Kollektiv Wolkenborn startet ins erste Erntejahr 2022

Gründungsversammlung vollzogen: Romy Linden aus Zingscheid, André Lehner aus Marmagen und Claudia Träger aus Hecken wurden als Vorstandsmitglieder einstimmig gewählt

Der Vorstand und Aufsichtstrat von Kollektiv Wolkenborn eG: Markus Körfer (v.l.), Sabine Meyer, David Rauch, Claudia Träger, Romy Linden und Urlich Meisen. Es fehlt André Lehner. Bild: Ralph Sondermann
Der Vorstand und Aufsichtstrat von Kollektiv Wolkenborn eG: Markus Körfer (v.l.), Sabine Meyer, David Rauch, Claudia Träger, Romy Linden und Urlich Meisen. Es fehlt André Lehner. Bild: Ralph Sondermann

Hellenthal/Nettersheim – Nach anderthalb Jahren der intensiven Planung und Vorbereitung fand jetzt im Bürgerhaus Wolfert die Gründungsversammlung und 1. Generalversammlung der Kollektiv Wolkenborns eG statt, einer solidarischen Landwirtschaft. Die Versammlung inklusive der Wahlen von Aufsichtsrat und Vorstand wurde aufgrund der Corona-Pandemie im kleinen Rahmen abgehalten. Ganz besonders die Mitglieder des Kernteams, die seit Oktober 2020 die Gründung vorangetrieben haben, freuen sich sehr, dass dieser wichtige Schritt nun vollzogen wurde. „Das war ein hartes Stück Arbeit, heute können wir wohl verdient den ersten Erfolg feiern“, sagte Romy Linden, Initiatorin der ersten solidarischen Landwirtschaft in der Eifel.
Romy Linden aus Zingscheid, André Lehner aus Marmagen und Claudia Träger aus Hecken wurden als Vorstandsmitglieder einstimmig gewählt. Den Aufsichtsrat bilden Sabine Meyer, Markus Körfer, Ulrich Meisen und David Rauch. Die bisherigen und bewährten Arbeitsgemeinschaften, die sich um verschiedene Themenbereiche und Mit-mach-Aktionen für Ernteteiler und Interessenten kümmern, bleiben natürlich bestehen und wollen noch wachsen.
„Die Grundsätze einer Genossenschaft passen für uns mit dem Konzept der Solawi am besten zusammen“, sagt Claudia Träger. „Trotz des relativ hohen Aufwands und der Kosten vor und nach der Gründung haben wir nie die Vorteile der Rechtsform einer Genossenschaft aus den Augen verloren und an unserem Vorhaben festgehalten. Der Austausch mit anderen Solawi-Genossenschaften war dabei sehr wertvoll.“
Um Ernteteiler im Kollektiv Wolkenborn zu werden, ist die Mitgliedschaft in der Genossenschaft Voraussetzung. „Unser angestrebtes Ziel mit 60 Ernteteiler in die erste Saison zu starten, wurde weit übertroffen. Unsere Erntegemeinschaft im Jahr 2022 umfasst sogar rund 90 Haushalte. Das ist ein großer Erfolg für uns und Zeichen dafür, dass wir mit unserem Projekt, das Konzept der solidarischen Landwirtschaft in der Eifel zu etablieren, auf Interesse und Unterstützung in der Bevölkerung treffen“, so Romy Linden.
Eine Genossenschaftsmitgliedschaft ohne Ernteteiler zu sein, ist übrigens möglich. So können Privatpersonen und Unternehmen die Solawi mit dem Kauf von mindestens einem Genossenschaftsanteil in Höhe von 150 Euro fördern. Jedes Genossenschaftsmitglied hat unabhängig von der Anzahl seiner Genossenschaftsanteile ein Stimmrecht in der Generalversammlung.
In den Räumlichkeiten des St. Josephsheims in Nettersheim wird ab dem 1. April das Depot des Kollektivs eingerichtet. Jeden Mittwoch von 17 bis 20 Uhr können die Ernteteiler dort ihre Ernteanteile abholen. „Da wir im ersten Jahr noch kein eigenes Gemüse anbauen, starten wir dieses Jahr als Kooperations-Solawi. Das heißt in unserem Fall konkret, dass acht Kooperationspartner unsere Erntegemeinschaft mit Gemüse, Obst, Saft, Honig, Ziegenkäse, Eier, Rinder-, Hühner- und Schafsfleisch versorgen“, erklärt André Lehner das Prinzip für das erste Erntejahr. Langfristig gesehen möchte die Solawi weitere Depots in der Region einrichten, um die Wege möglichst kurz zu halten und Ressourcen zu schonen.
Das Engagement der Gemeinschaft findet auch in der Landespolitik Zuspruch und Respekt. „Wir haben in der Enquetekommission Landwirtschaft auch über den Ansatz der Solidarischen Landwirtschaft gesprochen“, berichtet Dr. Ralf Nolten, Landtagsabgeordneter Düren/Euskirchen: „Wir haben den Bezug zum Wert und der Erzeugung unserer Nahrungsmittel weitgehend verloren. Auf dem feuchten Boden kniend die Erbsen legen, die Sämereien vorsichtig aus dem Tütchen klopfen, die Möhren vom Unkraut frei zupfen – wer macht das noch? Ich bin froh für jede Initiative, die sich die Mühen, die Saisonalität der Nahrungsmittelproduktion bewusst macht.“
Am 29. März ab 17.30 Uhr soll es in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum Nettersheim eine weitere Online-Infoveranstaltung rund um das Thema Solidarische Landwirtschaft geben. Genaueres findet man auf der Wolkenborn-Homepage.
Was ist solidarische Landwirtschaft?
In der solidarischen Landwirtschaft, kurz Solawi, schließen sich mehrere private Haushalte verbindlich für ein Jahr als Erntegemeinschaft zusammen, um gemeinsam alle Kosten eines oder mehrerer landwirtschaftlichen Betriebe zu decken. Für ihren monatlichen Beitrag erhalten alle Ernteteiler und Ernteteilerinnen einen (oder mehrere) wöchentlichen Ernteanteil mit Gemüse, Obst, Eiern, Fleisch u.a. Das einzelne Produkt verliert somit seinen vom Weltmarkt vorgegebenen Preis und erhält – wie auch die dahinter stehenden Menschen und Tiere – seinen Wert und die nötige Wertschätzung zurück. Regionale Strukturen und kleinbäuerliche Betriebe werden unterstützt und ein regionaler Wertschöpfungsraum geschaffen.
www.kollektiv-wolkenborn.de

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