Psychisch Erkrankte gingen „zo Fooss noh Kölle“

Eine Teilnehmerin verzichtete nach der ersten Etappe sogar auf ihren Rollator

Eva-Maria Mirkes (v.l.), Gerd Schäfer, Sigrid Hörnig, Mathias Odenbach und Rita Falk während der 5. Etappe auf einem Feld bei Friesheim. Bild: Carsten Düppengießer
Eva-Maria Mirkes (v.l.), Gerd Schäfer, Sigrid Hörnig, Mathias Odenbach und Rita Falk während der 5. Etappe auf einem Feld bei Friesheim. Bild: Carsten Düppengießer

Euskirchen/Köln – Heimweh nach Köln, welches Willi Ostermann in seiner inoffiziellen Hymne des Rheinlandes einst besang, müssen auch fünf Gäste der Tagesstätte für psychisch erkrankte Menschen der Caritas Euskirchen verspürt haben. Gemeinsam mit dem Ergotherapeuten Gerd Schäfer und verschiedenen Praktikanten machten sie sich auf, um von Euskirchen zu Fuß bis zum Kölner Dom zu gehen.

„Den Ausschlag gab tatsächlich das Lied von Ostermann. Nachdem wir es gehört hatten war uns klar – wir gehen zo Fooss noh Kölle“, so Schäfer. Tatsächlich hatte Schäfer schon länger nach einer Tour gesucht, die er gemeinsam mit Gästen der Tagesstätte des Sozial-Psychiatrischen-Zentrums (SPZ) des Wohlfahrtsverbandes in mehreren Etappen gehen konnte. „Und zwar auch und gerade mit denen, die nicht so gut zu Fuß sind“, betont Schäfer.

Deshalb wurde bei der Festlegung der einzelnen Etappen auf die Eignung der Wege für Rollatoren und Elektroscooter geachtet. Gemeinsam mit den Klienten wurden im Vorfeld infrage kommende Strecken abgefahren und begutachtet. Der Weg führte die Gruppe schließlich in 13 Etappen von Euskirchen über die Dörfer auf einer über 40 Kilometer langen Route bis in den Kölner Dom.

„Ziel war es, gerade die weniger mobilen Gäste unserer Tagesstätte zu mobilisieren“, berichtet Schäfer. Denn diese seien teilweise nicht nur psychisch erkrankt sondern durch die Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit zusätzlich gehandicapt. Gemeinsam in der Gruppe, die sich gegenseitig unterstützte, hätten diese aber neues Selbstbewusstsein tanken und sich persönlich weiter entwickeln können.

So hatte Heinz Mirkes, dessen Frau Gast in der Tagesstätte ist, diese nicht nur begleitet, sondern ihren Elektroscooter mit einem selbst gebauten Stahlgestell versehen, auf welchem ein Plakat auf die Wandergruppe aufmerksam machte und ein Warndreieck zusätzlich für Sicherheit sorgte. Für Eva-Maria Mirkes war die Wanderung ein ganz besonderes Erlebnis. „Ich bin seit 20 Jahren sehr eingeschränkt, bin schon seit langem nicht mehr in Feld und Wald unterwegs gewesen. Richtig schön war das!“ Teilnehmerin Rita Falk hatte 2014 eine schwere Operation und ist seither auf einen Rollator angewiesen. „Nach der ersten Etappe entschied sie sich auf diesen zu verzichten. Wir haben unsere Geschwindigkeit entsprechend angepasst und wenn es nicht mehr ging Frau Falk abwechselnd gestützt“, so Schäfer.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Seminar für ehrenamtliche Hospizhelfer

Die einzelnen Etappen, jede mit einer Dauer von ein bis zwei Stunden, konnten alle Teilnehmer bewältigen. Jeden zweiten Montag wurde an der Stelle weitergewandert, an der man beim letzten Mal aufgehört hatte. Den Endpunkt bildet der Kölner Dom. In der Kathedrale zündete die Caritas-Wandergruppe Kerzen an und lies in einer stillen Andacht den Weg noch einmal Revue passieren. „Das war mir wichtig. Ich wollte Danke sagen, für das was ich seit meiner OP alles erleben durfte – wie diese wunderbare Wanderung“, so etwa Falk abschließend. (eB/epa)

Kommentar verfassen