„Oft zittern die Opfer mehr als die Täter“

Rudi Esch ist durch sein Schöffenamt zum „Weissen Ring“ gekommen – Kreissparkasse Euskirchen unterstützt seit Jahren die unbürokratische Hilfe der Ehrenamtler

Sie sorgen zusammen für Hilfe von Kriminalopfern: Fritz Ohst (v.l.) und Hans Jakob Schumacher, Weisser Ring, Markus Ramers, Vorsitzender Bürgerstiftung KSK, Rudi Esch, Leiter Weisser Ring Euskirchen, Rita Witt, KSK Euskirchen, und Karl-Hermann Haard, Weisser Ring. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Sie sorgen zusammen für Hilfe von Kriminalopfern: Fritz Ohst (v.l.) und Hans Jakob Schumacher, Weisser Ring, Markus Ramers, Vorsitzender Bürgerstiftung KSK, Rudi Esch, Leiter Weisser Ring Euskirchen, Rita Witt, KSK Euskirchen, und Karl-Hermann Haard, Weisser Ring. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – „Sie glauben gar nicht, wie die Opfer bei Gerichtsverhandlungen oft zittern“, berichtet Rudi Esch, Leiter „Weisser Ring“ Außenstelle Euskirchen. Nach seiner aktiven Berufszeit hatte er sich zunächst als Schöffe zur Verfügung gestellt und dabei bemerkt, dass die Täter häufig einen glücklicheren Eindruck machten als die Opfer. „Da wollte ich einfach etwas tun und arbeite deshalb seit nunmehr elf Jahren beim »Weissen Ring«“, sagte Esch am Samstagvormittag am Infostand der Kriminalitätsopfer-Hilfe in der Euskirchener Innenstadt.

Über 100 Fälle seien es jährlich im Kreis Euskirchen, bei denen das Team von insgesamt acht Ehrenamtlern – vier Frauen und vier Männer – schnell und unbürokratisch Hilfe leisten. „Das fängt bei finanzieller Soforthilfe an, wenn etwa einer Frau mit schmaler Rente ihr Geld gestohlen wird. Da sehen sie dann schnell Freudentränen. Wir leisten aber auch psychologische Hilfe, begleiten bei Gerichtsverfahren oder stellen Kontakte zu Rechtsanwälten oder Therapeuten her“, so Rudi Esch.

Das Besondere dabei: Die Opfer bekommen auch Hilfe, wenn sie den Gang zur Polizei und eine Anzeige scheuen. Esch: „Wir können auch einen Scheck für die Gerichtsmedizin ausstellen, wodurch die Opfer bei Missbrauch oder anderen Gewalttaten anonym untersucht werden. Die gefundenen Beweise werden zehn Jahre lang gerichtsverwertbar aufbewahrt.“ Ein typisches Beispiel sei häusliche Gewalt: „Viele glauben, dass das ein einmaliger Ausrutscher war. Aber wer einmal schlägt, tut es auch wieder. Wenn es dann später zu einer Anzeige kommt, kann durch die anonyme Spurensicherung oft das notwendige Beweismaterial helfen.“

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Esch hilft auch bei der Antragstellung für Opfer sexuellen Missbrauchs, für die bis zu 10000 Euro Hilfe durch einen Fond geleistet werden kann. „Der Antrag ist sehr umfangreich, da braucht man schon Unterstützung“, sagte er. Die Hilfe des „Weissen Rings“ sei sehr vielfältig und ziele immer auf Hilfe zur Selbsthilfe ab. In manchen Fällen sei schnelles Eingreifen psychologisch äußerst wichtig, so habe das Team etwa einmal dafür gesorgt, dass eine junge Frau schnell aus ihrer Familie flüchten konnte, und ihr Wohnung und Wohnungseinrichtung zur Verfügung gestellt. Bereits zweimal habe er sogar Opfern zu einem neuen Namen verholfen: „Das ist sehr schwierig und langwierig, es müssen ja auch die Namen auf Zeugnissen, Papieren und so weiter geändert werden.“ Aber manchmal sei das die einzige Chance, neu anzufangen.

„Ein anderes Mal haben wir für eine Frau Sachen aus der Wohnung ihres Mannes geholt, die sie aus Angst vor weiterer Gewalt nicht mehr betreten wollte – da habe ich mir allerdings Unterstützung von zwei großen Kerlen geholt“, sagte Esch schmunzelnd. Die Helfer seien eben manchmal auch selbst auf Hilfe angewiesen, auch finanziell. Deshalb freute Esch sich auch besonders über den Besuch von Rita Witt, Direktorin Vorstandssekretariat der Kreissparkasse Euskirchen (KSK), und Markus Ramers, Vorsitzender der KSK-Bürgerstiftung. „Die unterstützen uns immer wieder, sonst könnten wir Vieles gar nicht leisten“, verrät Esch.

Rita Witt: „Wir haben ihre Nummer in unserer Hotline gespeichert, leider hatten wir ja auch schon Überfälle auf unsere Filialen.“ Nach einer Tat hatte Rudi Esch eine KSK-Mitarbeiterin sogar zur Gerichtsverhandlung begleitet, wie er sagte: „Das ist wichtig, vor dem Gerichtsgebäude treffen die Opfer oft mit den Tätern zusammen, da kann es schon mal Sprüche geben. Ich rufe dann auch schon einmal einen Uniformierten dazu.“

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Markus Ramers: „Man hofft immer, dass man den »Weissen Ring« nicht braucht, aber es ist sehr gut, dass es ihn gibt, wenn etwas passiert.“ Deshalb waren Ramers und Witt auch nicht mit leeren Händen gekommen, sondern hatten einen Scheck über 2500 Euro im Gepäck. Esch: „Die Kreissparkasse unterstützt uns seit Jahren, sie ist auch Mitglied bei uns.“ Über weiteren Zulauf bei den Mitgliedern wäre Rudi Esch erfreut: „Die Mitgliedschaft geht bei 2,50 Euro im Monat los, das ist das Geld für eine Tasse Kaffee.“

Auf die Frage von Rita Witt, wie er selbst mit dem Wissen über die oft harten Schicksalen seiner Schützlinge umgehen könne, antwortete er: „Ich rede viel mit meiner Frau, natürlich ohne Namen oder konkrete Fakten zu nennen. Außerdem sind alle Mitarbeiter sehr gut ausgebildet. Grund- und Aufbauseminare sind Pflicht, dazu werden fortlaufend Fortbildungen angeboten. Und einmal im Monat treffen wir uns zu einem Intervisions-Abend.“

Weitere Informationen und Antragsformular für Mitgliedschaft im Internet unter www.weisser-ring.de oder direkt bei Rudi Esch unter Telefon 0 22 51-7 77 58 70, E-Mail: rudi-esch@t-online.de

Eifeler Presse Agentur/epa

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