Rempeleien, „Lackaustausch“ und Country-Konzerte

Von Reiner Züll (Text und Bilder) Über 120 000 Besucher kamen zum 30. Truck-Grand-Prix an den Nürburgring

Immer wieder ein Hingucker: Die großen US-Trucks. Alle Bild: Reiner Züll
Immer wieder ein Hingucker: Die großen US-Trucks. Alle Bild: Reiner Züll

Eifel/Nürburgring –  Der Nürburgring war am Wochenende wieder fest in Trucker-Hand. Bei strahlenendem Sommerwetter bevölkerten die Country-Fans die Campingplätze rund um die Eifel-Rennstrecke, auf der es drei Tage lang hoch herging. Es ist die Mischung aus Truck-Motorsport, Country-Musik, Industriemesse, Trucker-Partys und Fernfahrer-Romantik, die den Truck-Grand-Prix am Nürburgring seit nunmehr 30 Jahren zu der beliebtesten Motorsportveranstaltung auf der Eifelrennstrecke gemacht haben.

Am Wochenende zog es wieder über 120.000 Besucher zum Ring, um dort anlässlich des 30. Geburtstages der Kultveranstaltung eine Riesenparty zu feiern. Mittendrin auch unzählige Fans aus dem Kreis Euskirchen, die sich teilweise schon montags ihre Plätze auf den Campingplätzen gesichert und ihre Claims frühzeitig abgesteckt hatten.

Mit elf Fans aus dem Raum Mechernich war auch der inzwischen 89-jährige Robert Stöpp wieder dabei. Mit der Gruppe um den 66-jährigen Harry Stümper aus Kallmuth war der Senior schon mittwochs auf dem Campingplatz angereist. Campiert wurde bis Sonntagabend in drei Wohnwagen und einem Zelt. In zwei Tiefkühlschränken wurde reichlich Verpflegung für den fünftägigen Aufenthalt auf dem Campingplatz deponiert.

In Robert Stöpp hat Harry Stümper auch einen zuverlässigen Kochgehilfen. Denn es wird nicht nur gegrillt, berichtet Stümpers 14-jähriger Enkel Yannick Göbel. Beim Truck-Grand-Prix gebe es immer das spezielle Nürburgring-Gericht „Spaghetti-Carbonare á la Opa Harry“, so Yannic. Als Abwechslung steht außerdem Käse-Lauch-Suppe mit Kartoffeln und Gehacktes auf dem Speisenplan.

Als fast 80-Jähriger hatte sich Robert Stöpp vor zehn Jahren von seinem Freund Harry überreden lassen, mit zum Nürburgring zu fahren. Seitdem hat er kein Trucker-Festival am Nürburgring ausgelassen und dürfte heute der wohl älteste Fan des Country-Spektakels sein. „Mich begeistern allerdings weniger die Truck-Rennen sondern mehr das Drumherum“, so der 89-Jährige.
Unzählige Transport- und Speditionsfirmen waren am Wochenende mit ihrem Fuhrpark zum Nürburgring gekommen, um beim großen Trucker-Festival dabei zu seien. Wenn die Brummi-Fahrer auch bei den Rennen auf der Grand-Prix-Strecke nicht direkt ins Geschehen eingriffen, so hatten sie dennoch die Möglichkeit, ihre blitzblank polierten Lastwagen beim Korso am Samstag und Sonntag zu präsentieren.

Die Paraden der Brummis, der schmucken US-Trucks, der vielen historischer Nutzfahrzeugen und ausrangierten Einsatzfahrzeugen von Feuerwehr oder Polizei wurden begleitet von einem ohrenbetäubenden Hupkonzert.

Allein im Trucker-Camp in der Müllenbachschleife, wo freitags und samstags zwei spektakuläre Country-Konzerte mit bekannten Protagonisten wie Truck-Stopp und Tom Astor Zigtausende Besucher anlockten, standen mehrere Hundert Trucks – einer schöner als der andere. In der Müllenbachschleife wurde am späten Samstagabend das traditionelle Höhenfeuerwerk gezündet, bei dem zum Schluss die Botschaft „You’ll never walk alone“ („Du wirst niemals allein gehen“) in den Eifel-Himmel geschrieben wurde.

Auch an die kleinen Besucher hatte der ADAC-Mittelrhein gedacht: In einer großen Family-Event Area gab es unter anderem eine Bobbycar-Bahn, ein Spiele-Zelt, eine kleine Sommerrodelbahn und eine Hüpfburg. Sogar eine Baby-Wickelstation stand zur Verfügung.
Auch Reiten auf dem Elektro-Bullen wurde angeboten.

Freunde des Truck-Motorsports kamen voll auf ihre Kosten, zumal auch der Wettergott mitspielte und alle Rennen bei strahlendem Sonnenschein über die Bühne gingen. Zwei Wertungsläufe der Race-Trucks zählten für die Europameisterschaft, bei weiteren Rennen ging um den Pokal des ADAC-Mittelrhein, der seit 30 Jahren Veranstalter des Truck-Grand-Prix ist. Rempeleien und „Lackaustausch“ gehören bei den spektakulären Truck-Rennen ebenso dazu, wie die Gridgirls in der Startaufstellung oder die Hostessen, die im sexy Outfit für diverse Firmen werden.

Im Rahmenprogramm mischte Sänger und Hobby-Rennfahrer „Smudo“ (Bernd Schmidt) von den Fantastischen Vier bei zwei Rennen in einem 270 PS starken X-Bow mit. Im nächsten Jahr will Smudo in einem Renntruck steigen, um beim Mittelrhein-Cup mitzumischen. „Das muss unbeschreiblich sein, mit diesen PS-Monstern über den Asphalt zu brettern“, so Smudo.

Auch für Nervenkitzel war gesorgt. Tollkühne Männer mit Motorrädern und einfachen BMW-Straßenfahrzeugen zeigten auf der Start- und Ziellinie ein spektakuläres Stuntprogramm, während im Industrielager die großen Nutzfahrzeuge-Hersteller ihre neusten Fahrzeuge präsentierten.

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