeit des Handwerks hervor. Zweitens verwies er auf die gute Zukunftsperspektive der Branche: Schließlich brauche man nur mit offenen Augen durch die Städte und Dörfer zu gehen, um zu sehen, was noch alles saniert werden müsse. „Und drittens sehen Sie abends, was Sie getan haben“, schloss er und scherzte: „Ich hingegen bin abends, wenn ich nach Hause gehe, einfach nur froh, wenn ich weniger Mails im Postfach habe als morgens.“
„Stahl-Opa“
Landrat Markus Ramers freute sich, dass so viele junge Leute wieder einmal Durchhaltevermögen bewiesen hätten und sich in ihrer Ausbildung nicht hätten beirren lassen. Das erinnere ihn an die Geschichte von Nils Gustaf Håkansson, der als „Stahl-Opa“ in die schwedische Geschichte eingegangen war, nachdem er im Juli 1951 im Alter von 66 Jahren mit dem Fahrrad den Sverigeloppet, ein Rennen über die gesamte Länge Schwedens, bestritten hatte. Da das Höchstalter für das Rennen bei 40 Jahren lag, nahm Håkansson die 1764 Kilometer lange Strecke außer Konkurrenz in Angriff und erreichte das Ziel 24 Stunden vor dem restlichen Teilnehmerfeld. Nicht, weil er Superkräfte besaß, sondern weil er einfach weitergefahren war, während die restlichen Teilnehmer sich zwischendurch einen Erholungsschlaf gegönnt hatten.
„Dieser Mann steht dafür, dass auch diejenigen, denen man vielleicht auf den ersten Blick nicht ansieht, was in ihnen steckt, eine Chance haben und belohnt werden, wenn sie weiter machen und sich nicht darum kümmern, was andere von ihnen denken, sondern einfach nur Durchhaltevermögen beweisen“, so der Landrat.
Fachkräftemangel
Kreishandwerksmeister Thomas Rendenbach freute sich ebenfalls über den Handwerkernachwuchs. Er betonte jedoch, dass der Fachkräftemangel für die Volkswirtschaft weiterhin ein großes Problem darstelle. „Viele Unternehmen haben derzeit zwar volle Auftragsbücher, können diese aber nicht abarbeiten, weil Fachkräfte fehlen“, so Rendenbach. Durch Fehler in der Bildungspolitik habe man sich in diese missliche Lage manövriert. Jahrzehntelang habe man behauptet, es gebe zu wenig Akademiker in Deutschland. „Natürlich brauchen wir auch gut ausgebildete Wissenschaftler. Fakt ist aber, dass wir sehr viel weniger Philosophen, Soziologen und Literaturwissenschaftler benötigen als Frisöre, Maurer und Schlosser“, so Rendenbach. Er forderte die jungen Leute daher auf, Botschafter für das Handwerk zu werden.
Als Prüfungsbeste wurden geehrt: Maurer Frederik Charles James Hitzges, Theo Lorbach Hochbau GmbH in Zülpich; Straßenbauer Timo Ronig, Geschwister Balter in Hellenthal; Fliesenleger Niklas Saftig, Ausbildungsbetrieb Mario Bannert in Nettersheim; Elektroniker Lukas Peter Hoever, Ausbildungsbetreib Dennis Heek in Kall; Friseur Moritz Züll, Ausbildungsbetrieb Judith Kneuttinger in Mechernich; Kraftfahrzeugmechatronikerin Lena Krus, CAR Avenue Autohaus in Euskirchen; Kraftfahrzeugmechatroniker Benedikt Henk, TM-Motorsport-Vertriebs-GmbH in Euskirchen; Metallbauer Alexander Halff, Müller & Sohn in Kall und Zimmerer Tobias Fraunkron, Ausbildungsbetrieb Marcus Jütten in Hellenthal.
Musikalisch begleitet wurde der Abend von Karl Nolden, der diesmal als Multiinstrumentalist seine komplette Band M.A.K. ersetzte und an Keyboard und Saxophon gleichermaßen souverän agierte.
Eifeler Presse Agentur/epa
Die losgesprochenen Handwerkslehrlinge im Kreis Euskirchen:
Bau-Innung Euskirchen
Elektroinnung Euskirchen
Friseur-Innung Euskirchen
Stuckateur-Innung Düren-Euskirchen
Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Euskirchen
Innung für das Kraftfahrzeuggewerbe Euskirchen
Maler- und Lackierer-Innung Euskirchen
Metall-Innung Düren-Euskirchen
Tischlerinnung Euskirchen
Zimmerer-Innung Euskirchen