Gesellschaft und Soziales

Martin Schopps und „Kasalla“ sorgten für Partystimmung im Kulturkino Vogelsang

Rund 800.000 PS-Lose verkauft die Kreissparkasse Euskirchen jedes Jahr – PS-Sparerinnen und -Sparer ermöglichen damit 200.000 Euro Unterstützung für gemeinnützige Projekte im Kreis Euskirchen – Bei der Live-Ziehung der Gewinnzahlen konnte man jetzt wieder bis zu 250.000 Euro gewinnen

Kaum hatten die Kölschrocker von „Kasalla“ die ersten Takte gespielt, schon erhoben sich die Publikumsmassen zum Tanzen und Schunkeln. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Schleiden-Vogelsang – Menschen, die nicht aus dem Rheinland stammen, könnten den rheinischen Frohsinn irrtümlich für eine Massenpsychose halten. Da greift einer zur Klampfe, spielt nur zwei Akkorde, singt etwas von „Meiers Kättchen“ – und Hunderte von Menschen im Saal erheben sich schlagartig und singen augenblicklich unisono mit. Im Kulturkino Vogelsang ließ sich dieses Phänomen am Dienstagabend gleich mehrfach studieren. Eingeladen hatte die Kreissparkasse Euskirchen (KSK) zur großen Live-Ziehung der PS-Gewinnzahlen und dabei gleich auf zwei Publikumsmagneten gesetzt: Den Karnevalisten, Büttenredner und Moderator Martin Schopps sowie die Kölschrock-Band „Kasalla“. Das Konzept ging auf, und die Tatsache, dass im Saal wahrscheinlich niemand bei der PS-Auslosung die 250.000 Euro gewann, schien völlig unerheblich, solange man etwas zu lachen und zu feiern hatte. Und das hatte man zur Genüge.

Unterhaltsam und informativ berichteten Holger Glück (v.l.), Vorstandsvorsitzender der KSK, und Moderator Martin Schopps über die sozialen Projekte, die durch den „PS-Zweckertrag“ gefördert werden konnten. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Seit seinem Auftritt im vergangenen Jahr im Stadttheater Euskirchen hat sich Martin Schopps quasi von jetzt auf gleich zum Publikumsliebling bei der PS-Auslosung gemausert, auch wenn er selbst behauptet, sein Auftritt sei nur der Tatsache geschuldet, dass er ziemlich gut klüngeln könne. Wie wohl auch alle in der ersten Reihe: „Wie hättet ihr sonst die Karten ergattert?“ Als ehemaliger Lehrer gewährte Schopps humorvolle Einblicke in den Schulalltag, nahm Schüler und Helikopter-Eltern aufs Korn, stellte Vergleiche zwischen der „harten“ Erziehung von früher und der „verweichlichten“ von heute an, amüsierte sich über politische Korrektheit, moderne Sprachalbernheiten und gesellschaftliche Trends und hatte vor allem stets ein paar spitzzüngige Gags auf Lager.

Seitenhieb mit Krätzchen

Als Glücksbote bei der PS-Lotterie-Ziehung konnte Niklas Fischer (v.l.), KSK-Azubi im dritten Lehrjahr, auf der Bühne locker mit Martin Schopps plauschen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

So wusste Schopps beispielsweise von Pubertierenden zu erzählen, dass sie ihr Zimmer eigentlich nur verließen, wenn sie Hunger hätten. Ein Jugendzimmer sei der eigentliche Grund für die Erfindung der FFP2-Maske gewesen, ätzte Schopps. „Und ein Besuch in einem Jugendzimmer kann man vergleichen mit einem Besuch bei Ikea: Eigentlich wollte man nur kurz reingehen und kucken, und dann kommt man trotzdem wieder raus mit vier Tellern, sechs Schüsseln, Handtüchern und ’nem Haufen Zeugs, das man gar nicht braucht.“

Über den Bildungsnotstand junger Leute lästerte Schopps: „Laut Pisa-Studie gilt man mittlerweile schon als hochbegabt, wenn man sich mit 15 Jahren selbständig die Schuhe zumachen kann, ohne dabei die Klettverschlüsse aneinander zu knoten.“ Und die Politik erhielt in einem gereimten Krätzchen den Seitenhieb: „Grüne Regierung hat uns geweckt, jetzt sind wir politisch und sprachlich überkorrekt. Es heißt nicht mehr nur Bio-Freiland-Ei, sondern das Ei war von der Henne gewünscht und der Hahn bei der Geburt mit dabei.“

„Sparen, gewinnen, Gutes tun, das ist doch ein tolles Motto für einen Abend“, freute sich der KSK-Vorstandsvorsitzende Holger Glück, der auf der Bühne kurz erklärte, was das Besondere an der PS-Lotterie ist: „Fünf Euro kostet das Los, ein Euro geht in den Lotterietopf, davon werden 55 Cent an Gewinn ausgeschüttet und 25 Cents gehen als ‚Zweckertrag‘ zurück in die Region für gemeinnützige und soziale Projekte. Das ist es, was diese Lotterie so attraktiv macht.“ Mit diesem Geld sorgten die PS-Sparer und Sparerinnen dafür, dass Kunst, Kultur, Sport, schulische und außerschulische Bildung sowie ehrenamtliches Engagement gefördert werden konnten. Beispielhaft stellte Glück in einem Videobeitrag zwei dieser Projekte vor: So unterstützt der „PS-Zweckertrag“ seit vielen Jahren die Musikschule Euskirchen und den Wettbewerb „Jugend musiziert“ ebenso wie die närrische Brauchtumspflege und die Jugendarbeit in den Karnevalsvereinen des Kreises Euskirchen.

„Alle Jläser huh“

Da man im Jahr 800.000 Lose ausspiele, sei für einen Lehrer wie Schopps doch bestimmt rasch zu errechnen, wieviel Geld damit in die Region fließe, meinte Holger Glück mit einem Augenzwinkern. Der berechnete den „Zweckertrag“ auf 125.000 Euro, musste aber von Glück korrigiert werden, da er bei seiner Rechnung 75.000 Euro unterschlagen hatte.

Für den reibungslosen Ablauf der Ziehung sorgten Udo Langen (v.l.), Niklas Fischer, Fatih Türkoglu und Landrat Markus Ramers. Die Ziehung zur PS-Lotterie wird streng überwacht, der Landrat muss sie sogar nach der Ziehung mit seiner Unterschrift verbürgen – schließlich werden ein bis zwei Millionen Euro pro Ziehung ausgeschüttet. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Dann aber setzte Glücksbote und KSK-Azubi Niklas Fischer auf Geheiß von Udo Langen vom Rheinischen Sparkassen- und Giroverband (RSGV) und seinem Kollegen Fatih Türkoglu die Glückstrommel in Bewegung. Damit bei der öffentlichen Ziehung alles mit rechten Dingen zuging, warf Landrat Markus Ramers einen wachsamen Blick auf sämtliche Vorgänge und drückte unter die Zahlen schließlich sein Amtssiegel.

Das war aber auch die letzte Amtshandlung des Landrats für diesen Abend. Denn kaum war die Lostrommel abgeräumt, sprang „Kasalla“-Frontmann Bastian Campmann auf die Bühne und verwandelte das Kulturkino in eine Riesenparty, der sich auch der Landrat nicht entziehen konnte und wollte. Mit „Alle Jläser huh“ ging die Band vom ersten Stück an in die Vollen und wurde damit ihrem Namen gerecht, denn „Kasalla“ bedeutet auch so viel wie Gas geben, auf den Putz hauen, Krawall, Krach und Action. Selbstverständlich durfte auch der Band-Erkennungssong „Pirate“ nicht fehlen, und Hunderte von Zuschauer verwandelten sich augenblicklich in einen stimmgewaltigen Freibeuterchor.

Um die Organisation der Großveranstaltung hatte sich einmal mehr das Team rund um Sabrina Habeck und Volker Harwarth verdient gemacht, das sich nicht nur um die Künstler, sondern auch um Ausschank, Garderobe und Kartenkontrolle sowie alle anderen anfallenden Aufgaben kümmerte. Dass es sich bei der großen PS-Auslosung auch für die KSK um keinen alltäglichen Termin handelt, zeigte sich daran, dass der komplette Vorstand sowie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Vogelsang gekommen waren. Auch der Ex-Vorstandsvorsitzende Udo Becker und das ehemalige Vorstandsmitglied Hartmut Cremer hatten es sich nicht nehmen lassen, ihren Unruhestand einen Abend lang für den guten Zweck und die gute Laune zu unterbrechen.

Eifeler Presse Agentur/epa