Gesellschaft und Soziales

55 Jahre Lebenshilfe HPZ

Aus dem 1971 gegründeten Verein ist über die Jahrzehnte ein Spezialist für verschiedene Wohnformen für Menschen mit Behinderung sowie für Autismustherapie geworden – Wichtige Unterstützung an 18 Standorten in den Kreisen Euskirchen, Düren und Rhein-Erft

Munter wie der Frosch im Wasser war die Feier zu 55 Jahre Lebenshilfe HPZ, hier beim Auftritt der hauseigenen Tanzgruppe „Die lustigen HPZ Frösche“. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Zülpich-Bürvenich – „50 Jahre feiern kann ja jeder, wir feiern das 55ste Jubiläum!“, scherzte Philipp Krosch, Geschäftsführer der Lebenshilfe HPZ, bei der Feier in Dorfgemeinschaftshaus Bürvenich/Eppenich. Seit einem halben Jahrhundert plus fünf Jahre sorgt die Lebenshilfe HPZ dafür, dass Menschen mit Beeinträchtigung eine angemessene Wohnsituation bekommen. Mit so viel Hilfe wie nötig, stets aber unter der Prämisse, für so viel Selbstständigkeit und Erhalt von Fähigkeiten wie möglich zu sorgen. 500 Menschen mit Unterstützungsbedarf werden bei der Lebenshilfe HPZ von 300 Mitarbeitenden betreut, ob im Betreuten Wohnen, besonderen Wohnformen oder den AutismusZentren. An 18 Standorten in den Kreisen Euskirchen, Düren und Rhein-Erft ist das engagierte Team tätig. Das 50. Jubiläum musste leider ausfallen – derzeit tobte das Coronavirus.

„Wir stehen hier heute so groß und so stark wie noch nie“, freute sich Krosch. Und das trotz einiger Herausforderungen in den vergangenen Jahren, wie sein Geschäftsführerkollege Christian Pfaff sagte: „Ich erwähne hier mal nur die Corona-Pandemie und die Flutkatastrophe.“ Er dankte noch einmal den vielen Kooperationspartnern, Handwerkern und Unterstützern, ohne die solche Herausforderungen nicht zu meistern seien. „Zudem wissen wir alle, dass die öffentlichen Kassen immer knapper werden.“ Deshalb sei etwa die hauseigene „Stiftung Lebenshilfe Bürvenich“, aber auch treue Investoren oder Partner so wichtig, um auch weiterhin modernen, auf die Bedarfe von Menschen mit Behinderung passenden Wohnraum bieten zu können.

Die beiden Lebenshilfe-HPZ-Geschäftsführer Christian Pfaff (v.l.) und Phillipp Krosch sowie Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Habscheid dankten den vielen Unterstützern, die 55 Jahre im Einsatz für Menschen mit Behinderung möglich gemacht haben. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Habscheid berichtete über die Anfänge: „Die Lebenshilfe HPZ wurde 1971 gegründet. Am Anfang stand die Betreuung von Jugendlichen und Kindern, es kamen aber sehr schnell wegen des großen Bedarfs auch Erwachsene dazu.“ In der „Keimzelle“ Bürvenich habe die Lebenshilfe HPZ mehrere Angebote eröffnet, dann sei in Schleiden für 48 Menschen mit Schwerst-Mehrfachbehinderungen, dann das Wohnheim für Kinder und Jugendliche in Schmidtheim eröffnet worden. Es folgten weitere Bereiche vom klassischen Betreuten Wohnen bis zum Betreuten Wohnen mit Hintergrunddienst, also mit 24-Stunden-Rundumbetreuung, sowie die Autismustherapie mit Autismuszentren in Bürvenich, an zwei Stellen in Euskirchen, in Mechernich und Brühl und mit dem Autismuszentrum in Düren.

Bedarfe von Menschen mit Behinderung durch professionelle Strukturen ausfüllen, das habe sich die Lebenshilfe HPZ zur Aufgabe gemacht, betonte Landrat Markus Ramers. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Landrat Markus Ramers nannte 55 Jahre Lebenshilfe HPZ ein „Starkes Zeichen“ dafür, was entstehen kann, wenn Menschen eben nicht zuerst auf Grenzen schauen, sondern auf Möglichkeiten. Er betonte die Wichtigkeit professioneller Strukturen, um den Bedarfen von Menschen mit Behinderung gerecht zu werden. Da sei in den vergangenen Jahrzehnten auch von der Lebenshilfe HPZ Großartiges geleistet worden. Wohl auch angesichts aktueller politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen mahnte er: „Wir müssen uns alle gemeinsam dafür einsetzen, dass das, was dort an Haltung für Menschen mit Behinderung über Jahrzehnte aufgebaut wurde, erhalten bleibt!“ Er schloss seine Rede mit einem Zitat der US-amerikanischen Bürgerrechtlerin Dr. Maya Angelou: „Ich habe gelernt, dass die Menschen vergessen, was du gesagt hast, die Menschen werden vergessen, was du getan hast, aber die Menschen werden nie vergessen, wie du sie fühlen ließest.“

Ausdrücklich stolz auf die selbstverständliche Inklusion von Menschen mit Behinderung gerade in Bürvenich ist Ulf Hürtgen, Bürgermeister Stadt Zülpich. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Ulf Hürtgen, Bürgermeister Stadt Zülpich, bedankte sich nicht nur bei der Lebenshilfe HPZ für die tolle Arbeit, sondern auch bei der Dorfgemeinschaft Bürvenich. Die habe sich von Anfang an für Menschen mit Behinderung engagiert. Immer gemeinsam werde gefeiert, was man auch daran sehen könne, wie viele Vertreter der Vereine bei der Feier anwesend seien. Dann erklärte er, wofür das Wort Lebenshilfe steht: „L wie Lachen, wenn selbst an schweren Tagen ein Lächeln Türen öffnet. E wie Empathie, die zeigt: Niemand muss seinen Weg alleine gehen. B – klar, wie Bürvenich, aber auch wie Begleitung, die Halt gibt, wenn das Leben stolpert. E wie Engagement, dass jeden Tag mit Herz gelebt wird. N wie Nähe, die Vertrauen wachsen lässt und Mut schenkt. S wie Spaß, denn gemeinsames Lachen gehört genauso dazu wie ernste Gespräche. H wie Hoffnung, die auch in schwierigen Zeiten ihren Platz behält. I wie Ideen, die aus kleinen Schritten große Fortschritte machen. L wie Lebensfreude, die gemeinsam entdeckt und gefeiert wird. F wie Freundschaft, die verbindet und trägt, und E wie »Ein herzliches Dankeschön«!“

Birte Karstens, Präsidentin der KG Lebenshilfe Bürvenich, brachte ein „Dreifaches Dankeschön“ für die herzliche Zusammenarbeit aus. Während Ludwig Foemer, Vorsitzender der Ortsgemeinschaft Bürvenich/Eppenich, die Geschichte der gemeinsamen Feiern und die selbstverständliche Inklusion Revue passieren ließ – das Besondere ist, dass das in Bürvenich nichts Besonderes ist.

Für die musikalische Umrahmung sorgte Musiktherapeut Peter Bernards, der im Alltag Menschen im Autismuszentrum Düren unterstützt und als Multiinstrumentalist und Sänger mit Songs von Eurythmics bis Beatles brillierte. Außerdem begeisterten zwei Tanzgruppen der Lebenshilfe HPZ das Publikum: Die „Lustigen HPZ Frösche“ aus dem Kinder- und Jugendwohnen Bürvenich hüpften nicht nur auf, sondern zur Freude der Zuschauer auch auf dem Weg auf und von der Bühne, während die „Flummis“ aus dem Kinder- und Jugendwohnen Schmidtheim mit afrikanischen Klängen aus dem „König der Löwen“ für besonderes Flair sorgten. Für die gekonnte Moderation sorgte René Blum, Beschäftigter in der IT der Nordeifel.Werkstätten. Weitere Infos im Internet: www.lebenshilfe-hpz.de

Eifeler Presse Agentur/epa