Sport

Oliver Schäfer aus Kallmuth fing den Weltrekord-Wels

Dem 34-Jährigen ging beim Internationalen Raubfisch-Turnier im polnischen Rybnik ein fast drei Meter langer Wels an den Haken – Oberstes Gebot: Der Fisch darf keinen Schaden nehmen

Fast drei Meter ist der Wels, den Oliver Schäfer (rechts) und sein Freund Kevin Cremers (links) an Land brachten. Copyright & Foto: mikado-total-fishing

Mechernich-Kallmuth – Die Nachricht „Unser Olli hat in Polen den Weltrekord mit dem Fang des größten Welses der Welt aufgestellt“ sprach sich in Kallmuth wie ein Lauffeuer rund. Und auch in der Internationalen Fachpresse für den Angelsport sorgte der 34jährige Oliver Schäfer aus Kallmuth für Schlagzeilen.  Denn ihm war es bei einem Raubfisch-Angelturnier am 10. und 11. Oktober im polnischen Rybnik gelungen, den bislang weltweit größten Wels mit einer Länge von fast drei Metern zu fangen.

Oliver „Olli“ Schäfer ist seit 28 Jahren begeisterter Angler. Im Alter von sechs Jahren hatte er beim Campingurlaub mit seiner Familie an der Mosel „aus Spaß an der Freude“ geangelt. Angeln wurde später immer mehr zu seinem Lebensinhalt. Schäfer hat sich in all den Jahren auf das Fischen von Raubfischen wie Hecht, Zander und Wels spezialisiert.

Oliver Schäfer in Kallmuth mit Urkunde und Sieger-Trophäe. Foto: Reiner Züll

Angel-Reviere des passionierten Eifeler Petri-Jüngers sind vornehmlich die Maas in Holland und der Rhein im Raum Koblenz. Dort, so Schäfer, gebe es gute Welse und Zander. Seit Jahren besitzt er Jahreskarten für das Rheinangeln in Rheinland-Pfalz.

Auf einer Anglermesse lernte Olli Schäfer vor ein paar Jahren seinen heutigen Angelfreund Kevin Cremers aus dem niederländischen Ort Echt kennen. Fortan erlebten beide große gemeinsame Angeler-Abenteuer in ganz Europa mit dem Ziel, eines Tages den größten Wels der Welt zu fangen.  Kevin Cremers: „Olli hat eine außergewöhnliche Art zu angeln. Eine Herangehensweise, die meine eigene perfekt ergänzte. Wo einer von uns vielleicht etwas übersieht, erkennt der andere eine Chance. Wir ergänzen uns, denken ähnlich und vertrauen einander. Es ist uns völlig egal, wer den Fisch fängt. Hauptsache, wir fangen ihn.“

Oliver Schäfer mit einem ganz besonderen Prachtexemplar. Den kapitalen Hecht zog er bei Roermond aus der Maas. Foto: Schäfer

Nach etlichen gemeinsamen Abenteuern beschlossen Kevin und Oliver im vergangenen Jahr am „Catfish Cup Poland“ teilzunehmen. Und dieses Abenteuer, so Olli Schäfer, „beendeten wir beide mit dem Sieg, und das mit einem großen Vorsprung.“

Von einem polnischen Freund erfuhren Schäfer und Cremers, dass in einem Stausee am Kohlekraftwerk in polnischen Rybnik der derzeitige Weltrekord-Wels schwimme, aber noch ein größerer vermutet werde.

„Da müssen wir hin, wir gehen auf die Jagd nach dem Weltrekord-Fisch“ entschieden beide Wels-Jäger und meldeten sich für das Raubfisch-Angelturnier an, das von der strengen Jury des Veranstalters „mikado total fishing“ begleitet wurde.

Diesen Riesen-Zander fing Oliver Schäfer im Rhein bei Koblenz. Foto: Schäfer

Zwei Tage lang gingen in Rybnik 70 Teams mit 150 Anglern aus ganz Europa auf die Jagd auf Hecht, Barsch, Zander und Wels. „Dass wir beide an diesem Wochenende Geschichte schreiben würden, hätten wir niemals für möglich gehalten“, so Oliver Schäfer. Der Turnierstart sei bei 40 km/h-Windgeschwindigkeit nicht einfach gewesen.

Doch nachdem sie einen 83 Zentimeter langer Zander aus dem Wasser gezogen hatten, besserte sich die Stimmung. „Jetzt sind wir im Turnier angekommen“ lautete die Devise für das weitere Abenteuer. Kurze Zeit später gelang Oliver Schäfer der große Wurf. Während Kevin Cremers das Boot steuerte, um überhaupt eine Chance gegen diesen starken Wind zu haben, warf Schäfer die spezielle Großwels-Rute aus.

Dann ein Biss, und schnell wurde Schäfer klar, dass er da einen dicken Brocken am Haken hatte. „Der hat mehr als 2,50 Meter“ war für beide klar. Über eine halbe Stunde kämpfte Olli mit dem Riesenfisch, der sich mit aller Kraft wehrte und dem Kallmuther Angler alles abverlangte. Schäfer: „Den holst Du nicht mal so einfach mit dem Kescher aus dem Wasser.“

Oliver Schäfer (links) und Kevin Cremers am Ziel ihrer Angler-Träume. Copyright & Foto: mikado-total-fishing

Nachdem der Riesenfisch an Land gebracht war, waren sich viele Akteure einig, dass sie sowas noch nicht gesehen hatten. Die Messung der Jury ergab eine Länge von 2,92 Meter. Der Wels passte so gerade noch auf die drei Meter lange Messmatte. Schäfer: „Da kamen mir die Tränen“. Kevin Cremers: „Olli, Du hast den Weltrekord, habe ich ihm zugerufen“. Daraufhin habe Schäfer ihm aber geantwortet: „Nein, wir haben den Weltrekord“.

Es stellte sich heraus, dass der von Schäfer gefangene Wels der gleiche Fisch war, der im Vorjahr als Weltrekord gefangen wurde und der nur etwas dicker geworden war. Der Rekordfisch landet keinesfalls in der Bratpfanne oder beim Präparator. Oliver Schäfer: „Im Regelwerk des Wettbewerbs ist festgeschrieben, dass der gefangene Fisch respektvoll zu behandeln ist und nach dem Vermessen wieder ins Wasser gelassen wird.“ Es gelte das oberste Gebot, dass der Fisch keinen Schaden nehme.

Mit Urkunde, Pokal und tollen Sachpreisen bepackt, wurde Oliver Schäfer zuhause von Ehefrau Kim mit einem Glückwunsch-Plakat empfangen. Auch sie ist im Besitz eines Angelscheines, überlässt das Raubfisch-Angeln aber lieber ihrem Gatten. Kim: „Ich bin ganz stolz auf ihn, aber der fängt immer so große Viecher.“  (Reiner Züll/epa)