Sogar US-Soldaten tranken schon den „RÖLBS“

Altes Familienrezept wiederentdeckt – Echter Wißkirchener Likör wird nach über 40 Jahren wieder produziert

Thorsten Schmitz (links) zeigt eine alte „RÖLBS“-Flasche und Geschäftsführer Michael Schäfer präsentiert die Neuauflage. Bild: Schmitz
Thorsten Schmitz (links) zeigt eine alte „RÖLBS“-Flasche und Geschäftsführer Michael Schäfer präsentiert die Neuauflage. Bild: Schmitz

Euskirchen-Wißkirchen – Balthasar Schmitz, der besser unter dem Namen Ohm Bältes bekannte Wißkirchener Schankwirt, Destillateur und Erfinder produzierte ab 1913 einen Pfefferminz-Wermut-Likör, dessen Name „RÖLBS“ war. Aus der Schankwirtschaft ging der heutige Bierverlag F.A. Schmitz hervor. Der Likör wurde bis in die 80er Jahre noch in liebevoller Handarbeit in Wißkirchen produziert, so belegen es Fotos aus dieser Zeit.

„Zu Ohm Bältes’ Zeiten war der „RÖLBS“ ein Kassenschlager und außerdem weit über die Grenzen des kleinen Eifeler Vorortes Wißkirchen hinaus bekannt. Seit seiner Geburtsstunde war das aufwendig handgemalte Etikett, neben der dunklen Farbe des Likörs, das Markenzeichen“, berichtet Geschäftsführer Michael Schäfer.

Der verstorbene Valentin Schmidt, ein ehemaliger Mitarbeiter des Bierverlags Schmitz, bei der Vorbereitung eines „RÖLBS“-Flaschenetiketts um 1970. Bild: Schmitzz
Der verstorbene Valentin Schmidt, ein ehemaliger Mitarbeiter des Bierverlags Schmitz, bei der Vorbereitung eines „RÖLBS“-Flaschenetiketts um 1970. Bild: Schmitz

Auch der Zweite Weltkrieg habe dem „RÖLBS“ nichts anhaben können, „sogar US-Soldaten tranken ihn“, so Schäfer weiter.  Am Totenbett habe Sohn Franz Anton seinem Vater das Versprechen geben müssen, dass der „RÖLBS“ nie in Vergessenheit geraten würde. Aber leider sei der „RÖLBS“ im Treiben der Zeit doch in Vergessenheit geraten. Nur zwei Flaschen hätten ungesehen die Zeiten überlebt. Auch das Original-Rezept sei jahrelang in verstaubten Aktenschränken verborgen geblieben.

Schäfer weiter: „Erst als im Jahr 2013 der 100. Geburtstag des Bierverlages anstand, wurde aus diesem Anlass das Archiv der Firma nach alten Erinnerungen durchforstet. Dabei fand Thorsten Schmitz, Urenkel von Ohm Bältes, das Rezept und regte an, auf dessen Basis einen Pfefferminz-Wermut-Likör mit 25 Prozent Alkohol  herzustellen.“

Ein bisschen Zeit habe man dann noch gebraucht, so der heutige Geschäftsführer des Getränkefachgroßhandels weiter. „Zuerst mussten wir schauen, ob es den Namen inzwischen schon gibt. Wir haben nichts gefunden und ihn somit rechtlich für uns schützen lassen. Wir waren mächtig stolz, als wir dann die ersten Flaschen vor uns stehen hatten. Eine von den beiden verbliebenen Flaschen musste allerdings dran glauben, um den Geschmack des Urlikörs mit der Neuauflage vergleichen zu können. Das war schon aufregend, eine so alte Flasche zu öffnen.“

Der Zeitpunkt, den Likör jetzt so kurz vor Karneval auf den Markt zu bringen, ist gut gewählt. Abgefüllt wird die Spirituose in Anlehnung an eine nostalgische Optik nun in einer 0,5 Liter Apothekerflasche sowie für Veranstaltungen in einer 0,02 Liter Miniflasche. „Die ersten Gastronomen haben die Apothekerflasche schon gekauft und einige sogar schon nachbestellt“, so Schäfer; und weiter: „Von einer Gastronomin aus Firmenich und sogar von einem ehemaligen Kölner Gastronomen habe ich erfahren, dass sie den „RÖLBS“ noch von früher kennen. Sie haben mir erzählt, dass der „RÖLBS“ anfangs noch in großen Glas-Galonen in ihren Schankwirtschaften stand. Bei einer anderen Gastronomin war ich gerade beim Vorstellen des Produktes, als ein Gast unseren Likör direkt erkannt hat. Er hat probiert und erfreut gesagt: Ja, das ist er! Das war ein tolles Gefühl!“ (epa)

www.roelbs.de

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