Kall geht bei „Eifeler Radiotagen“ auf Sendung

Rundfunkhistorie auf engstem Raum – Hörfunkstudio im Atombunker – Sendeanlage der Polizei mit UKW-Sender von 1955 – Zwei Tage handgemachtes Radioprogramm auf UKW-Frequenz 95,5 MHz und Veranstaltungen vor Ort

Der Initiator der "Eifeler Radiotage", Christian Milling, vor dem UKW Sender aus dem Jahr 1955. Bild: Privat
Der Initiator der „Eifeler Radiotage“, Christian Milling, vor dem UKW Sender aus dem Jahr 1955. Bild: Privat

Kall – Vor 100 Jahren wurde das Radio in den Niederlanden gestartet, Radio Moskau ging vor 80 Jahren auf Sendung und der UKW Rundfunk in Deutschland wird jetzt 70 Jahre alt. Einige Radioenthusiasten möchten diese Geburtstage nutzen, um zwei Tage lang das Radio zu zelebrieren. Bei den „Eifeler Radiotagen“ am Wochenende, 6. und 7. Juli, soll gefeiert werden, natürlich „On Air“. Mittels Veranstaltungsradio und begleitendem Programm wollen die Macher in die 100-jährige Radiogeschichte eintauchen.

Initiator Christian Milling: „Wir haben im Kreis Euskirchen die einmalige Situation, dass es hier auf engstem Raum Rundfunkhistorie zu sehen gibt, von der über Jahrzehnte keiner wusste. Im Ort Urft bei Kall befindet sich der ehemalige Ausweichsitz der Landesregierung NRW. Dort, tief unter der Erde in einem Bunker gibt es ein Hörfunkstudio aus dem gesendet worden wäre, hätte es einen nuklearen Angriff im kalten Krieg gegeben. Etwa fünf Kilometer Luftlinie entfernt davon steht die ehemalige Sendeanlage der Landespolizei NRW. Dort findet man unter anderem einen originalen UKW Sender aus dem Jahr 1955.“

Sowohl das Studio, als auch der Sender wurden liebevoll restauriert und sind im Originalzustand voll einsatzbereit. Mittels dieser historischen Technik soll bei den „Eifeler Radiotagen“ zwei Tage lang Radio in klassischer Manier gemacht werden. Mit Tonband und Schallplatten – stilecht in Mono. Inhaltlich geht es rund ums Thema Radio, so Milling weiter:

„Es gibt viele spannende Radio-Geschichten, die wir erzählen wollen, von der technologischen Entwicklung des Rundfunks bis hin zu persönlichen Erlebnissen von Radiomachern und Hörern. Wir sprechen beispielsweise mit der Erfinderin des interaktiven Radios, Carmen Thomas, die 20 Jahre lang die Sendung »Hallo Ü-Wagen« moderiert hat.“ Musiklegende Alan Parsons erzähle darüber hinaus über den Moment, als er zum ersten Mal eins seiner Lieder im Radio gehört habe. Der Start des privaten Hörfunks in Deutschland vor 35 Jahren seit genauso Thema wie der Blick zurück hinter den eisernen Vorhang, wo die Sowjets über Jahrzehnte den Empfang ausländischer Hörfunkprogramme durch bewusstes Stören unterbunden hätten.

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Die Eifeler Radiotage bleiben aber kein reines „Hörerlebnis“. So gibt es an dem Wochenende unter anderem die Möglichkeit, den ehemaligen Bunker der Landesregierung hautnah zu erleben. Zweistündige Führungen lassen die Besucher erleben, was die Beamten der Landesregierung im Katastrophenfall dort hätten unternehmen müssen. Das fiktive Szenario: Die ersten Atombomben sind auf das Ruhrgebiet gefallen, der Fallout treibt auf Köln/Bonn zu – die Bunkerbesatzung muss möglichst viele Menschen evakuieren. Anhand funktionierender Technik wird gezeigt, wie die Arbeit im Bunker verlaufen wäre.

Auch das Kloster Steinfeld, was zwischen den beiden Standorten in Urft und Krekel liegt, ist in die Eifeler Radiotage eingebunden. So wird unter anderem eine Klasse des Hermann-Josef-Kollegs ein Hörspiel produzieren, eine andere Klasse produziert Hörfunkbeiträge über die Zeit des Nationalsozialismus. Am Sonntag, 7. Juli, wird der von den Schülern gestaltete Gottesdienst aus dem Kloster Steinfeld übertragen.

An beiden Tagen fährt ein Ü-Wagen durch das Sendegebiet und Reporter melden sich von verschiedenen Orten. Zu empfangen ist das Programm in der Gemeinde Kall auf der UKW-Frequenz 95,5 MHz sowie europaweit außerhalb Deutschlands auf Kurzwelle 6030 kHz. Weltweit wird das Programm ins Internet gestreamt.

Anmeldungen zu den Bunkerführungen und weitere Informationen zum Programm der Eifeler Radiotage unter: www.eifeler-radiotage.de (epa)

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