Kanonenräder werden in Kommern bereift

Großeinsatz für Schmied und mehrere Stellmacher im LVR-Freilichtmuseum

Die Kanonen vom Bonner Alten Zoll werden im LVR-Freilichtmuseum Kommern restauriert. Foto: Michael Sondermann/Stadt Bonn
Die Kanonen vom Bonner Alten Zoll werden im LVR-Freilichtmuseum Kommern restauriert. Foto: Michael Sondermann/Stadt Bonn

Mechernich-Kommern/Bonn/Erftstadt –Im LVR-Freilichtmuseum Kommern werden nicht nur alt-ehrwürdige Häuser und Mühlen vor dem Verfall bewahrt, sondern auch fast ausgestorbene Berufe lebendig gehalten. Und das  nicht nur als Schauvorführungen für Besucher, sondern auch als Auftragsarbeiten, wie Dr. Michael H. Faber,. Stellvertretender Direktor des LVR-Freilichtmuseums Kommern, berichtet: „Es gibt einen Großeinsatz für Museumsschmied Dieter Knoll und gleich drei Stellmacher mit mehreren Assistenten: Am Sonntag, 2. Juni, will das Museumsteam an der sechs Holzspeichenräder neu mit Eisen bereifen.“ Unter den Stücken sind ein fast mannshohes Rad und vier schwere Kanonenräder.

Denn Walter Keil aus Erftstadt, der im LVR-Freilichtmuseum Kommern das fast ausgestorbene Stellmacherhandwerk vorführt, hatte von der Stadt Bonn den Auftrag zur Restaurierung jener beiden Kanonen erhalten, die seit Jahrzehnten beliebtes Fotomotiv auf dem „Alten Zoll“ am Rhein waren. Die Kanonen waren nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 aus Metz nach Bonn gekommen und der Stadt offiziell von Kaiser Wilhelm I. übergeben worden.

Im Laufe der Zeit hatte die Witterung den Kanonen so stark zugesetzt, dass die Lafetten mitsamt den Rädern erneuert werden mussten. Im Freilichtmuseum stellte Keil die vier neuen Kanonenräder her, während die übrigen Lafettenteile zur Erneuerung bei Bernd Fiesel landeten: Fiesel ist seit diesem Jahr als Stellmacher im LVR-Freilichtmuseum Kommern tätig.

Faber: „Auf der Veranstaltung „Wagenrad und Reifen“ am 2. Juni wollen Fiesel und Keil zusammen mit Museumsschmied Knoll Eisenreifen von drei Zentimeter Stärke und zehn Zentimeter Breite auf die neuen Kanonenräder von 150 Zentimeter Durchmesser aufziehen.“ Zuvor werden die Reifen im Schmiedefeuer erhitzt, damit sie sich für das Aufziehen weiten. Nach dem Aufziehen werden die Reifen im Wasser des Dorfbrunnens abgekühlt. Bei dieser Schwerstarbeit bekommen Fiesel, Keil und Knoll Unterstützung durch Stellmacher Walter Berg aus Schmidt, den im Umgang mit alten holzberäderten Fahrzeugen erfahrenen Luxemburger Nico Hamen und zwei weiteren Helfern.

Bevor jedoch die Kanonenräder an die Reihe kommen, bereift das Team ein Handkarrenrad und eines der 1,80 Meter großen Räder von „Marianne“: So bezeichnete man die einachsigen Hebegeräte, mit denen früher schwere Baumstämme aus dem Wald gezogen und weitertransportiert wurden. Die wieder restaurierte Marianne wird bei den nächsten Großveranstaltungen des „WaldPädagogikZentrum Eifel“ im LVR-Freilichtmuseum Kommern, zum Beispiel auf der Veranstaltung „Nach der Ernte“ im September, eingesetzt.

Mit den umfangreichen Vorbereitungen des Reifenaufziehens sollen die Handwerker am 2. Juni gegen 9 Uhr beginnen. Ab circa 10 Uhr wird der erste Reifen aufgezogen. Bis circa 16 Uhr dürften alle Arbeiten abgeschlossen sein, schätzt Walter Keil.

Quelle: LVR-FMK

 

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