Die Neuerscheinung zeigt in Fallbeispielen die schrittweise durch das Nazi-Regime ausgeführte Entrechtung und schließlich Ermordung der Juden im Altkreis Euskirchen. Bild: Geschichtsverein Kreis Euskirchen
Geschichtsverein Euskirchen gibt den 39. Band heraus – „Staatlich verordnete Verwahrlosung“ – „Mit drei Transportzügen vom Bahnhof Köln-Deutz in den Tod geschickt“
Euskirchen – „Die Existenzvernichtung der jüdischen Bevölkerung im Altkreis Euskirchen“, so lautet der Titel der jüngsten Veröffentlichung des Geschichtsvereins des Kreises Euskirchen. Vorgestellt werden soll der 39. Band des Geschichtsvereins am Dienstag, 3. November, ab 18 Uhr, im Alten Casino Euskirchen, Kaplan-Kellermann-Str. 1. Die Eröffnungsrede der Buchvorstellung will Landtagsabgeordneter Klaus Voussem halten. Bei der Präsentation sollen Zeitzeugnisse der Holocaustopfer aus dem Kreis Euskirchen vorgestellt werden.
Das jüdische Leben im Altkreis Euskirchen endet im Juli 1942, so kann man in dem Buch nachlesen: „Zu diesem Zeitpunkt hatten die Nazis aus einst angesehenen Bürgerinnen und Bürgern sowie ihren Kindern vollkommen entrechtete und mittellose Menschen gemacht, die über ihr eigenes Leben nicht mehr die geringste Autonomie besaßen. Der NS-Staat hatte sie systematisch beraubt, entrechtet, in den letzten Jahren in »Judenhäusern« zusammengepfercht und ihnen Kleidung, Seife und Nahrung verweigert. Als Folge dieser staatlich verordneten Verwahrlosung liefen ab 1941/42 Menschen in zerschlissenen Kleidern durch die Straßen, die abgemagert, äußerlich verwahrlost und zudem mit dem gelben Stern gebrandmarkt waren. Ihre Anwesenheit wurde nun von der Mehrheitsbevölkerung als Störfaktor empfunden. Das Regime hatte ein Elend geschaffen, das im wörtlichen Sinne »nicht mehr mit anzusehen« war.“
Ein Drittel der 1933 gezählten 768 jüdischen Mitbürger hatte im Kreis Euskirchen schließlich so verharren müssen. Diese wurden im Juni und Juli 1942 mit drei Transportzügen vom Bahnhof Köln-Deutz in den Tod geschickt. Wenige hatten zuvor aus Deutschland fliehen können. Wer nur den Schutz der Anonymität benachbarter Großstädte gesucht hatte, wurde von dort deportiert.
Diese Studie zeigt in Fallbeispielen ihre schrittweise finanzielle Beraubung, gipfelnd in ihrer sozialen, psychischen und letztlich physischen Vernichtung. Deren Ausmaß wurde oft erst sichtbar beim Versuch der Opfer oder deren Erben, in den „Wiedergutmachungsprozessen“ der Nachkriegszeit eine Entschädigung zu erlangen.
(epa)