Bodenständige Unterstützung in der Agrarwirtschaft will der „Tag der Landwirtschaft“ von Kreisbauernschaft und Kreissparkasse Euskirchen geben: Marco Knips (v.l.) Agrarfachberater der KSK, Helmut Dahmen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Euskirchen, Daniel Ruland, KSK-Vorstand, Erich Gussen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) und Martin Spiegelhalter, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Euskirchen, informierten über die aktuelle Situation in der Landwirtschaft. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
„Tag der Landwirtschaft“ von Kreisbauernschaft und Kreissparkasse Euskirchen ist Netzwerktreffen und Informationsveranstaltung – Ob Basisprämie oder Dieselpreise: Bauernschaft sucht nach sinnvollen Lösungen
Mechernich-Kommern – In einer komplett ausgebuchten Veranstaltung informierten sich jetzt Landwirtinnen und Landwirte am „Tag der Landwirtschaft“ im Hochwildpark Kommern über aktuelle Herausforderungen der Branche. Das alle zwei Jahre stattfindende Event von Kreisbauernschaft und Kreissparkasse Euskirchen (KSK) bietet eine Mischung aus Netzwerktreffen, Informationen zu aktuellen Themen rund um die Landwirtschaft und wertschätzende Aufmerksamkeit.
Bei seiner Begrüßung berichtete Daniel Ruland, seit einem halben Jahr im Vorstand der KSK, dass er selbst auf einem Bauernhof großgeworden ist und mit sechs Jahren das erste Mal auf einem Trecker saß. Auch wenn er einen anderen Berufsweg eingeschlagen habe, sei er doch der Landwirtschaft weiter verbunden, wie die gesamte KSK. Das könne man allein schon daran sehen, dass es bei der KSK einen speziell ausgebildeten Agrarberater gibt: Marco Knips ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „Banker in Gummistiefeln“ – die hat er bei seinen Außenterminen zumindest immer im Kofferraum, da es bei den Beratungen auch schon mal in die Ställe oder auf den Acker geht. Der Fachberater für die landwirtschaftlichen Belange ist nämlich selbst auf einem Hof aufgewachsen und kennt daher die Sorgen und Nöte der Bauern. Er ist zudem Experte für aktuelle Finanzierungs- und Förderprogramme in der Landwirtschaft.
Nachfolgelösung oft schwierig
„2020 hatten wir etwa 460.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. In 2024 waren es gerade noch 255.000. Daran kann man die größere Konzentration sehen, aber auch, dass die Nachfolgelösung oft schwierig ist“, so Ruland. Wie wichtig aber die Erzeugung im eigenen Land und die größtmögliche Unabhängigkeit von Importen von Grundnahrungsmitteln sei, könne man durch die Krisen der jüngeren Vergangenheit etwa durch den Ukraine-Krieg und die Auswirkungen auf die Getreidepreise erkennen. Regionale Erzeugung sei auch in Sachen CO2-Ausstoß wichtig.
Helmut Dahmen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Euskirchen, sprach einige aktuelle Herausforderungen an, besonders das Thema Betriebsmittelkosten: „Wir befinden uns ja wieder in einer Energiekrise, gerade die Dieselpreise ziehen stark an. Da ist die Bundesregierung gefordert, etwa mit Aussetzung der CO2-Abgaben.“ Auch das Thema Dünger bliebe problematisch: „Ist er in ausreichender Menge verfügbar, was wird er kosten – auch da sind wir als Verband gefragt.“ Der Verband werde durchaus in der Politik gehört und die würde oft auch helfen wollen, verstehe aber die eigentliche Problematik nicht immer.
Wichtige Themen seien auch Wettbewerbsfähigkeit und Mindestlohn. Ein wachsendes Problem sei die Überalterung in der Landwirtschaft. Sinnvolle steuerliche Regelungen gerade für die Hofnachfolge innerhalb der Familie seien notwendig, um jungen Landwirten überhaupt eine Existenzgrundlage zu bieten.
„Faktische Kürzung um 22,4 Prozent“
Erich Gussen, Diplom Agraringenieur aus Jülich und Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), nahm das neue geplante EU-Budget in den Fokus und sparte nicht an Kritik: „Jeder neue Landwirtschafts-EU-Kommissar kommt mit seiner eigenen Reform, und jede Reform braucht einen neuen Namen.“ Das, was dort aktuell geplant sei, entspräche eine faktischen Kürzung um 22,4 Prozent. Durch die hohen Standards in Deutschland sei aber eine Landwirtschaft ohne ausreichende Unterstützung nicht möglich. Dabei herrsche Einigkeit darüber, dass die Landwirtschaft systemrelevant ist. Die Politik aus Brüssel habe mit den geplanten Entscheidungen wichtige Chancen für Kooperation und Akzeptanz vertan.
Auch seien bestimmte Umweltschutzverfahren nicht zielführend, etwa die aktuelle Praxis der Wassermessstellen mit Aufteilung in grüne und rote Gebiete je nach Belastung mit Düngerückständen. „Wer viel misst, misst viel Mist“, so Gussen, denn regionale Niederschlagsmengen und Bodenbeschaffenheit würden dabei nicht ausreichend berücksichtigt. Sinnvoller sei eine Nährstoffbilanz. Denn selbstverständlich hätten die Landwirte kein Interesse daran, unnötig Dünger aufzubringen – denn das nütze weder der Umwelt noch dem Portemonnaie. Erich Gussed machte deutlich, dass die Ziele von Politik und Landwirtschaft sich durchaus ähnelten, aber die Frage zum Weg dorthin teilweise sehr unterschiedlich gesehen werde.
Gesundheitsvorsorge
Gerade in einer überalterten Landwirtschaft ist die Gesundheit ein wichtiges Thema, dem sich Mirco Behr und Timo Voss von der Union Krankenversicherung widmeten. Der Kooperationspartner der Sparkassen gibt Landwirten Sonderkonditionen und hat Anreize zur Mitarbeiter-Bindung und -Gewinnung im Portfolio, wie etwa eine Betriebliche Krankenversicherung mit zahlreichen Benefits. Besonders über das Thema Pflege solle man sich Gedanken machen, da die gesetzlichen Krankenkassen immer nur einen Grundanteil übernehmen würden. In einem Beispiel aus Pflegeheimen in Kommern zeigten die Fachleute, dass bei zehn Jahren Pflege ein Eigenanteil von über 350.000 Euro entstehen könne. Auch das Thema Zahnzusatzversicherung sei wichtig, denn bei Zähnen sei eigentlich nicht die Frage ob, sondern nur wann zusätzliche, teilweise erhebliche Kosten anfielen.
Zum Abschluss berichtete Martin Spiegelhalter, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Euskirchen, über die Möglichkeiten, aber auch die Risiken der Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) in der Landwirtschaft.