Bürgermeister Emmanuel Kunz zeichnet Harald Heinen mit der goldenen Ehrennadel des Verbandes der Feuerwehren in NRW sowie mit dem goldenen Ehrenzeichen mit Goldkranz des NRW-Innenministers NRW aus. Heinen ist seit mehr als 50 Jahren Mitglied der Feuerwehr. Foto: Reiner Züll
Beim Kameradschaftsabend des Löschzuges beklagte Bürgermeister Emmanuel Kunz zunehmende Angriffe auf Rettungskräfte – Ehrungen und Beförderungen – Ex-Wehrleiter Harald Heinen nun „Alter Sack“
Kall – Bürgermeister Emmanuel Kunz fand beim Kameradschaftsabend des Löschzugs Kall deutliche Worte: „Die Freiwillige Feuerwehr ist weit mehr als eine Organisation, die ausrückt, wenn es brennt. Sie ist ein Stück Zusammenhalt in unserer Gemeinde. Sie gibt den Bürgerinnen und Bürgern das gute Gefühl, dass da Menschen sind, auf die man sich verlassen kann“, sagte Kunz, der in seinem Grußwort auch auf die schlechte finanzielle Lage der Kommune hinwies, die auch für die Feuerwehr eine Belastung sei.
Das treffe vor allen Dingen bezüglich der derzeitigen Haushaltssperre in der Gemeinde Kall auch für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses zu, der erforderlich ist, nachdem das jetzige Domizil 2021 bei der Flut schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war. Der Bürgermeister: „Der Gemeinderat musste sich schweren Herzens dazu entscheiden, die bisherigen Planungen anzupassen und auf das ursprünglich vorgesehene Obergeschoss zu verzichten.“ Gründe seien die geringer als erhofft ausfallende Förderquote des Landes im Rahmen des Wiederaufbaus sowie die angespannte finanzielle Lage der Gemeinde.
„Diese Entscheidung ist niemandem leichtgefallen. Deshalb möchte ich eines deutlich sagen: Wir sparen an der Größe des Gebäudes, nicht aber an unserem Anspruch, eine leistungsfähige Feuerwehr zu ermöglichen.“
Eines, so Kunz, sei ihm wichtig: „Finanzielle Schwierigkeiten dürfen nicht mit fehlender Wertschätzung verwechselt werden. Dass wir nicht alles sofort umsetzen können, bedeutet nicht, dass wir die Bedeutung eurer Arbeit verkennen“. Das Ziel der Gemeinde bleibe klar: „Wir wollen ein Feuerwehrgerätehaus bauen, auf das unsere Feuerwehr und unsere gesamte Gemeinde stolz sein können“, so Kunz: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, den angepassten Bauantrag noch in diesem Jahr einzureichen, damit wir anschließend zügig mit dem Bau beginnen können.“
Der Bürgermeister dankte den Mitgliedern der Feuerwehr Kall. Feuerwehr sei eine echte Ehrensache verbunden mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, für andere da zu sein und einzuspringen, wenn Hilfe gebraucht werde. Und das mitten in der Nacht, am Wochenende oder dann, wenn man eigentlich ganz andere Pläne habe. „Deshalb ist es mir wichtig, heute Abend vor allem eines zu tun: Danke zu sagen. Danke an alle, die sich das ganze Jahr über für die Sicherheit der Menschen in unserer Gemeinde einsetzen“, so Emmanuel Kunz. Ein Kameradschaftsabend sei der richtige Anlass, um die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, die ihre Freizeit investierten, Übungen oder Lehrgänge absolvierten.
„Wenn wir über unsere Feuerwehr sprechen, dann sprechen wir aber nicht nur über den Einsatzdienst. Ihr seid auch ein wichtiger Teil unserer Dorfgemeinschaften“, bedankte sich der Rathaus-Chef. Ein Thema, das ihn besonders beschäftige, seien die Angriffe auf Einsatzkräfte und der fehlende Respekt gegenüber Menschen, die anderen helfen wollen. Kunz: „Wer sich für unsere Sicherheit einsetzt, verdient Anerkennung und Unterstützung – und ganz sicher keine Beleidigungen, Anfeindungen oder gar körperliche Gewalt. Auch bei uns vor Ort müssen wir immer wieder feststellen, dass dieser Respekt nicht selbstverständlich ist.
Deshalb möchte ich heute deutlich sagen: Die Gemeinde Kall steht an eurer Seite. Wir stehen hinter euch und eurer Arbeit“. Es dürfe nicht sein, dass diejenigen, die für Sicherheit der Bürger sorgten, selbst um ihre Sicherheit fürchten müssten: „Wir alle hoffen, dass wir eure Hilfe möglichst selten brauchen. Aber wir sind froh und dankbar, dass es Euch gibt.“
Bevor Bürgermeister Emmanuel Kunz Jubilare ehrte, und der Ausbildungsbeauftragte der Gemeindefeuerwehr Kall, Michael Klinkenberg, mehrere aktive Löschzugmitglieder beförderte, hatten sich auch Löschzugführer Michael Knie sowie seine beiden Stellvertreter, Christoph Hensen und Lukas Keutgen, bei den Einsatzkräften und deren Angehörigen bedankt.
Besonders freute sich Knie über die Anwesenheit einer Abordnung der Feuerwehr aus dem 650 Kilometer entfernten sächsischen Ostrau, die den Löschzug nach der Flutkatastrophe 2021 durch Veranstaltungen des Feuerwehr-Fördervereins in Ostrau finanziell unterstützt hatte. Seitdem verbindet die beiden Wehren eine tiefe Freundschaft. Ostraus Fördervereins-Vorsitzender Mario Thomas hatte einen Kuchen als Gastgeschenk mitgebracht.
Die Löschzugführung und Ausbildungsbeauftragter Michael Klinkenberg vollzogen (bei einigen in Abwesenheit) mehrere Beförderungen. Zur Feuerwehrfrau wurde Larissa Mertens und zum Feuerwehrmann Marlon Nonnen ernannt. Zur Oberfeuerwehrfrau wurde Britta Schwendtner befördert, Leander Lutsch und Phillip Uhlemann zum Oberfeuerwehrmann. Unterbrandmeister sind jetzt Rico Spilles, Hubertus Klinkhammer und Lucas Löffler. Mike Herr wurde zum Brandmeister, Stefan Horbach zum Oberbrandmeister und Lukas Keutgen zum Brandinspektor befördert.
Ihre offiziellen Ernennungen zu Gerätewarten erhielten Bernie Müller und Hubertus Klinkhammer. Ihre Ernennungsurkunden für die nächsten sechs Jahre bekamen Löschzugführer Michael Knie sowie seine beiden Stellvertreter Christoph Hensen und Lukas Keutgen überreicht.
Bürgermeister Emmanuel Kunz hatte dann die angenehme Aufgabe, Ehrenzeichen des NRW-Innenministers sowie des Verbandes der Feuerwehren in NRW zu übergeben. Für 25-jährige Feuerwehrtreue wurde Michael Becker mit dem silbernen Ehrenzeichen und Harald Heinen mit dem goldenen Ehrenzeichen mit Goldkranz des Landes NRW für 50-jährige aktive Mitgliedschaft ausgezeichnet. Heinen bekam außerdem goldene Ehrennadel und Urkunde vom Verband der Feuerwehren NRW.
Harald Heinen, der inzwischen 67 Jahre alt und aus dem Amt des Leiters der Gemeindefeuerwehr ausgeschieden ist, wurde während des Abends offiziell in den „Club der alten Säcke“ aufgenommen. Von „Altsack“ Reiner Züll, der die Laudatio auf das neue Mitglied hielt, wurde Heinen mit blauer Scherpe, dem obligatorischen Ansteck-Säckchen, dem Autokennzeichen „EU – AS 67H“ und der Botschaft ausstaffiert: „Ein alter Sack zu sein ist ehrenvoll und etwas Schönes“. (Reiner Züll/epa)